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    Montag, 22. Mai 2017 | 23:29

    Twin Peaks wieder im deutschen Fernsehen

    23.04.2011

    Hinter dem Gesetz der Serie

    David Lynch und Mark Frost haben mit der Fernsehserie Twin Peaks die Mutter aller Serien geschaffen. ARTE strahlt sie nun vom 19. April bis 28. Juni zum zweiten Mal in Deutschland aus. Von MAXIMILIAN LINK

     

    Eine Serie ist eine Serie ist eine Serie. Jede Folge von Twin Peaks beginnt mit dem gleichen, langen Intro. Zu den melodramatischen Klängen des Komponisten Angelo Badalamentis, zu dieser sich ins Unterbewusstsein einbrennenden E-Piano-Melodie sehen wir eine berauschend schöne Landschaft Nordamerikas. Eine lange Einstellung in diesem Intro zeigt ein besonderes Bild. Im Vordergrund steht ein Ortsschild. Neben dem Namen sind darauf die beiden ikonischen Hügel zu sehen, die der Gemeinde ihren Namen geben. Weit im Hintergrund erkennt man die beiden echten Zwillingsgipfel, wie sie wolkenverhangen aus den Wäldern ragen. Vorder- und Hintergrund zeigen also scheinbar das gleiche Bild. Man sieht ein Bild im Bild. Genauer: Man sieht das Bild zweier sich ähnelnder Gipfel im Bild zweier sich ähnelnder Gipfel. Und genau darum geht es in der Serie.

     

    Das Bild im Bild zu erkennen, das Vorder- vom Hintergründigen, also das Scheinbare vom Echten zu trennen. Und schnell zu erkennen, dass die Bewohner von Twin Peaks nicht nur das sind, was sie vorgeben zu sein, sondern ein Doppelleben führen.  Auf der Oberfläche flimmert Twin Peaks – ist der Mord an Laura Palmer, dem blonden Engel erst einmal vergessen – als Soap über den Bildschirm. Also als Ebenbild zur Seifenoper Invitation to Love, welche von den Twin Peaks-Bewohnern als Fernsehserie in der Fernsehserie gesehen wird.

     

    Man erfährt schnell, dass der tote blonde Engel Laura Palmer gar nicht so unverdorben war, wie man es vermutet hätte. Ihren Freund, den Rowdie Bobby Briggs, hat sie mit dem melancholischen Biker James Hurley betrogen. Bobby Briggs hingegen hat Laura mit Shelly Johnson, der schönen Dinerangestellten, betrogen, die wiederum ihren Ehemann Leo hintergeht. Und so kommen immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht.

     

    Jede Figur in Twin Peaks ist gleichzeitig ihr eigener Doppelgänger. Ein allzu beliebtes Motiv im Oeuvre Lynch, man denke da an Lost Highway oder an Mulholland Drive, in welchen die Figuren sich innerhalb der gespiegelten Filmhandlung ihrer Identitäten zu entkleiden versuchen, als könnte man diese ganz einfach ablegen.

     

    Der Teufel im Detail

    In Twin Peaks ist nun das Surreale und Böse eingekehrt und waltet in dieser naiven Idylle umso schrecklicher. Nicht nur die Bewohner sind verunsichert, noch viel mehr ist es der Zuschauer, der, alleingelassen, um Hilfe ruft. In diese vom Bösen zweigeteilte Twin Peaks-Welt tritt, entsandt von David Lynch, nun der unschuldige Held mit reinem Herzen. Er heißt Dale Cooper und ist Agent des FBI. Ein Berufsanalytiker mit infantiler Begeisterung für Kaffee, Donuts und Kirschkuchen soll die Welt wieder ins rechte Lot rücken, den „Fall Laura Palmer“ – darum geht es schließlich – lösen, dem Zuschauer zeigen, worauf er zu achten hat.

     

    Dale Coopers geschärftem Blick scheint nun nichts zu entgehen. Unter dem Fingernagel Laura Palmers findet er einen winzigen, nur mit dem Vergrößerungsglas zu erkennenden Buchstaben, das stets zu beachtende Detail im lynchschen Kosmos. Dale Cooper erkennt sogleich, dass Laura Kokain nahm, während der heimische Chief Harry Tru(e)man sich von dem öffentlichen Bild Laura Palmers trügen lässt. Im Verlauf von Twin Peaks lässt er sich mehr und mehr auf das Mystische ein, sucht – typisch für Lynch – in Träumen nach Anhaltspunkten. Aber nicht nur Dale Cooper macht auf die kleinen Dinge aufmerksam. Immer wieder bekommt man auch von der Kamera gesagt, dass man auf Details achten soll. Denn alles hat, auch wenn man den Sinn nicht gleich versteht, eine Bedeutung, und dass der Teufel im Detail steckt, gilt für diese Serie gleich doppelt.

     

    Ihren Kultstatus verdankt Twin Peaks ihren verschrobenen Charakteren und ihrem Hybridcharakter. Denn unter dem Vorzeichen der Ironie ist die Serie alles zugleich: Krimi, Drama, Mystery, Horror. Tiefer und tiefer zieht die Serie einen hinein, in den mysteriösen Seriendschungel und immer unentwirrbarer verweben sich alle Handlungsstränge miteinander. Manches wird aufgelöst, manches bleibt für immer ein Mysterium. So öffnete Twin Peaks vielleicht einer Mysteryserie wie Akte X die Türe, viel mehr jedoch war es ihr Erzählverfahren, dass das Feld der Fernsehserie neu aufbereitete und Serien wie Lost, The Sopranos oder Breaking Bad möglich machte.

     

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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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