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    Benjamin Schreuder u. Felix Mertikat: Steam Noir - Das Kupferherz

    28.03.2012

    Steam ja, Noir nein

    Das neue Werk von Benjamin Schreuder und Felix Mertikat verspricht mit seinem Titel eine dampfgetriebene Zivilisation, die bedrückende Atmosphäre des Film Noir und eine finstere Geschichte rund um ein künstliches Herz. PETER KLEMENT rückt der Graphic Novel mit der Checkliste auf den Leib und vergleicht, was drauf steht und was tätsächlich drin ist.

     

    Eine kurze Einleitung: Steampunk ist ein wenig bekanntes Genre, dass zwar immer wieder den Mainstream streift, doch nie so recht den Durchbruch schafft. Ein Steampunk-Universum ist im 19. Jahrhundert angesiedelt und die Dampfmaschine ist der zentrale Motor der Gesellschaft: Fahrzeuge, Züge, aber auch exotischere Gerätschaften, wie mechanische Läufer oder sogar Computer - alles wird mit Dampf betrieben. Die Gesellschaft ist viktorianisch und in der Grauzone zwischen der Standes- und Industriegesellschaft. Wie der Cyberpunk, der mit dem Buch Neuromancer oder der Verfilmung Blade Runner zwei bekannte Vertreter hat, ist Steampunk ein interessantes und facettenreiches Feld, in dem sich spannende Geschichten erzählen lassen.

     

    Steam, check

    Steam Noir – Das Kupferherz ist in einem exotischen Steampunkszenario angesiedelt. Anstelle eines viktorianischen Settings erwartet die Leser hier ein europäisches, um nicht zu sagen: deutsches Setting. Eine erfrischende Abwechslung zum ansonsten von amerikanischen und englischen Publikationen dominierten Markt. Neben Dampfmaschinen und schwebenden Inseln tummeln sich in der Welt von Steam Noir auch übernatürliche Wesen. Zu ihnen gehören wiederkehrende Seelen, die den Lebenden durch Verzerrung der Realität zu schaffen machen.

     

    Um diesen Seelen Herr zu werden, wurde der Leonardsbund gegründet, der als unabhängige Organisation operiert und die umherwandernden Seelen entweder fängt oder vernichet, bevor sie Schaden anrichten können. Der Protagonist Heinrich Lerchenwald spürt als »Bizzaromant«, einer Art Ermittler für das Übernatürliche, die Spuren der Seelen auf und tritt mit ihnen in Kontakt. Ein dampfbetriebener Maschinenmensch mit dem Namen Richard Hirschmann und die Tatortermittlerin und Suffragete Frau D. vervollständigen das Trio.

     

    Der aktuelle Fall des Teams beginnt mit dem Raub einer Mädchenleiche durch eine der wiederkehrenden Seelen. Bald geraten die Ermittler in ein Netz aus weitreichenden Verstrickungen: Ein undurchsichtiger Wunderheiler, der versehrten Kindern in einem Waisenhaus komplexe Prothesen baut, und der kalendarische Orden, dessen Mitglieder sich durch schwere Panzerrüstungen und schlechte Laune auszeichnen, verfolgen jeweils ihre eigene verborgene Agenda.

     

    Noir, uncheck

    Das Dilemma mit ersten Bänden, die obendrein noch recht kurz sind, ist immer das Gleiche: Eine Welt wird erschaffen, Protagonisten und Antagonisten machen die ersten Schritte im Handlungsbogen, der Plot nimmt Fahrt auf und dann ist alles schon wieder vorbei. So ist es auch in Steam Noir: Die Welt und die Geschichte bleiben Skizzen, die erst durch die beigefügten Texte, die das Universum und den Leonardsbund näher beschreiben, etwas Kontur gewinnen.

     

    Diese skizzenhafte Schnelligkeit führt auch dazu, dass das »Noir« in Steam Noir zu kurz kommt. Das Erzähltempo ist zu hoch und die Figuren sind alle mit einer gewissen heiteren Gelassenheit ausgestattet: Selbst die finsteren Krieger des Kalendarischen Ordens haben genug Humor, um dem Bizzaromanten nach dem zweiten Durchsuchen seiner Wohnung einen Zettel mit der Bitte, doch leserlicher zu schreiben, an sein Aquarium zu hängen – mitsamt Gruppenbild und Unterschrift.

     

    All das lässt das Attribut »Noir«, das für eine finstere, brütende Atmosphäre steht, wie man sie aus den Filmen der Vierziger und Fünfziger kennt, recht seltsam wirken. Schlimm ist das für die Graphic Novel aber nicht. Vielmehr rücken die Verspieltheit und die liebenswerte Schrulligkeit der Figuren Das Kupferherz in Richtung Kunstmärchen, zu dem das Setting zwischen Industralisierung und Übersinnlichem auch gut passt.

     

    Neugier auf Band zwei, check

    Die Zeichnungen von Felix Mertikat geben dem Band ein angenehmes, individuelles Aussehen, dass zwar hier und da Vorbilder erkennen lässt, aber einzigartig bliebt. Die Bilder aus dem Steampunk-Universum sind im Vergleich zu klassischen Comics sehr experimentell, brechen aus den typischen Rahmen heraus und präsentieren auf jeder Seite neue, spannende Anordungen oder großzügige, doppelseitige Panoramen.

     

    Im Gegensatz zu amerikanischen oder frankobelgischen Graphic Novels beschleicht den Leser hier ein schwer zu erklärenden, heimeliges Gefühl: Die Gebäude, die Figuren und die Szenerie, alles wirkt vertraut, und das liegt nicht nur an Namen, wie »Landsberg« oder »Januskoogen« – irgendwie ist Steam Noir, wie Hector Umbra auch, ein sehr deutsches Comic-Werk.

     

    Das Kupferherz ist ein erster Entwurf, der viel verspricht, doch es bleibt abzusehen, wo die Reise hingeht. Das Setting ist liebevoll entworfen, doch Plot und Figuren lassen noch Tiefe vermissen. Vieleicht geht Steam Noir ja mit dem zweiten Band im Oktober 2012 auf Volldampf.

     

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