TITEL kulturmagazin
Freitag, 31. März 2017 | 02:34

Die Facebook-Essays - Teil 4

15.11.2010

Lose Postings zu einem virtuellen Küchentisch und einer Bühne in drei Threads

TITEL präsentiert bis zum heutigen Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den letzten Teil dieser kleinen Reihe bestreitet heute JULE D. KÖRBER.

 

Thread one: Und so sehe ich mitbetroffen / Den Vorhang aufgehen und alle Fragen offen

Ich bin alleine hier

in einem Raum voller Leute

die alle wie ich aussehen

Tele

 

Bevor ich selbst Facebookerin wurde, war Facebook für mich ein nebenher laufender Teil der Dienstagabende mit meiner inzwischen Ex-Mitbewohnerin Maria vorm Fernseher im WG-Flur. VOX zeigte in der zehnten Wiederholung Krimiserien, die nach den Achtzigern aussahen und aus den späten Neunzigern kamen. Maria lief gegen Jan, der nur drei Meter weiter auch vorm Fernseher saß, und Thomas, der nachmittags da gewesen war, Wettrennen. Im Sitzsack versunken, mit ihrem Netbook auf dem Schoß, Wein trinkend. Auf der Rennstrecke standen Hürden, Maria sprang immer besser als Thomas und auch Jan stolperte. Später besuchten sie sich gegenseitig, brachten kleine bunte Geschenke vorbei, umarmten sich oder duschten.

Maria ist ein blauer Hase, Jan ein grüner Kater und Thomas ein ebenso grüner Hirsch. Ihre Facebook-Application heißt pet society.

 

Ich bin kein virtueller Farmer, ich bin in keinerlei Mafiakriege verwickelt, ich öffne noch nicht einmal Glückskekse.

Facebook-Applications? Zeitverschwendung.

 

Ich wusste damals nichts von Pinnwänden und Neuigkeiten und Meldungen; virtuelle Pinnwände, das waren für mich die von StudiVZ, auf denen pünktlich zum Geburtstag Menschen Glückwünsche hinterließen, mit denen ich seit Jahren nichts mehr zu tun hatte. Meine StudiVZ-Mitgliedschaft, das war Gruppenzwang. Und wie auf dem Schulhof in der Raucherecke widerstand ich diesem und doch wieder nicht. Bei StudiVZ war ich wie zu Schulzeiten das Mädchen, das mit einer Pepsi-light-Dose zwischen den Marlboro-Rauchern stand.

 

Und dann kam Bayern. Es war einer meiner letzten Abende in Hildesheim, als ich meinen Facebook-Account eröffnete und vorher als Status auf meiner StudiVZ-Seite veröffentlichte: »StudiVZ nervt, ich bin jetzt bei Facebook.«

Nun also Facebook. Der Vorhang öffnete sich und ich als Publikum erschrak, denn dahinter verbarg sich, als Ganzes sehr klein, die Welt, eng beieinander.

 

Thread two: Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen

I

C. war nicht meine erste große Liebe, aber die größte. Wir trafen uns das erste Mal im Mic Mac in Moisburg, der Dorfdisco, in der sich der Großteil der Eltern meines Abijahrgangs kennengelernt hatte; und in der einige meiner ehemaligen Mitschüler gezeugt wurden. Ein authentischerer Ort als das Mic Mac ist kaum vorstellbar.

C. und ich wurden die festverbundenste Menschenkombination des ganzen südlichen Hamburger Speckgürtels. Kurz bevor ich Abitur machte, flogen zwei Flugzeuge in zwei Türme, das angeblich bestimmende welthistorische Ereignis meiner Generation veränderte im Großen wie im Kleinen. C. hatte sich keine vier Wochen vorher für Auslandseinsätze bei der Marine verpflichtet, im festen Glauben, das pazifistische Deutschland würde nie innerhalb seiner Wehrdienstzeit in einen Krieg verwickelt werden. Er war seit zwei Wochen im Meer vor Schottland, als ich sein Schiff, die Lütjens, in den Nachrichten sah, wie sie von Schottland aus direkt ans Horn von Afrika fuhr. Tagelang hörte ich nur aus den Nachrichten von ihm.

