Von damals und heute
Ohne Umschweife ist zu sagen, dass Saccos Werk eine intensive Leseerfahrung ist. Kaum eine Seite, die nicht vor Leid und Schmerz ächzt. Dies äußert sich in der Erzählung eines Betroffenen, in der Angst der Bevölkerung oder der brutalen Zerstörung ihrer Lebensräume. Die 389 Seiten lange Reportage ist definitiv nicht als leichte Bettlektüre geeignet, da der Autor kaum Ruhe einkehren lässt, das Gemetzel scheint unendlich weiter zu gehen.
Und selbst wenn man die Graphic Novel zugeschlagen hat, weiß man, dass diese Fußnoten einen Bruchteil von dem beschreiben, was Realität ist. Kein Leichtes also, sich mit diesem Comic zu befassen, doch es lohnt sich. Die Geschichten sind authentisch, die vielen Einzelschicksale fügt Sacco geschickt und gekonnt zu einem großen Ganzen - Gegenwart und Vergangenheit bilden oft eine untrennbare Einheit, beispielsweise wenn Erzählung und Erzähler direkt - auch optisch - nebeneinander gestellt werden.
Nun könnte man anklagend behaupten: Saccos Arbeit ist einseitig. Damit hätte man vollkommen recht. Aber um wahre Neutralität ist der Autor nie bemüht, obwohl er die Ereignisse stets unkommentiert abbildet. Die Komposition der Bilder spricht dabei für eine klare Sympathie mit der Seite der Palästinenser. Kann man also mit dem Wissen leben, dass jede Geschichte zwei Versionen hat und dies hier eine davon ist, hat man eine aufwendig recherchierte und eindringliche Arbeit vor sich liegen. Sacco selbst weist darauf hin, dass manches zur Legende geworden und vieles in den Erinnerungen der heute alten Zeitzeugen verblasst ist. Bei allen vergangenen Ereignissen tritt er selbst zurück und lässt sie schildern - von Männern und Frauen, die die Massaker mit eigenen Augen gesehen haben.