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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 29. April 2017 | 05:40

    Didier Convard / Jean-Christophe Thibert: Kaplan & Masson Band 1, Die Chaostheorie

    01.02.2012

    Den Lauf der Welt verändern

    Um die Gunst der Leserschaft kämpfen viele Comics. Die Chaostheorie, das erste Album der neuen Serie Kaplan & Masson, kann gerade durch seine Solidität überzeugen. Von CHRISTOPHER FRANZ

     

    Am Anfang der Geschichte steht die präzise Zeichnung eines B-29-Bombers der amerikanischen Armee. Es ist die Enola Gay, die die erste über bewohntem Gebiet gezündete Atombombe abwarf und damit zwar den Zweiten Weltkrieg im Pazifik beendete, aber auch die Tore zur Hölle, zur Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit, aufstieß.

     

    Das Bild des Atompilzes ist hernach zu einer furchteinflößenden Ikone des 20. Jahrhunderts geworden, schlicht auch aus dem Grund, dass eine Zigtausende Grad heiße Explosion und die ihr folgende Druckwelle nur wenig Zeugnisse zurücklassen. In einem weiten Umkreis herrscht totale Zerstörung, die Opfer sind furchtbar entstellt.

     

    Diese Bilder verfolgen in Kaplan & Masson den Atomphysiker Alfred Bernstein bis in seine Albträume und lassen ihn nächtens aufschrecken. Schließlich war unter anderem er es, der durch seine theoretischen Arbeiten die Konstruktion der Bombe erst ermöglichte. Er ist nach Paris gekommen, um vor der UNESCO eine Rede zu halten und das »Notkomitee der Atomwissenschaftler« vorzustellen. Sein Ziel ist es, die Weltöffentlichkeit ob der nuklearen Bedrohung aufzurütteln. Kurz darauf ist er tot.

     

    Dass es sich nicht um einen Selbstmord handeln kann, ist schnell klar. Deshalb übernehmen Colonel Étienne Kaplan und der Physiker Nathan Masson sowohl die Ermittlungen zu dem Fall wie auch die weitere Durchführung von Bernsteins Idee, eine große Konferenz abzuhalten. Doch dabei müssen sie sich beeilen, denn ein Unbekannter tötet systematisch alle, die bei der Konstruktion der Bombe geholfen haben. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. 

     

    Die Möglichkeit, durch ein Treffen aller einflussreichen Wissenschaftler und Staatschefs, den Lauf der Geschichte zu ändern und die Welt zumindest etwas besser zu machen, muss (vorerst) eine fromme Hoffnung bleiben. Das ist nicht erst durch das regelmäßige Scheitern der UN-Klimakonferenzen unserer Tage bekannt. Unvorstellbar also, dies wäre auf dem militärischen Sektor möglich gewesen. Noch dazu zu Hochzeiten des Kalten Krieges.

     

    Aber um Realitätsnähe in diesem Sinne, um die Wiedergabe einer historischen Begebenheit, geht es in der Geschichte auch nicht. Die Atombombe und die Verantwortung der Forscher sind nur eine Folie für die Erzählung einer – jedoch sehr spannenden – Geschichte. Etwas mehr Tiefgang, die Darstellung der Zerrissenheit der Wissenschaftler oder der entscheidenden Politiker hätte man sich doch gewünscht. Die möglichen Ergebnisse der Konferenz spielen für die Handlung dann auch keine Rolle mehr. Und werden folglich nicht erzählt.

     

    Auf bekannten Pfaden

    Neue Serien haben es nicht immer leicht aus dem Gros der wöchentlich erscheinenden Novitäten herauszustechen. Besonders dann, wenn sie weder durch außergewöhnliche Zeichnungen oder ihre opulente Aufmachung noch durch Aufspringen auf einen aktuellen Trend größere Aufmerksamkeit erheischen. Die Serie Kaplan & Masson ist so ein Fall. Die Chaostheorie ist ein klassisches franko-belgisches Comic-Album, im reduzierten Stil der Ligne claire gehalten. Noch dazu als Softcover veröffentlicht, obwohl die Welt der Comic-Liebhaber und -Sammler nach Hardcovereinbänden verlangt.

     

    Von Vorteil ist es dann, wenn man klar Bezug nimmt auf eine schon etablierte Serie. Unverkennbar sind es hier Die Abenteuer von Blake und Mortimer, erfunden von Edgar P. Jacobs und seit seinem Tod von einigen der bekanntesten Comic-Künstler Frankreichs fortgeführt. Regelmäßig erreichen neue Alben dieser Serie in Frankreich eine Startauflage von mehreren Hunderttausend Exemplaren – Nachdrucke nicht ausgeschlossen –, eine für deutsche Verhältnisse schier unvorstellbare Zahl. Klar, dass auch andere ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Und Kaplan & Masson gelingt dies in sehr respektabler Weise.

     

    Die Namensdopplung im Serientitel und der verwandte Zeichenstil sind dabei nicht die einzigen Gemeinsamkeiten. Auch hier ist der eine Wissenschaftler, der andere Geheimdienstoffizier und der zeitliche Rahmen, die Mitte des 20.Jahrhunderts, ist derselbe. Letzterer wird durch die atmosphärischen Zeichnungen mit ihrer zeitgemäßen Staffage hervorragend illustriert, im Vergleich zu Blake & Mortimer wird aber weniger textlastig und damit rasanter erzählt.

     

    Ob es im weiteren Verlauf der Serie zu solch anachronistischen »Ausrutschern« wie bei ihren Vorbildern kommend wird (z.B. Zeitreisen), lässt das erste Abenteuer von Kaplan & Masson noch nicht erahnen. Einzig der Wohnsitz eines potentiellen Geldgebers der Konferenz ist, wie es im Band so schön heißt, »etwas originell«.

     

    Dennoch ist die Serie Kaplan & Masson kein Mitläufer, der nur vom bekannten Vorbild profitieren will. Das wäre auch verwunderlich. Ist doch der Szenarist Didier Convard auch in Deutschland für seine mitreißenden und durchdachten Plots bekannt. Zuletzt mit beliebten Verschwörungsthrillern à la Sakrileg, nämlich der Serie Das geheime Dreieck und der hierzulande in einem Band erschienen Serie Vinci. Aber auch der Zeichner Jean-Christophe Thibert, in Frankreich bisher eher als Illustrator von Kinderbüchern in Erscheinung getreten, überzeugt – mit ein paar Abstrichen bei den Nasen der Figuren – auf ganzer Linie.

     

    Der zweite Band von Kaplan & Masson soll in Deutschland schon Ende August 2012 erscheinen. Wir bleiben gespannt!

     

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