Ich lernte die Regeln der Bundesmarine für Strohwitwen, wie man auf Schiffen anrief, wie man die Kommunikationswege offenhielt. Wir telefonierten über Satellit und alle seine Kameraden hörten mit.

Das wäre das, was ich unseren Kindern erzählt hätte, doch soweit sollte es nicht kommen. Ich verliebte mich zu Hause in einen anderen. C. ging einen der wenigen Wege, um nach Deutschland ausgeflogen zu werden. Er wurde unehrenhaft entlassen und der andere hatte sein Coming-out. C. ging nach Flensburg zum Studieren, ich nach Hildesheim und nach vielen quälenden kleinen Ereignissen war er oder ich einfach weg und keiner von uns traute sich, es offiziell zu beenden oder sich auch nur beim anderen nochmal zu melden. Knappe fünf Jahre später kam das Jahr Facebook, 2009, die Durchsuchung aller meiner E-Mails und gespeicherten E-Mail-Adressen – und der Abgleich mit Facebook-Mitgliedern.

Und da war er, sein Profilfoto war ein Bild, das ich von ihm gemacht hatte, das Bild, was in den ersten Monaten Hildesheim innen in meinem Kleiderschrank geklebt hatte wie ein Pornoposter im Spind eines Soldaten.

Ich starrte eine halbe Stunde und dachte darüber nach, ob es wirklich so einfach sein konnte. Man freundete sich über Facebook an, öffnete wieder die Kommunikationswege und alles, wirklich alles, würde wieder gut werden. Wie eine Aussprache bei einem Kaffee am Küchentisch. Nur ohne Aussprache. Und ohne Küchentisch.

Ich fragte Maria und Jan, ob ich das tun könnte, ohne eine Nachricht diese Freundschaftsanfrage rausschicken – und wenn mit Nachricht, was ich schreiben sollte und ob überhaupt. Maria und Jan, die mich überredet hatten, Facebooker zu werden, sagten, keine Nachricht und dass ich nichts zu verlieren hätte.

Dieses kleine schwarze Häkchen ins weiße Kästchen zu setzen. Und auf »Bestätigen« zu klicken. Es dauerte über eine Stunde.

 

Er hat meine Freundschaftsanfrage ignoriert. C. und ich sind keine Facebook-Freunde.

 

II

Maxi S. und ich, wir konnten uns nie leiden. Sie war die einzige Blaue-Gauloises-Konsumentin in der Raucherecke, ich die mit der Pepsi-light-Dose in der Hand. Sie trug schwarze Lackstiefel mit Plateauabsätzen von Buffallo, ich Turnschuhe aus dem Neu Wulmstorfer Schuh-Quick. Sie war immer schwarz gekleidet und das einzig Weiße an ihr war der Helly Hansen Schriftzug auf ihrer Winterjacke und ihr gepudertes Gesicht. Ich hingegen war auf dem Gymnasium erbärmlich ungeschminkt und ihr Blick auf mich unterhalb ihres schwarzen Lidstriches war stets ein wenig abfällig.

Maxi wollte nach dem Abi auf die Schauspielschule und wurde Kosmetikerin, nannte sich aber Facedesignerin. Ich ging nach Hildesheim. Wir sprachen zu Schulzeiten fast nie miteinander und danach gar nicht mehr. Würde mich jemand fragen, ob ich wissen wolle, was aus Maxi geworden ist, ich würde sagen, dass es mich nicht interessiert.

 

Maxi S. hat inzwischen zum achten Mal eine Freundschaftsanfrage an mich geschickt. Ich habe sie jedes Mal ignoriert.

