• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 29. April 2017 | 11:24

    Catel & Bocquet: Kiki de Montparnasse

    07.03.2012

    Von entzückenden Rücken

    Sie war Ikone, Modell und Muse der Pariser Kunstszene der 20er Jahre – und ihr Leben war wild und frei. Nun bekommt Alice »Kiki« Prin mit Kiki de Montparnasse eine Comic-Biografie, die ein romantisches, leidenschaftliches, aber auch realistisches Bild der Französin zeichnet. Von FRANZISKA BECHTOLD

     

    Geboren in Châtillon-sur-Seine, wächst die junge Alice bei ihrer Großmutter auf. Als sie mit 12 Jahren zur Mutter nach Paris muss, ist sie untröstlich. Ihre ersten Jahre in der Metropole sind alles andere als rosig: Nachdem sie ihre Arbeit in einer Bäckerei verliert, findet sie sich auf der Straße wieder und kämpft sich als Modell und Prostituierte durch.

     

    Erst als sie in Montparnasse von den Malern Modigliani und Utrillo entdeckt wird, kann sie sich langsam in der Szene hocharbeiten. Nach ihrer Liebschaft mit dem polnischen Künstler Mendjinski, der ihr den Spitznamen »Kiki« gibt, ist ihr Aufstieg unaufhaltsam und bald mischt sie das ganz Künstlerviertel auf. Sie steht Modell für Kisling oder Foujita und lernt den Amerikaner Man Ray kennen und lieben – eine Beziehung, die den beiden zu Weltruhm verhelfen sollte.

     

    Vom Landei zu Kunstikone

    Erzähltechnisch hält sich die Graphic Novel an eine chronologische Struktur, die Kikis Leben mit kurzen und langen Zeitsprüngen rafft. Episodisch werden zentrale Erlebnisse aus dem Leben der Frau erzählt, deren Rücken sie und Man Ray unsterblich werden ließ, und jede dieser Episoden wird zum Schluss mit einer Pointe versehen. So endet die Geschichte ihrer Ankunft in Paris mit dem ironischen Satz der Mutter: »Du wirst immer ein Landei bleiben.«

     

    In dieser Weise schaffen die Autoren es ein ums andere Mal, Kapitel gedanklich zu verknüpfen: Geht Kiki im letzten Panel eines Kapitels mit Man Ray zu Bett, so steht sie im nächsten mit ihm auf; träumt sie im einen Kapitel noch von fernen Welten, findet sie sich im nächsten auf dem französischen Land als Feldarbeiterin wieder.

     

    Dabei schafft es Catel Muller die Französin als unwiderstehlich erotische, weiche und extrem weibliche Persönlichkeit zu zeichnen und dabei karikaturhaft die großen Augen und schmalen, stets gefärbten Lippen hervorzuheben. Sie erschafft einen Charakter, der so dominant ist, dass Nebenfiguren leider oft zu einer homogenen Masse verblassen. Freundinnen oder entfernte Bekannte auseinanderzuhalten, fällt schwer, da diese immer wieder zu unscheinbaren Blondinen oder dunkelhaarigen Männern mit markanten Gesichtszügen verschwimmen. Ihre Protagonistin aber lässt Muller selbst in alten Tagen, aufgedunsen und gezeichnet vom Leben, noch einen besonderen Charme versprühen.

     

    Kunstgeschichte - für Interessierte und Anfänger

    Wen die Zeit und das Flair des Paris der 20er Jahre begeistern, der wird sich von der Leichtigkeit der Erzählung und der in ihr versteckten kunsthistorischen Erziehung gerne mitreißen lassen. Doch neben dem glamourösen und freudigen Leben deckt Bocquet auch immer wieder die tragischen Seiten des Lebens in der Öffentlichkeit auf. Kikis Wunsch nach Liebe und Geborgenheit, der ein ums andere Mal enttäuscht wird, und ihre Träume von einem besseren Leben, die nie erfüllt werden, können leicht nachempfunden werden. 

     

    Eine herzzerreißende Szene ist ohne Frage der Tod von Kikis Großmutter, der sie allein und verloren lässt und die Verletzlichkeit der Frohnatur Kiki de Montparnasse deutlich macht. Das unterstreicht Catel Muller auch zeichnerisch, indem sie die junge Frau mit wenigen starken Bildern erst vom Panel löst, um sie gleich in neuer Umgebung ihrer Einsamkeit gegenüberzustellen.

     

    Wem die Kunstszene des Paris der 20er Jahre nicht sofort geläufig ist, dem kann es schnell passieren, dass er unter der Vielzahl namhafter Künstler den Überblick verliert, doch für Laien und alle, die noch mehr erfahren möchten, haben die Autoren eine Chronik und kurze Künstlerbiografien zu allen auftauchenden Personen angehängt.  

     

    Kiki de Montparnasse ist eine würdige Biografie einer Frau, die inspirierte und verzauberte. Sie lebt von schwungvollen Bildern von Tanz und Lebensfreude und ruhigen Zeichnungen von Rastlosigkeit und Einsamkeit. Die Geschichte macht fröhlich und traurig und zeigt das Leben einer Ikone, die Freiheit und Freude geliebt hat, ohne dabei ein sorgloses Leben zu führen.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Ein Geheimnis in einer Graskugel

    Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter