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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 03:52

    Straub / Easton / Bolton: Green Woman

    21.03.2012

    Die schreckliche Schönheit des Bösen

    Wie die Protagonisten der gleichnamigen Graphic Novel steht auch BORIS KUNZ im Bann der »grünen Frau« …

     

    Peter Straub, ein in den USA nicht unbekannter Horror-Autor, der gerne mit Stephen King verglichen wird, hat mit dem Personal aus seinen Romanreihen nun den Plot einer Graphic Novel gestrickt. Diese ist qualitativ wiederum durchaus mit dem Comic-Ableger von Stephen Kings Der dunkle Turm vergleichbar, lässt sich aber angenehmerweise als abgeschlossene Geschichte und ohne jede Kenntnis der zugrunde liegenden Romane lesen. 

     

    Und ob ich auch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unheil - denn ich bin der übelste Dreckskerl des ganzen Dschungels.

    Ein Serienkiller mit dem klangvollen Namen Fielding Bandolier kommt in die Jahre und hat das Morden langsam satt – kommt aber doch nicht so richtig davon los. Bob Steele, einem New Yorker Cop, der hinter einem von Fieldings Nachahmungstätern her ist, bekommt es gar nicht gut, dass er sich dabei wie sein Namensvetter, ein berühmter amerikanischer Westernheld, aufführt. Und dann ist da noch die Grüne Frau – die Galionsfigur eines Geisterschiffes, auf dem sich die Mannschaft gegenseitig umgebracht hat, und die inzwischen in Amerika in der Gaststube einer einsamen, leer stehenden Kneipe Namens »The Green Woman« steht. In dieser Kneipe hat sich Fielding Bandolier eingenistet – eigentlich um sich zur Ruhe zu setzen. Doch die grüne Frau verlangt Blutopfer.

     

    Die Autoren Straub und Easton erzählen die klassische Geschichte vom Polizisten, der auf der Jagd nach einem Serienmörder in so tiefe Abgründe gerät, dass er sich am Ende kaum noch von seinem Gegner unterscheidet. Dabei interessieren sie sich viel weniger für Thrillerspannung und viel mehr für eine Art Psychogramm der beiden Figuren – wobei der Serienkiller die Figur ist, der man dabei erstaunlicherweise näher kommt als dem Cop.

     

    Die Geschichte ist stark elliptisch erzählt, überrascht immer wieder durch unerwartete Zeitsprünge oder dadurch, dass die Autoren über wesentliche Momente der Handlung relativ ungerührt hinweggehen. Trotzdem fühlt man sich als Leser nicht verloren, sondern wird durch das Spiel mit der Narration, dem Wechsel aus erwarteten und völlig unerwarteten Ereignissen, immer im Bann der Geschichte gehalten.

     

    Schönheiten und Blutbäder

    Den entscheidenden Beitrag dazu leistet das Artwork von John Bolton, der in dieser Geschichte wieder voll in seinem Element ist. Er entwirft eine düstere Welt von morbider Faszination, bevölkert von markanten Mannsbildern und von Frauen, deren makellose, hellhäutige Gesichter die letzte Bastion von Schönheit und Unschuld in einer Welt sind, die ansonsten mehr und mehr von tiefschwarzen Schatten heimgesucht wird, von Verfall, Verderben und Blut. Diese Frauen, Objekt und Opfer der männlichen Begierde, sind eher Symbole als wirkliche Figuren – was Bolton wiederum dadurch wettmacht, dass er den männlichen Protagonisten, allen voran dem zerfurchten Gesicht von Fielding Bandolier, mit seinen fotorealistischen Malereien einen beängstigend hohen Realismus verleiht. Je weiter die Geschichte voranschreitet, um so mehr wird sich der Verfall auch der weiblichen Schönheiten bemächtigen und wir werden sie vor allem in der Form verstümmelter, verfaulender Körper zu Gesicht bekommen.

     

    Ihnen entgegen steht die gefährliche, titelgebende Green Woman, deren grausamer und herrschsüchtiger Blick einen schon von den ersten Seiten an in den Bann schlägt. Als reines Horrorelement hätte es sie gar nicht gebraucht; die Geschichte ist eigentlich unheimlich und packend genug, während sie von Fieldings »Erweckungserlebnissen« in Vietnam, seinen Annäherungen an sein nächstes Opfer oder von den Visionen erzählt, die Bob Steele plagen, nachdem er aus dem Dienst fliegt und seine Suche nach Fielding nicht mehr weitertreiben kann. Eine Geschichte wie diese hätte man gar nicht mehr mit geisterhaften Stimmen und einer Figur wie der Green Woman aufpeppen müssen. Aber vermutlich war es nicht das Genre, das nach einem solchen Element verlangt hat: Es waren all die malträtierten Schönheiten und die immer wieder geschändete weibliche Unschuld, die hier am Ende von einer starken Frauenfigur gerächt werden mussten.

     

    Bei all den Grausamkeiten, die hier geschehen, bleibt Green Woman immer ästhetisch anspruchsvoll, weiß noch dem grauenvollsten Blutbad eine morbide Schönheit abzugewinnen, ohne dabei in die Gewaltzelebration eines Slasher-Movies zu verfallen. Für Freunde des gepflegten, intelligenten Grusels also sehr empfehlenswert.

     

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