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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 13:55

     

    Allen Ginsberg: Gedichte

    12.02.2004



    Gewaltig und unorthodox

    1956 erschien in den USA Allen Ginsbergs erster Gedichtband mit dem zornigen, verzweifelten, in einer ekstatischen Fußnote ausklingenden Titelgedicht HOWL. 1996 ging dieses Buch in die 52. Auflage: insgesamt 785.000 Exemplare in 40 Jahren.

     

    Es kommt gar nicht so selten vor, dass in deutschen Landen von Gedichtbänden auch relativ bekannter Autoren nur wenige hundert Exemplare verkauft werden: Wir vernehmen diesen Jammergesang seit Jahren und können ihn nicht mehr hören...

    1956 erschien in den USA Allen Ginsbergs erster Gedichtband mit dem zornigen, verzweifelten, in einer ekstatischen Fußnote ausklingenden Titelgedicht HOWL. 1996 ging dieses Buch in die 52. Auflage: insgesamt 785.000 Exemplare in 40 Jahren. Und das ohne die in zahlreichen Ländern publizierten Übersetzungen!

    Ob Sie nun wissen oder nicht, dass Allen Ginsberg zusammen mit Jack Kerouac und William S. Burroughs (um nur die bekanntesten zu nennen) mittels ihrer gewaltigen, vollkommen unorthodoxen, so noch nicht gehörten literarischen Stimmen die amerikanische Szene aufmischten (und längst schon als BEAT GENERATION unsterblich geworden sind: ob Hip-Hop, Rap oder Social Beat, sie alle beziehen sich bis heute auf die Beatniks), spielt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, zu erfahren, dass der Hanser Verlag (der 1961 ja die legendäre Anthologie Lyrik der Beat Generation herausbrachte) im Jahre 1999 gleichsam als Hommage ein Gedichtbuch mit dem schlichten Titel GEDICHTE dieses hartnäckigen Individualisten Allen Ginsberg, der gegen Vietnamkrieg, Establishment protestierte, herausgebracht hat, über das seine Fans (und solche, die es noch werden wollen) Freude o­n the rocks empfinden werden. Ich jedenfalls empfinde so, obwohl ich die Mehrzahl der Gedichte bereits aus den amerikanischen Ausgaben kenne...

    "Wir sind blind und leben unser blindes Leben in Blindheit zu Ende. Dichter sind verdammt, aber sie sind nicht blind - sie sehen mit den Augen der Engel. Dieser Dichter sieht durch all das Grauenhafte, das er durchmacht, und er betrachtet es von allen Seiten in den sehr intimen Mitteilungen seines Gedichts. Er geht keiner Erfahrung aus dem Weg, sondern durchlebt sie bis zum Äußersten (...) Nehmen Sie die Säume Ihrer Gewänder hoch, meine Damen, wir gehen durch die Hölle."

    Soweit William Carlos Williams, Ginsbergs großes dichterisches Vorbild (neben Walt Whitman, Artur Rimbaud, Guillaume Apollinaire), in seinem Vorwort, das eine Gedichtsammlung einleitet, die Herausgeber Uwe Wittstock "aus allen Schaffensperioden des riesigen Gesamtwerks" zusammengestellt hat. Es ist ein Buch geworden, dem die Verehrung und Wertschätzung eines geliebten Dichters in jeder Beziehung anzusehen und abzulesen ist. Auf dem Buchdeckel sehen Sie den rauchenden Allen Ginsberg auf dem ölbefleckten Bürgersteig einer Seitenstraße von Berkeley im Jahre 1956. Gleich im ersten Gedicht geht es scharf zur Sache, und die Leser werden in eine Traumwelt entführt, in der der rauhe Ton Ginsbergs deutlich macht, wo es langgeht:

    Ich kam in das Cocktailparty

    Zimmer und stieß auf drei oder vier Schwule

    Die sich auf Schwulenart unterhielten.

    (...)

    Ich aß ein reines Fleischsandwich,

    ein Riesiges Sandwich aus Menschenfleisch,

    das, wie ich beim Kauen bemerkte,

    auch ein schmutziges Arschloch enthielt.

    (...)

    Dass der Antibürger Ginsberg sich mit solchen Versen nicht nur Freunde gemacht hat, leuchtet ein, aber die extrem hohen Auflagen seiner Bücher beweisen, wie dankbar ihm viele, viele Leser stets für seine harten, aber wahrhaftigen (und, ob Sie es glauben oder nicht: liebevollen) Gedichte gewesen sind. Es sind immer aufsehenerregende, fulminante, jazzige, wilde Gedichte, die die extreme Power eines Dichters dokumentieren, dem es ein Leben lang darum ging, all das in Lyrik zu verwandeln, was er an groteskem, unglaublichem, wahnsinnigem, (...) Leben erlebte. Und das Feuer jedes einzelnen (sich oft über viele Seiten hinziehenden, in langen Versen geschriebenen) Gedichts lodert derart heftig, dass dieser 107 Seiten starke Band eine Ausstrahlung hat, die Sie wahrscheinlich nicht mehr vergessen werden. Hier begegnen Sie Allen Ginsberg, dem Buddhisten und dem Juden, dem Visionär und dem Zeitkritiker, dem Patrioten und dem Bürgerschreck, dem Prediger und dem Propagandisten der freien Liebe, dem enfant terrible und dem Umweltschützer, dem Drogenesser und dem gay activist, dem Pazifisten und dem PR- Manager seiner selbst" (aus dem Nachwort von Uwe Wittstock).

    Hervorzuheben ist abschließend die Qualität der Übersetzung - die ja grundsätzlich problematisch ist, da die Welt der einen Sprache nie die er anderen sein kann: Die Gedichte sind von Profis wie Heiner Bastian, Michael Kellner, Bernd Samland, Jürgen Schmidt, Peter Waterhouse und Carl Weissner kongenial nachempfunden worden, also in der herben Ginsbergschen Tonart belassen und nicht in irgendeiner den deutschen Leser möglicherweise schonen wollenden Lesart verfälscht (wie es beispielsweise leider mit Shakespeare und Salinger geschehen ist). Prinzipiell wäre eine zweisprachige Edition natürlich die noch bessere Alternative gewesen. Sei's drum: Der leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen erstmals in dieser Auswahl in Deutschland erschienenen Gedichten Allen Ginsbergs steht zunächst nichts mehr im Wege...


    Von Theo Breuer


    Allen Ginsberg: Gedichte. Gebundene Ausgabe - 108 Seiten - Carl Hanser Erscheinungsdatum: 1999 ISBN: 3446197915

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