Schönheiten und Blutbäder
Den entscheidenden Beitrag dazu leistet das Artwork von John Bolton, der in dieser Geschichte wieder voll in seinem Element ist. Er entwirft eine düstere Welt von morbider Faszination, bevölkert von markanten Mannsbildern und von Frauen, deren makellose, hellhäutige Gesichter die letzte Bastion von Schönheit und Unschuld in einer Welt sind, die ansonsten mehr und mehr von tiefschwarzen Schatten heimgesucht wird, von Verfall, Verderben und Blut. Diese Frauen, Objekt und Opfer der männlichen Begierde, sind eher Symbole als wirkliche Figuren – was Bolton wiederum dadurch wettmacht, dass er den männlichen Protagonisten, allen voran dem zerfurchten Gesicht von Fielding Bandolier, mit seinen fotorealistischen Malereien einen beängstigend hohen Realismus verleiht. Je weiter die Geschichte voranschreitet, um so mehr wird sich der Verfall auch der weiblichen Schönheiten bemächtigen und wir werden sie vor allem in der Form verstümmelter, verfaulender Körper zu Gesicht bekommen.
Ihnen entgegen steht die gefährliche, titelgebende Green Woman, deren grausamer und herrschsüchtiger Blick einen schon von den ersten Seiten an in den Bann schlägt. Als reines Horrorelement hätte es sie gar nicht gebraucht; die Geschichte ist eigentlich unheimlich und packend genug, während sie von Fieldings »Erweckungserlebnissen« in Vietnam, seinen Annäherungen an sein nächstes Opfer oder von den Visionen erzählt, die Bob Steele plagen, nachdem er aus dem Dienst fliegt und seine Suche nach Fielding nicht mehr weitertreiben kann. Eine Geschichte wie diese hätte man gar nicht mehr mit geisterhaften Stimmen und einer Figur wie der Green Woman aufpeppen müssen. Aber vermutlich war es nicht das Genre, das nach einem solchen Element verlangt hat: Es waren all die malträtierten Schönheiten und die immer wieder geschändete weibliche Unschuld, die hier am Ende von einer starken Frauenfigur gerächt werden mussten.
Bei all den Grausamkeiten, die hier geschehen, bleibt Green Woman immer ästhetisch anspruchsvoll, weiß noch dem grauenvollsten Blutbad eine morbide Schönheit abzugewinnen, ohne dabei in die Gewaltzelebration eines Slasher-Movies zu verfallen. Für Freunde des gepflegten, intelligenten Grusels also sehr empfehlenswert.