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    Dienstag, 22. August 2017 | 03:48

    Tome & Janry: Der kleine Spirou 15: Halt dich gerade! / Rob-Vel: Spirou auf Weltreise

    21.03.2012

    Kindertage eines Comic-Helden

    Zwei aktuelle Publikationen aus dem Carlsen Verlag werfen einen Blick in die frühe Kindheit von Spirou, dem Abenteurer in Pagenuniform. Von BORIS KUNZ

     

    In seiner über 70 Jahre währenden Karriere als Comic-Held hat der gute Spirou ja so einige schwierige Phasen der Instabilität durchmachen müssen, die sonst eher amerikanische Superhelden plagen: Misslungene und wieder revidierte Faceliftings, diskontinuierliche Zeitlinien, Existenz auf mehreren Zeit- und Realitätsebenen. Jüngst gab es den nicht unumstrittenen Versuch, Spirous Erwachsenwerden, seinen Wandel vom Lausbub zum Helden, in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zu versetzen, sein modernes Dasein also mit seiner Geburtsstunde neu zu synchronisieren. Anlass genug also, noch einmal die verschiedenen Anfänge der Figur unter die Lupe zu nehmen.

     

    Der kleine Spirou

    Das Kreativgespann Tome & Janry war in den 80er- und 90e Jahren ein Glücksfall für die Spirou-Serie, die stark unter dem Weggang des Übervaters André Franquin gelitten hatte. Moderne Actionsequenzen, hübsche Frauen und vor allen Dingen der Mut zu schwarzem und hinterhältigem Humor waren tpisch für einen neuen Umgang mit der frankobelgischen Comic-Ikone. In Jugendsünden ließen Tome & Janry die Leser zum ersten Mal einen Blick auf Spirous Kindheit werfen – und zeichneten den bis dato ja recht braven und gerade im Hinblick auf die Damenwelt von comictypischer Enthaltsamkeit gekennzeichneten Helden als gewieften Lausbuben, der den größten Teil seiner Zeit damit zubringt, weiblichen Schönheiten – und nicht nur gleichaltrigen! – in seiner Umgebung auf den Pelz zu rücken. Man braucht sich eigentlich über Spirous Pfandfinderseele nicht mehr zu wundern, wenn man bedenkt, in welchem Maße sich der Kerl schon als Knabe sämtliche Hörner abstoßen konnte.

     

    Aus diesem Band wurde eine eigene Spin-Off-Reihe: Der kleine Spirou hat inzwischen den Erfolg des großen Spirou fast überflügelt, und die Verbindung, die einmal zwischen den beiden bestand, hat sich bis auf die Pagenuniform des Helden vollkommen gelockert. Die Ursprungsreihe haben Tome & Janry inzwischen abgegeben, dem kleinen Spirou sind sie dagegen treu geblieben. In dieser Serie erweitern sie ihr Universum kontinuierlich um weitere schräge Autoritätspersonen wie den vom Pech verfolgten Sportlehrer, oder, ihr jüngster Streich, den Küster Quasigrodo, der unter jedem nur denkbaren körperlichen Gebrechen leidet, vom Buckel bis zum Glasauge.

     

    Halt dich gerade unterscheidet sich vom inhaltlichen und zeichnerischen Niveau nicht nennenswert von seinen Vorgängern. Mehr oder weniger einfallsreiche, aber immer souverän gestaltete Gags irgendwo zwischen Slapstick und erwachsenem Humor, mit gelegentlichen Ausflügen ins Absurde, Schwarzhumorige oder Gesellschaftskritische: Der kleine Spirou wirkt wie eine moderne Version von Hergés Lausbuben Stups und Steppke. Es trauen sich die beiden Schöpfer zwar eine Menge, gehen aber nur selten dahin, wo es einmal richtig wehtun würde.

     

    Während es in den ersten Bänden noch Bemühungen gab, der Kindheit von Spirou einen gewissen nostalgischen Flair zu geben, so als hätte sie tatsächlich noch im ersten Drittel des Zwanzigsten Jahrhunderts stattgefunden, ist dieser Zeitbezug nun komplett verloren gegangen. Spirou existiert  inzwischen ganz neuzeitlich neben seiner erwachsenen Inkarnation, damit die Autoren die Möglichkeit haben, auch Handys, aktuelle Kirchenpolitik oder die Finanzkrise in ihren Gags auftauchen lassen zu können.

