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    Samstag, 29. April 2017 | 05:38

    Juan Gimenez: Leo Roa

    10.11.2011

    Sci-Fi-Seemannsgarn

    Weltraumpiraten, monströse Aliens, Zeitreisen: Mit Leo Roa  lässt Altmeister Juan Gimenez seiner überbordenden Phantasie freien Lauf. Die beiden ersten, im Original bereits 1985 erschienenen Bände der reichlich skurrilen Reihe sind als Sammelband bei Splitter erschienen – und sie machen mächtig Spaß, findet SEBASTIAN DAHM.

     

    Die Science Fiction ist ein weites Feld. Wer könnte das besser wissen als Juan Gimenez, der sich während seiner ansehnlichen Karriere ja fast ausschließlich innerhalb dieses Genres bewegt hat – bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl das Epos um die Kaste der Metabarone, das in Zusammenarbeit mit Alejandro Jodorowsky entstanden ist und mittlerweile so etwas wie Legendenstatus erreicht hat. Im Gegensatz zu letzterem Werk ist Leo Roa eher komödiantischer Natur, was der Originalität jedoch keinen Abbruch tut – im Gegenteil.

     

    Neutrinoschnelle Narration

    Die Geschwindigkeit, mit der Gimenez seine Story entfaltet, ist atemberaubend: In einer nicht näher bezeichneten Zukunft fristet der Titelheld sein Dasein als kleiner Archivarbeiter des Medienkonzerns STARR und träumt in seinem abgerissenen Apartment von einer glänzenden Zukunft als Starjournalist. Die Gelegenheit sich zu beweisen erhält Leo weitaus schneller als ihm lieb ist: Eher versehentlich kommt er bei eigenmächtigen Nachforschungen der Geheimidentität des berüchtigten Weltraumpiraten Drake auf die Spur – dieser hetzt Leo prompt seine Schergen auf den Hals.

     

    Anstatt sich still zu verhalten, beginnt Leo gemeinsam mit Cousin Meke, einem Muttersöhnchen mit Rockstarambitionen, auf eigene Faust zu ermitteln und schlittert in ein reichlich chaotisches Abenteuer, bei dem eine nymphomane Piratin und ihr tentakelbewehrtes Haustier noch die harmlosesten Gefahren darstellen …

     

    Auch in Teil zwei bleibt der Trashfaktor hoch: Meke, der es – sehr zum Missfallen seiner Mutter – tatsächlich zum Rockstar geschafft hat, wird von der mysteriösen Marga entführt, da er offenbar der einzige ist, der ihr Volk vor dem Untergang bewahren kann. Derweil hat Leo mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Er ist mittlerweile Redakteur bei STARR und an einem geheimen Zeitreiseprojekt beteiligt, das den Nachrichtenmoloch befähigen soll, »die besten Informationen ALLER Zeiten« zu senden. Bei einem Testlauf kommt es zu einem Unfall, woraufhin Leo gemeinsam mit dem Testpiloten und zwei flüchtigen Kriminellen ziellos durch den Zeitstrom treibt.

     

    Chaos mit Methode

    So unglaublich es klingen mag: Der Autor schafft es tatsächlich, dieses Plot-Wirrwarr zu bändigen und zu einem überaus stimmigen Ganzen zusammenzufügen, was an sich schon eine Leistung ist. So ist Leo Roa keine beliebige Aneinanderreihung von Absurditäten, sondern verfügt über eine stringente Story, unterhaltsame Charaktere und zündende Gags. Eine gelungene Mischung, die Gimenez mit trockener Selbstironie und einer ordentlichen Prise Erotik nachwürzt.

     

    Man merkt, dass die Zeichnungen aus derselben Feder wie die Story stammen. Wie der Plot zeugt auch die visuelle Gestaltung von Detailverliebtheit und Leidenschaft: Ob Aliens, barbusige Sci-Fi-Amazonen, oder futuristische Megastadt, Gimenez füllt seine Bilder mit quirligem Leben, das dem Leser förmlich entgegen springt. Dabei schöpft er auch die gestalterische Freiheit, die der Topos »Zeitreise« bietet, voll aus: Die Palette reicht vom im Bau befindlichen Eiffelturm über historische Kampfflugzeuge bis hin zu Flugsauriern im urzeitlichen Dschungel - viel Raum zum Austoben für den versierten Zeichner.

     

    Dass Leo Roa mittlerweile fast dreißig Jahre auf dem Buckel hat, merkt man dem Werk kaum an. Zwar verströmt der Comic durchaus einen gewissen Retro-Charme, Story und Zeichnungen kommen jedoch frisch und unverbraucht daher. Leo Roa ist weder gesellschaftskritische Cyberpunk-Parabel, noch epische Space-Opera, sondern schlicht und ergreifend Klamauk – allerdings auf sehr hohem Niveau.

     

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