 

III

Phin und ich waren zeitweise die wichtigsten Menschen füreinander in der Lochstadt Hildesheim. Wir zerstritten uns oft wegen Lappalien und charakterlichen Unzulänglichkeiten. Nach einem besonders unnötigen Streit erklärte ich die Freundschaft für beendet und wir sprachen nicht mehr miteinander. Wir saßen auf Parties an denselben Küchentischen, hatten gemeinsame Freunde, hörten unsere Argumente bei Diskussion, aber wir richteten nie direkt ein Wort aneinander. Es fühlte sich an, als könnten wir unsere Pinnwandeinträge lesen, doch wären nicht fähig, eine Nachricht für den anderen dort zu hinterlassen. Wir sprachen nebeneinander, nicht miteinander.

Als ich die Facebook-Bühne betrat, schlug mir Facebook Phin als Freund vor, ich fragte ihn nicht an. Phin und ich, das war für mich vorbei.

Von München aus schickte ich ihm einen Brief per Post und ein signiertes Buch, wochenlang passierte nichts. Irgendwann kam eine Rundmail von ihm, in der stand, dass er jetzt in Berlin sei.

Da schickte ich Phin eine Freundschaftsanfrage.

Die Welt ist wieder in ihren Fugen seit einigen Wochen, Phin und ich sind Facebook-Freunde. Immer noch ohne gegenseitige Pinnwandeinträge, aber das wird.

 

IV

Der Musiker Bernd Begemann ging als Erster von Bad Salzuflen nach Hamburg und wurde dort Gründungsvater der Hamburger Schule. Nicht nur deswegen ist er einer meiner großen musikalischen Helden. Es muss im Jahr 2007 gewesen sein, als ich ihn um ein Interview für meine Diplomarbeit bat und er ich mich zum Eisessen nach Altona einlud.

Nie hätte ich mich getraut, ihm eine Facebook-Freundschaftsanfrage zu schicken. Meine anderen Facebook-Freunde, die fragten andauernd Prominente an; ich fand und finde das peinlich, denn sie sind ja nicht mit ihnen befreundet, und schließe mich höchstens respektvoll einer Fan-Gruppe an.

Bernd Begemann schickte mir eine Freundschaftsanfrage, ich nahm natürlich an. Er kommentiert auch ab und an meine Postings, wenn die sich mit Musik beschäftigen.

Meine Facebook-Bühne ist auch seine.

 

Thread three: Erst die Freundschaft, dann das Vergnügen

I

Wenn Facebook mich fragt: »Was machst du gerade?«, müsste die Antwort ehrlicherweise lauten: Ich sitze an meinem Schreibtisch und überlege, ob und was ich bei Facebook poste.

Doch das ist nicht das, was ich erzähle, wenn ich die Facebook-Bühne betrete. Auf die Bühne tritt die Figur Jule D. Körber und die schreibt beinahe schizophren über sich selbst in der dritten Person, schließlich steht nicht wie bei einem dramatischen Text ein Doppelpunkt hinter ihrem Rollennamen. Noch schizophrener wird es, wenn sie sich, da der erste Text nur eingeschränkt lang sein kann, selbst kommentiert. Merkwürdigerweise erscheint es ihr da nicht mehr falsch, »Ich« zu schreiben.

 

Und auch wenn man die Facebook-Bühne immer wieder betreten kann, so bekommt man doch nur ein paar wenige Zeichen lang die Chance, sein Publikum zu begeistern. Facebook nutzt sich ab. Nur wenige uninteressante Postings und schon wird man überlesen in der Facebook-Welt. Niemand interessiert sich dafür, was man zu Mittag isst oder was für ein Wetter vorm Fenster herrscht. Außer es waren Kakerlaken und es rollt eine Flutwelle auf’s Fenster zu.

Das Prinzip ist das von Deutschland sucht den Superstar – man hat nur diese kurze Chance, sein Können und seinen exorbitant spannenden Charakter zu zeigen. Und versucht, Reaktionen zu provozieren. Da ist es erst einmal egal, ob das Lob in Form eines »Gefällt mir«-Daumens kommt oder ob es ein Kommentar ist, der wiederum selbst den Charakter des Kommentators zeigt. Das Dieter-Bohlen-Prinzip, die Kunst des Kommentierens.

