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Dani Montero: Kein Blick zurück

30.11.2011

Frischer Wind aus Spanien

Dani Montero erzählt in Kein Blick zurück eine Abenteuergeschichte so lässig und unbefangen, wie es meist nur ein Debütalbum vermag. Gute Unterhaltung wünscht CHRISTOPHER FRANZ

 

Tatsächlich ist Kein Blick zurück die erste längere Geschichte Monteros. Und es ist durchaus überraschend, dass der Künstler es gleich bei seinem Erstling schafft, ein so hohes Niveau – mit einigen kleinen Ausnahmen – auf über 80 Seiten durchzuhalten.

 

Ebenso überraschend ist, dass Kein Blick zurück dann auch schnell den Weg nach Deutschland gefunden hat. Die äußerst interessante Geschichte, wie es dazu kam, ist im Vorwort des Bandes nacherzählt, dennoch soll sie hier kurz wiedergegeben werden.

 

Die beiden Macher des Münchner Comic-Festivals, Michael Kompa und Heiner Lünstedt, waren auf Visite beim »zweitwichtigsten« Comic-Festival Spaniens in A Coruña. Dort fielen ihnen in einer Ausstellung die Zeichnungen Monteros auf und, wie es der Zufall so will, begegneten sie dem Künstler kurz darauf. Die drei waren sich sofort sympathisch und Monteros Comic war, trotz der Sprachbarriere, schnell gekauft.

Passenderweise war ein Schwerpunkt des Münchner Comicfestivals 2011 u.a. Spanien. Was lag also näher als Montero einzuladen? In Folge dessen lag es ebenso nahe Kein Blick zurück in Deutschland zu veröffentlichen. Es ist dem Team des Wuppertaler Kleinverlags Edition 52 zu verdanken, dass sie das Risiko eingingen, einen völlig unbekannten Künstler ins Programm aufzunehmen.

 

Natürlich sollte die Förderung des eigenen (Comic)-Nachwuchses an erster Stelle stehen – und Deutschland ist da mittlerweile auf einem guten Weg –, dennoch wäre es ebenso wünschenswert, wenn mehr Verlage den Mut hätten, nicht nur etablierte ausländische Künstler in ihr Programm aufzunehmen.

 

Spielball des Schicksals

Auch Kein Blick zurück beginnt, wie so oft, mit einer Trennung und einem Neuanfang. Kein Blick zurück eben. Hier geht letzterer aber gründlich schief! Jaime und sein treuer Begleiter, der Hund Tobias, an dessen Gedanken und sarkastischen Bemerkungen wir immer wieder teil haben dürfen, stolpern von einem Unglück ins nächste: Autopanne, Verfolgung durch einen Bären, Gepäckverlust, etc.

 

Erst als sie in eine neue Stadt kommen, bessert sich ihre Lage. Jaime findet eine Wohnung und einen Job und Tobias kann sich wieder der normalen Tätigkeit eines Haustieres, der Zerstörung des Mobiliars, widmen. Diese neue Sicherheit ist aber nur von kurzer Dauer. Eine Verwechslung, die anschließende Entführung Jaimes und die noch viel schlimmeren Folgen zerstören jegliche Hoffnung auf ein geregeltes Leben.

 

Am Ende bleibt der Leser erstaunt und hilflos zurück. Er weiß nicht, ob er nicht nur für Tobias, sondern auch für Jaime Empathie empfinden soll. Dieser betont zwar immer wieder, er wäre frei in seinen Entscheidungen, der Lauf der Geschichte aber zeigt, dass dem nicht so ist. Er ist ein Spielball des Schicksals. Ihm stößt, wenn mehrere Möglichkeiten bestehen, eigentlich immer die schlechtest mögliche zu. Seine wahren Beweggründe für den Neuanfang und die Erkenntnis, dass er eben doch keine Wahl hatte, werden erst ganz am Ende offenbart.

 

Einen Blick wert

Natürlich ist Kein Blick zurück nicht das erste Mal, dass Montero zum Zeichenstift gegriffen hat. Schon vorher hat er als Illustrator und beim Trickfilm Erfahrung sammeln können. Das merkt man den Bildern, die streckenweise eine ausgeprägte filmische Sprache sprechen, auch an. Die Figuren sind in einem stark vereinfachten, an Funnies orientierten Stil gezeichnet – ein größerer Kontrast zur düsteren Geschichte ist somit kaum möglich.

 

Dennoch schleichen sich in die Geschichte so manche Ungereimtheit wie auch zeichnerische Ausrutscher ein. Mag man die Sprünge in der Handlung oder so manche wirklich irrationale Entscheidung der Protagonisten noch als erzählerische Freiheit akzeptieren, so ist doch manches Panel Zeugnis der noch nicht völlig ausgereiften zeichnerischen Fähigkeiten Monteros.

 

Im Großen und Ganzen sind die schwarz-weißen Zeichnungen aber atmosphärisch passend. Der spärliche Einsatz der Farbe Rot – immer im Moment höchster Anspannung – wirkt dennoch bisweilen willkürlich. In gewisser Weise macht diese Unbefangenheit, erzählerisch wie bildlich, aber auch den Reiz der Geschichte aus.

 

Man kann Kein Blick zurück aber als durchweg gelungene Publikation bezeichnen, die noch dazu mit einigen Zusatzseiten und Hintergrundinformationen überrascht. Die Geschichte jedenfalls macht Lust darauf die weitere Entwicklung Monteros im Auge zu behalten.

 

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