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    Sonntag, 25. Juni 2017 | 12:34

    Amir & Khalil: Zahra´s Paradise

    14.12.2011

    Die Theokratie frisst ihre Kinder

    Zwei Künstler, die unter Pseudonymen arbeiten, und eine Graphic Novel, die aus einem Blog hervorgegangen ist: Zahra’s Paradise ist eine von Trauer und Zorn durchtränkte Abrechnung mit dem Mullah-Regime im Iran. Von TIM SLAGMAN

     

    Zahras Paradies, diesen Ort gibt es wirklich ­ und es ist ein Friedhof. Ein Friedhof in der Nähe von Teheran, benannt nach einer Tochter des Propheten Mohammed, wie der umfangreiche Anhang des Bandes Zahra’s Paradise erklärt. Amir, der Autor, unterteilt seine Graphic Novel damit scharf in zwei Teile: einen hauptsächlich fiktional angelegten Hauptpart, der dennoch auf wahren Vorkommnissen basiert, und ein erläuterndes, rein dokumentarisches Nachwort in mehreren Kapiteln.

     

    Odyssee durch ein geknechtetes Land

    Die Geschichte, die Amir und der Zeichner Khalil erzählen, ist die der Revolte gegen die zweifelhafte Wiederwahl des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad im Jahre 2009. Der Student Mehdi hat gemeinsam mit Tausenden gegen das Wahlergebnis protestiert, und nun ist er, wie so viele andere auch, verschwunden.

     

    Seine Mutter Zahra und sein Bruder stoßen bei der verzweifelten Suche nach Mehdi auf einen Staatsapparat, der in der kalten Gleichgültigkeit seiner Bürokratie den Schlägertrupps, die er gegen die Demonstranten auf die Straße schickt, an Grausamkeit nicht nachsteht.

     

    Auf der Odyssee der beiden durch Amtstuben, Krankenhäuser und Gefängnisse entsteht das Bild eines Landes, das unter eiserner Knute dahinsiecht. Khalils langgliedrige Figuren scheinen sich manchmal regelrecht unter die oberen Grenzen der Panels zu ducken, als seien sie gebeugt von der Last der Verhältnisse.

     

    Figuren als Funktionsträger

    Der Zorn von Amir und Khalil, die Zahra’s Paradise zuerst als Fortsetzungscomic im Internet veröffentlichten, ist greifbar, ihre Anklage schneidend. Die Mullahs zeigen siel als Vogelscheuchen, den Staatsgründer Chomeini und den geistlichen Führer Chamenei als Fratzen eines gefräßigen Molochs, der wie in dem Filmklassiker Metropolis seine Untertanen verschluckt. Die Abgeordneten des Parlaments sind ihnen Krähen und Geier.

     

    Doch so sehr die Wut auch gerechtfertigt ist, ­ der Comic leidet in seiner Gesamtheit deutlich unter dieser Pamphlethaftigkeit. Anders als in den thematischen verwandten Klassikern Maus oder Persepolis gibt es kaum eine Figur, die nicht in irgendeiner Form repräsentativ sein müsste, kaum eine Idee wird vorgetragen, die sich nicht dem ehrenwerten Zweck einer beißenden Kritik am Gottesstaat unterzuordnen hätte.

     

    Das Gesicht des vermissten Mehdi ist niemals zu sehen, es bleibt eine weiße Projektionsfläche. Und auch seine Familie ist weitaus stilisierter gezeichnet als manche der Nebenfiguren oder die teilweise sehr detailliert gestalteten Hintergründe, die an manchen Stellen mit ihrem Überfluss die vergleichsweise kleinen Panels regelrecht zu sprengen drohen. Denn es gab Tausende wie Mehdi und womöglich Millionen wie Zahra und seinen Bruder.

     

    Und es gibt viel mehr zu erzählen vom Iran, seiner Geschichte und Kultur, deren Mythologien Amir und Khalil immer wieder anreißen. Sie flirten mit den Möglichkeiten, im Comic die Wirklichkeit gerade durch Verfremdung kenntlich zu machen, und entscheiden sich dann doch für einen exemplarischen, leider allzu exemplarischen Plot.

     

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