Der Erfolg eines Facebookers bemisst sich wie bei DSDS an der Menge der Aufmerksamkeit, die er generiert. Facebook, das ist die Möglichkeit, vor einem selbstgewählten Publikum virtuell einen Gurkenlaster zu rammen.

 

II

Facebook ist eine Christoph-Marthaler-Inszenierung in den Endproben; die Schauspieler sind allein auf der Bühne und spielen nur für sich untereinander und für die Regie. Die Bühne ist riesig und vollgestellt mit Kram, der größer ist als die zahlreichen Darsteller, die allesamt vereinzelt stehen und in die Leere sprechen; nur kurze Sätze, in der Hoffnung, diese führen dazu, dass eine andere Figur sich mit ihnen zusammentut, sie kommentiert und sie gemeinsam einen Chor bilden. Manchmal singen die Figuren auch. Mitsingen ist oftmals leichter als kommentieren. Im Gesamtbild ergibt sich aus den Improvisationen Einzelner ein Chor und eine Inszenierung.

Dieses Prinzip funktioniert allerdings nur, wenn die Facebook-Freunde richtig ausgewählt sind; Freundschaftsanfragen sind Castings, Freunde die Besetzung.

 

III

Facebook ist eine teilironische Selbsthilfegruppe ohne gemeinsames Problem. Und dabei so angenehm unaufdringlich. Denn während in anderen Selbsthilfegruppen die einzelnen Mitglieder verpflichtet sind, zu dem geäußerten Problem eines Mitglieds etwas zu sagen, kommentiert bei Facebook immer nur derjenige, der auch etwas beizutragen hat.

 

III.I

Es gab Postings, bei denen war Facebook fast schon ein Ersatz für meinen Hildesheimer WG-Küchentisch, der ja auch eine Selbsthilfegruppe war. Nur um den Facebook-Küchentisch herum sitzen fast alle meine Freunde und keiner fühlt sich gezwungen auf meine auf den Tisch geworfenen Fragen zu reagieren. Und wir können alle durcheinander reden. Und antworten, wenn wir Zeit dazu haben. Und wir können uns Links dazu schicken.

Facebook würde mir wohl nicht so viel bedeuten, wenn ich noch in Hildesheim wäre. Es ist kein Surrogat für meine WG, aber es lindert den Trennungsschmerz.

Viele von den Dingen, die ich jetzt bei Facebook als Bitte um Hilfe poste, hätte ich in Hildesheim meine Mitbewohner bei Wein am Küchentisch gefragt.

Und all die Erlebnisse, die mir einen Facebook-Eintrag wert sind, hätte ich in Hildesheim meinen Mitbewohnern erzählt.

Es ist richtig, nicht mehr in der Lochstadt zu sein, aber wäre ich noch da, ich bräuchte Facebook wohl nicht.

 

IV

Ein guter Facebooker ist für mich nicht nur Performer auf der Onlinebühne, er ist auch Spielmacher. Er muss nicht nur zu Publikumsreaktionen indirekt provozieren, sondern auch auffordern, mitzumachen.

Deswegen dachte ich mir den Deutschpopsongtextadventskalender aus, jedes Türchen zum Mitraten.

 

IV.I

Manchmal wünschte ich mir meinen Doktorvater zum Facebook-Freund, der dann sieht: Ah, Jule empfiehlt jenes Buch oder setzt sich mit diesem Thema auseinander, sie verbringt Zeit mit ihrer Doktorarbeit.

 

IV.II

Manchmal dient Facebook auch zur Selbstvergewisserung und Rechtfertigung. Ich bin hier! Ich arbeite! Ich hänge nicht einfach nur rum! Ich mache was aus meinem Leben und was, das poste ich bei Facebook. Damit mein Publikum mir zunickt. Oder den Kopf schüttelt. Hauptsache, irgendjemand ist da draußen. Und mich gibt es wirklich.

 

IV.III

Ich bin mein Facebook-Alter-Ego.

