Geschickt erzählt und schön umgesetzt
Doch die Spannung wächst auch aus der szenischen Inszenierung des Comics. Mal wird allesl präzise und minutiös geschildert, mal vergehen Tage und Wochen zwischen den einzelnen Panels. Moynot setzt die Tempiwechsel geschickt ein. Was sich darüber hinaus als ein besonderer Kniff entpuppt, ist das Installieren von drei Erzählinstanzen, die das Geschilderte für den Leser kommentieren. Bei diesen handelt es sich um die Hauptfigur selbst, um dessen Lektorin (und Geliebte) Bertrande und um einen außenstehenden, auktorialen Erzähler, der nicht sehr viel preisgeben will, aber dafür umso mehr auf Suggestion setzt. Die Multiperspektivität, die sich dadurch für den Leser auftut, trägt viel zur Spannung des an sich eher unaufregenden Comics bei.
Moynots Kunstgriff bei Tod eines Blauwals liegt also darin, auf Suspense zu setzen, obwohl seiner Geschichte keine Krimihandlung zugrunde liegt. Vielmehr ist es das überzogene Selbstverständnis der literarischen Boheme, die sich aufgrund der Rücksichtslosigkeit, die hierbei unweigerlich mitschwingt, zu einem Schrecken ohne Ende steigert, der unbedingt nach einem Ende voller Schrecken verlangt. Aber ob und wie es zum blutigen Finale kommt sei hier nicht verraten. Es sei nur so viel gesagt: Ein reinigendes Fegefeuer, das die persönlichen Konflikte lösen könnte, gönnt Moynot seinen Protagonisten nicht. Dem Leser hingegen gewährt er einen spannenden, kurzweiligen Comic, den Schreiber & Leser gut und gerne in seiner noir-Reihe hätte unterbringen können. Aber im sogenannten Nachtprogramm des Verlags ist er natürlich auch gut aufgehoben.