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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 05:30

    Mike Carey/ Peter Gross: The Unwritten

    08.02.2012

    Vom Schreiben und Geschriebenwerden

    Die Comic-Reihe The Unwritten ist eine Reflexion über Magie und Literatur, über die Schwierigkeiten und Gefahren der Selbstreferenzialität. Dem Leser wird ein virtuoses Verwirrspiel geboten. Von JAKOB FRANZEN

     

    Tom Taylor ist eine Berühmtheit. Er gleicht verblüffend dem Protagonisten  einer an Harry Potter erinnernden, erfolgreichen Buchreihe, deren Autor sein eigener Vater ist. Zu Toms Leidwesen hat der den Helden der Romanreihe Tommy Taylor genannt. Und so bloggen und twittern Fans immer wieder Sätze wie »Tom ist Tommy« und heizen den Mythos um Tom als fleischgewordener Romanfigur zusätzlich an.

     

    Derjenige, der das mit der größten Skepsis beobachtet, ist Tom selbst. Nur der Bezahlung wegen lässt er sich von seinem Verleger zu Autogrammstunden auf Buchmessen schleifen. Seine mangelnde Begeisterung schlägt in Verwirrung um, als ihm eine fliegende Katze begegnet und er von einem grässlich entstellten Fan attackiert wird, der sich für den Antagonisten aus den Tommy Taylor-Romanen hält. Parallelen zwischen Toms Leben und dem Leben der Romanfigur Tommy drängen sich auf, und Tom wird mit einer Welt konfrontiert, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt.

     

    Jenseits von Fiktion und Realität

    Schon zu Beginn von The Unwritten, als das realistische Szenario in ein phantastisches übergeht, wird man auf die Frage gestoßen, was Fiktion und was Realität ausmacht. Einmal weigert sich der Protagonist, zu akzeptieren, dass seine gelegentlichen Begegnungen mit einem Frankensteinmonster und einer fliegenden Katze mehr sind als Einbildung; ein anderes Mal benutzt er einen vermeintlichen Spielzeugzauberstab, um Zaubersprüche gegen böse Mächte zu schleudern.

     

    Bis zuletzt bleibt offen, in welchem Verhältnis Realität und Fiktion zueinander stehen. Stattdessen wird die Frage dem Leser zugespielt, der sich zwischen den vielen angedeuteten Lesarten entscheiden muss. Möglichkeit (1): Tom Taylor steht zwischen zwei Welten, Realität und Fiktion, deren Grenzen durchlässig werden. Möglichkeit (2): Toms Realität ist selbst Fiktion, alles ist Text, der Autor als Schöpfer einer Welt spielt hier mit ironisch-selbstreferenziellen Metakommentaren. Mike Carey, der Autor der Serie, kommentiert deren Konzept mit vorsichtiger Ironie: "It's a fancy story about a guy that may or may not be a fictional character."

     

    Die Magie zwischen den Panels

    »Du musst deinen eigenen Vektor berücksichtigen« (»You have to take your own vector into account.«), empfiehlt einer der Charaktere Tom. Dasselbe könnte als Gebrauchsanweisung für The Unwritten gelten und beschreibt sowohl den Schrecken als auch den Spaß der Serie, die voll ist von Literaturverweisen und Kommentaren über Wahrnehmung, das Geschichtenerzählen und den Literaturbetrieb. Der Plot ist spannend, wirft aber mehr Fragen auf, als er beantwortet. Solange die Serie nicht auf ein erklärendes Finale hinausläuft, bietet sie für den einen den Anlass zum Haareraufen, für den anderen viele Interpretationsspielräume.

     

    Magie im Vertigo-Gewand

    Peter Gross und Mike Carey, arbeiten schon lange für Vertigo, das Sublabel von DC. Gross hat mit  Neil Gaiman zusammengearbeitet und maßgeblich an Books of Magic mitgewirkt. Zusammen haben Carey und Gross die Figur Lucifer aus Gaimans Sandman-Reihe zu einer eigenständigen Comic-Serie ausgebaut. Als Lucifer abgeschlossen war, kamen sie zusammen auf die Idee für The Unwritten.

     

    Als langjähriger Autor und Zeichner bei Vertigo bleibt Gross auch in The Unwritten einem Noir-80er-Zeichenstil treu. Manche werden die Serie deswegen sicherlich kritisch beäugen. Als Imprint von DC wird Vertigo immer noch mit pubertärer Jungsliteratur assoziiert. Wer das Profil von Vertigo kennt, weiß, dass solche Vorurteile ungerechtfertigt sind. Wer andere Vertigoserien wie Sandman gerne gelesen hat, wird sich auch mit dem The Unwritten-Universum identifizieren können. Wer normalerweise abgeschlossene Comic-Romane liest, sollte der Serie eine Chance geben.

     

    Seit Juli 2011 erscheint The Unwritten auch bei Panini in deutscher Sprache. Der dritte Band ist für April dieses Jahres angekündigt. Im englischen Original sind bisher Band eins bis fünf erhältlich.

     

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    Kommentar:
    Eine sehr, sehr coole Reihe, die zwar Startschwierigkeiten hat, da die "Harry Potter"ismen sehr befremdlich wirken, doch ab Band 2 gibt die Geschichte über Geschichten richtig Gas!
    | von Peter Klement, 08.02.2012

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