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    Samstag, 29. April 2017 | 11:22

    Emmanuel Moynot: Tod eines Blauwals

    30.05.2012

    Fegefeuer der Eitelkeiten

    Ein im Schriftsteller-Milieu angesiedeltes Drama oder doch ein Krimi im Noir-Stil? Tod eines Blauwals ist von beidem ein bisschen oder auch keines von beidem – aber sehr wohl ein spannender Comic mit Tiefgang. Von CHRISTIAN NEUBERT

     

    Emmanuel Moynot kennt man hierzulande am ehesten durch seine Adaptionen von Nestor Burma-Krimis. Mit Tod eines Blauwals hat der Franzose sich nun an die Umsetzung eines eigenen Stoffes gewagt. In diesem Comic erzählt er von Simon Breuil, einem jungen Schriftsteller im Paris der Gegenwart, der es zum Bestseller-Autor gebracht hat. Nun aber hat er eine Schreibblockade und gibt sich dem Nichtstun und flüchtigen Affären hin.

    Das einzige, was neben seinen weiblichen Bekanntschaften eine Rolle zu spielen scheint, ist das plötzliche Auftauchen seines Vorbildes James Whales in der französischen Hauptstadt. Der amerikanische Starautor hat seine Frau, das zeigefreudige Hollywood-Sternchen Rhonda mitgebracht – und plant, nach Paris zu ziehen, wo er endlich seinen neuen Roman schreiben will, mit dem er, wie er sagt, Amerika den Arsch aufreißen wird. Einen Roman, den, nach seiner bescheidenen Selbsteinschätzung, nur er zustande bekommen kann.

     

    Aufgeblähte Egos, gestrandet in sich selbst

    Tod eines Blauwals liest sich wie ein Krimi in bester Noir-Tradition. Nur: Es handelt sich um keinen Krimi. Nach und nach wird zwar eine intensive Spannung aufgebaut, aber diese resultiert nicht aus einer detektivischen Ermittlungsarbeit oder einer Verschwörung, sondern aus dem verworrenen Geflecht, das die einzelnen Handlungsträger miteinander verbindet – man rechnet ständig damit, dass es zwischen den egozentrischen und selbstverliebten Protagonisten irgendwann knallt. Alle haben ihre Abgründe und ordentlich Dreck am Stecken; überall lauern offene Rechnungen darauf, endlich eingelöst zu werden. Anlässe für ein gewaltvolles Eskalieren gibt es zuhauf, obwohl die Lebensläufe der einzelnen Figuren, so anmaßend und durchtrieben sie auch sind, im Grunde nur kleine Bosheiten kennen. Aber, wie es eben immer so ist: Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – und die Dosis macht das Gift.

    Natürlich liegt der Eindruck, man habe es bei dem Comic mit einem Vertreter der Gattung des Crime Noir zu tun, an den Bildern, mit denen Moynot seine Geschichte illustriert. Die realistisch gehaltenen Tuschezeichnungen kommen vorwiegend ziemlich dunkel daher, und farbliche Akzente schleichen sich eher selten – und dann sehr effektvoll – zwischen die Graustufen. Auch das Spiel mit Licht und Schatten nährt den Anschein des Krimihaften.

     

    Geschickt erzählt und schön umgesetzt

    Doch die Spannung wächst auch aus der szenischen Inszenierung des Comics. Mal wird allesl präzise und minutiös geschildert, mal vergehen Tage und Wochen zwischen den einzelnen Panels. Moynot setzt die Tempiwechsel geschickt ein. Was sich darüber hinaus als ein besonderer Kniff entpuppt, ist das Installieren von drei Erzählinstanzen, die das Geschilderte für den Leser kommentieren. Bei diesen handelt es sich um die Hauptfigur selbst, um dessen Lektorin (und Geliebte) Bertrande und um einen außenstehenden, auktorialen Erzähler, der nicht sehr viel preisgeben will, aber dafür umso mehr auf Suggestion setzt. Die Multiperspektivität, die sich dadurch für den Leser auftut, trägt viel zur Spannung des an sich eher unaufregenden Comics bei.

     

    Moynots Kunstgriff bei Tod eines Blauwals liegt also darin, auf Suspense zu setzen, obwohl seiner Geschichte keine Krimihandlung zugrunde liegt. Vielmehr ist es das überzogene Selbstverständnis der literarischen Boheme, die sich aufgrund der Rücksichtslosigkeit, die hierbei unweigerlich mitschwingt, zu einem Schrecken ohne Ende steigert, der unbedingt nach einem Ende voller Schrecken verlangt. Aber ob und wie es zum blutigen Finale kommt sei hier nicht verraten. Es sei nur so viel gesagt: Ein reinigendes Fegefeuer, das die persönlichen Konflikte lösen könnte, gönnt Moynot seinen Protagonisten nicht. Dem Leser hingegen gewährt er einen spannenden, kurzweiligen Comic, den Schreiber & Leser gut und gerne in seiner noir-Reihe hätte unterbringen können. Aber im sogenannten Nachtprogramm des Verlags ist er natürlich auch gut aufgehoben.

     



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