     

    Der junge Spirou

    Wer nun einen  Blick auf die »wahre« Jugend unseres Helden werfen will, der kann das in dem Spezialband Spirou auf Weltreise tun, der dem Werk des Spirou-Schöpfers Rob-Vel (Robert Velter) gewidmet ist. Auf gerade 27 Comicseiten dürfen wir den adoleszenten Spirou in gagorientierten One-Pagern erleben, wie er tatsächlich den Beruf des Hotelpagen ausfüllt. Hier wirkt es nun tatsächlich so, als wäre der Page im Hotel Mücke die pubertäre Version des kleinen Spirou: Frauen interessieren ihn zwar nicht mehr so, sonst ist er sich aber noch für keinen Streich, keine Finte und keinen Blödsinn zu schade. Das endet, als er mit der 28. Ausgabe schließlich in sein erstes längeres Abenteuer geschickt wird.

     

    Dessen Prämisse ist kurios und klingt nach dem Stoff, aus dem Comic-Klassiker gestrickt sind: Um zu verhindern, dass sein Erbe seinem maliziösen Vetter zufällt, muss der amerikanische Milliardär Bill Money es schaffen, jeden Monat eine Million Dollar ausgeben – nicht verschenken, nicht verbrennen, sondern wahrhaftig etwas dafür kaufen. Das klingt einfacher, als es ist, vor allem, als er sich zusammen mit Spirou auf Weltreise begibt, und sein Vetter daraufhin versucht, ihn in der Wüste oder anderen entlegenen Orten festzusetzen, wo die Möglichkeiten, Dollars loszuwerden, rar gesät sind. Darüber hinaus bekommen er und Spirou es dann mit den üblichen Schwierigkeiten zu tun, die auf einer Comic-Weltreise so anfallen: Piratenüberfälle, tropische Stürme etc.

     

    Spirous Streiche und sein erstes Abenteuer fanden jeweils auf der Titelseite des 1938 gegründeten und nach ihm benannten Magazins statt. Diese Seiten sind hier (abgesehen von den eingedeutschten und daher neu geletterten Sprechblasen natürlich) in originalgetreuem Faksimile wiedergegeben, d.h. inklusive der großen Titelzeile oder des grob gerasterten Farbdrucks. Das erschwert zwar ein wenig die Leserlichkeit, weil es die Schrift sehr klein macht, erhöht aber beträchtlich den »Nostalgie-Faktor« – und auf den kommt es bei einer Veröffentlichung wie dieser letztlich an.

     

    Losgelöst von einem gewissen historischen Interesse könnten diese frühen Spirou-Abenteuer kaum vor einer heutigen Leserschaft bestehen. Zu altbacken wären dazu vor allem die ersten, humoristischen Seiten, bei denen man noch deutlich merkt, dass Rob-Vel nach dem richtigen Stil für seine Figur sucht. Spirou osziliert noch etwas unentschlossen zwischen einfallsreichem Musterknaben, der dem König einen Regenschirm über den Kopf hält, und gutherzigem, aber schamlosen Filou, der den Vögeln im Zoo die Schwanzfedern ausreißt, um sich einen Federschmuck zu basteln. Tintin nicht ganz unähnlich, ist Spirou eigentlich eine Figur ohne greifbaren Charakter, ein gutmütiger Held bar jedes eigenen Lebensentwurfes, der ulkige Nebenfiguren und exotische Abenteuer braucht, um bestehen zu können. Erst auf der Weltreise findet Spirou ein erstes richtiges Zuhause, denn das bizarre Szenario vom erzwungenen Geldausgeben entwickelt schnell weitaus mehr Dynamik als die vorhergehenden netten Streiche einer Figur, die es, wie wir ja wissen, eigentlich schon viel schlimmer hat krachen lassen als in ihrer kurzen Karriere als Hotelpage.

     

    Dennoch schließt sich so auch ein wenig der Kreis, und man stellt erstaunt fest, dass Tome & Janry bei ihrem Blick in die Vergangenheit schon genau gewusst haben, was das eigentlich für einer ist, der Spirou…

     

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