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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 19:32

    Laurent Galadon u. Cyril Bonin: Wer Wind sät

    01.08.2012

    Junge trifft Mädchen trifft Schicksal trifft Sachbuch

    Wer Wind sät von Cyril Bonin und Larent Galadon erzählt die klassische Geschichte zweier ›star-crossed lovers‹, die neben einer ordentlichen Portion Tragik noch mit geballter Informationsfülle aufwartet. PETER KLEMENT über eine Graphic Novel, die ihren Storybogen sogar mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen untermauert.

     

    Die Geschichte zweier Liebender, die entgegen aller gesellschaftlicher Widerstände zueinanderhalten, ist vermutlich fast so alt wie die Menschheit selbst. Doch die ständig wechselnden äußeren Umstände verhindern, dass der Klassiker jemals aus der Mode kommen kann. In der Graphic Novel Wer Wind sät sind diesmal ein junger Bergarbeiter mit Fernweh und eine Angehörige des fahrenden Volkes mit einer finsteren Vergangenheit an der Reihe. Da lässt Ärger selbstverständlich nicht lange auf sich warten.

     

    UPDATE: Ein/e freundliche/r Leser/in hat mich darauf hingewiesen, dass die ergänzenden Texte, die später zur Sprache kommen, nur in der deutschen Version von Finix Comics zu finden sind.

     

    Romeo und Julia auf dem Flöze

    In einem Bergarbeiterort im Norden Frankreich steigen die Kumpel täglich, unter immer gefährlicheren Bedingungen, unter Tage, um Kohle abbauen. Die Stimmung brodelt, denn der Besitzer des Bergwerks quetscht ohne Rücksicht auf die Sicherheit der »gueules noires« das letzte Bisschen aus der Mine. Die Bergarbeiter beschließen sich mit einem Streik zu wehren, als eine Zigeunersippe mit ihrer Wagenkolonne in dem Ort haltmacht. Die Einwohner stehen den Fremden feindselig gegenüber und schon bald kommt es zu ersten Übergriffen, die nur durch das beherzte Eingreifen des jungen Antoine verhindert werden, der sich zu den mysteriösen Reisenden und vor allem zu der jungen Zigeunerin Kheshalya hingezogen fühlt.

     

    Als augenscheinlich eines der Kinder der unwillkommenen Besucher Kerzenleuchter aus der Kirche stiehlt, sieht der Unternehmer Mortimer eine Chance, die Zigeuner dazu zu zwingen als Streikbrecher die Arbeit der Kumpels zu übernehmen. Die Feindseligkeit der beiden Gruppen schlägt in offene Feindschaft um, die schon in der Vergangenheit ihren Blutzoll gefordert hat.

     

    Graphic Novel mit Lehrauftrag

    Das Besondere an Wer Wind sät ist nicht die altbekannte Geschichte von einem Jungen vom Dorf und einem Zigeunermädchen, auch nicht der klassische Konflikt zwischen den Arbeitern und ihren bourgeoisen Ausbeutern. Etwas Besonderes sind die ausführlichen Texte am Ende der Graphic Novel, die das Erzählte mit historischen Fakten untermauern und auch die übernatürlichen Aspekte erläutern – eine tragische Geschichte ohne mindestens einen vorwurfsvollen Geist ist schließlich ja auch nichts Halbes und nichts Ganzes.

     

    Am Ende erwarten die geneigten LeserInnen also, neben einem Portrait des Autors und des Zeichners, ausführliche erläuternde Texte zum Bergbau und dem Leben der Roma am Beginn des 20. Jahrhunderts, die einzelne Punkte des Plots wieder aufgreifen und mit Erklärungen unterfüttern. Wie in der Graphic Novel selbst werden die unterschiedlichen Gruppen vermutlich von der Finixredaktion auch hier mit großer Empathie dargestellt.

     

    Die frankobelgische Schule

    Für Liebhaber des realistischen frankobelgischen Stils, wie er sich unter anderem in Blueberry, Jerry Spring und Durango findet, ist Wer Wind sät eine passende Erweiterung der Bibliothek. Die Figuren sind realistisch gezeichnet, aber mit den typischen leichten Überzeichnungen, die diesen Stil auszeichnen: Knorrige Alte werden noch knorriger, Muskelprotze noch gigantischer und die hübschen Hauptdarsteller kann nicht mal das Leben auf der Straße, respektive im Bergwerk, entstellen. Auch das Layout der Panels folgt einer relativ festen Einteilung von vielen kleinen Elementen in einem breiten, fast filmischen Format.

     

    Die Geschichte selbst wird in dieser sympathischen Verquickung von romantischem Blick und knallhartem sozialen Realismus erzählt, die die realistischen frankobeglischen Graphic Novels von ihren zahlreichen cartoonlastigen Cousins abhebt. Gespenster und Sozialkritik finden beide darin ihren gleichberechtigten Platz. An diesem Punkt dürften sich die Geister, jedoch auch direkt scheiden: Nicht jedem wird Mischung aus Romeo & Julia und naturalistischen Elementen, garniert mit einer Portion Phantastik, schmecken, denn vor allem die übernatürlichen Geschehnisse und schicksalshaften Wendungen passen nicht so sehr zum sozialkritischen Rest.

     

    Prospektionsbericht

    Für Fans frankobelgischer Graphic Novels ist Wer Wind sät von Bonin und Galandon dennoch mit Sicherheit eine gute Wahl. Wer gerne ein bisschen Bildung beim Schmökern mitnimmt und sich womöglich noch für Roma und soziale Spannungen am Beginn des 20. Jahrhunderts interessiert, der kann auch bedenkenlos zugreifen. Wer sich beim Lesen gerne überraschen lässt oder Realismus nicht gerne mit Phantastik versetzt sieht, der sollte die Finger von Wer Wind sät lassen.

     

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    Kommentar:
    Diese Rezesion spricht mir aus der Seele. Auch ich war oder bin sehr von dieser Graphic Novel beeindruckt worden. Besonders da der Zusatzteil viele Hintergründe genauer erläutert und zur Tiefe der Geschichte beiträgt. Allerdings wollte ich kurz anmerken, dass dieser im französischen Original fehlt. Daher wäre ich davon augegangen, dass die Recherche und Formulierung des Textes eher durch die Finix Redaktion gemacht wurden, als durch die Künstler selbst. Aber wie dem auch sei, Daumen hoch für diese beeindrucjende Graphic Novel.
    | von Namenlos, 02.08.2012
    Hallo und vielen Dank für die Rückmeldung. Ich werde den Text entsprechend ergänzen, das dürfte schließlich auch in der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Mit freundlichen Grüßen Peter
    | von Peter Klement, 20.08.2012

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