Mein Profilfoto ist mit Weichzeichner behandelt, schwarz-weiß und vier Jahre alt.

Ich puzzle mich selbst neu zusammen. Nur die Teile werden gesetzt, die im Gesamten das Alter Ego zeigen, das ich gern sein möchte. Es ist keine optimierte Version von mir, das nicht, mein Facebook-Alter-Ego und ich, wir sind uns sehr ähnlich. Es ist nur anders fokussiert als die Realität. Ich bin die Texte, die ich gerade lese. Ich bin die Musik, die ich gerade höre. Ich bin das YouTube-Video, das ich gerade sehe. Ich bin mein Arbeitsmarktgalgenhumor. Ich bin meine Hoffnung. Ich bin meine kleinen Erfolge. Ich bin witzig und geistreich (und habe genug Zeit, mir zu überlegen, wie ich das sein kann).

Ich bin schwarz-weiß, vier Jahre jünger und mit Weichzeichner behandelt.

 

V

Bis ich das erste Mal wagte, auf Facebook aus der Hölle meines Münchner Arbeitsplatzes zu berichten, musste ich innerlich gekündigt und schon die ersten Bewerbungen geschrieben haben.

Dann verbot mein Chef das Lachen und Reden am Arbeitsplatz. Manche Dinge sind eine Steilvorlage für Facebook. Da hätte es richtig weh getan, wenn ich das nicht gepostet hätte.

Facebook ist eine Bühne, auf der auch geschrien werden darf, ein Ventil in wenigen Zeichen. Und sofort ist alles besser, wenn es raus ist – und wenn man gezwungen war, seine Wut in nur so wenige Zeichen eines bühnentauglichen Textes zu verpacken.

 

VI

Es ist nicht nur so, dass meine Arbeit, an der ich gerade sitze, in Facebook auftaucht, weil ich Fragen ans FB-Plenum stelle (und beantwortet bekomme), weil ich das Musikvideo poste, was ich gerade für meine Dissertation analysiere, weil ich aus den Büchern zitiere, die ich gerade lese; Facebook taucht auch in meinen Texten auf. Mein Sampling-Drama Wir Krisenkinder – Eine Maschine besteht zum Teil aus Facebook-Einträgen.

Meine Dramen verstehen sich als strukturierte Materialsammlungen zu spezifischen Themen; meine Facebook-Postings sind hauptsächlich die Reaktionen auf ausgewählte Fragmente meiner Gegenwart und strukturiert durch Zeit – und damit auch eine Materialsammlung. Das Thema bin ich.

 

VII

Facebook fühlt sich an wie eine Parallelwelt, ist aber keine; die Facebook-Welt hat Konsequenzen in der Realität, die man leicht vergisst.

 

VII.I

Letztens ging ich mit Lino in München auf dem Weihnachtsmarkt spazieren. »Ich hatte Dir ja schon erzählt«, sagte er, »dass ich ...« Und ich sagte: »Nein, Lino, dass hattest Du mir noch nicht erzählt, aber bei Facebook gepostet. Also Du hast mir das trotzdem irgendwie schon erzählt.«

Tatsächlich fallen mir inzwischen Dutzende Fälle ein, wo ich in realen Gesprächen mit meinen Facebook-Freunden nicht mehr wusste, was ich ihnen direkt oder bei Facebook erzählt habe.

Wir, ich! poste bei Facebook das, was ich meinen Freunden sowieso gezeigt und erzählt hätte. Nur bin ich im mündlichen Erzählen und im live Zeigen langsam, ausufernd, anstrengend. Facebook ist für mich eine angenehme formale Vorgabe. Ich muss das, was ich sagen will, auf wenige Sätze reduzieren.

 

VIII

Bei Facebook sind nur die Menschen existent, die posten oder kommentieren.

Bei meinem letzten Besuch in Hildesheim traf ich auf Menschen, mit denen ich bei Facebook befreundet bin, die aber nie posten oder kommentieren. Und die ich nicht wahrgenommen habe bzw. bei denen ich nicht wahrgenommen habe, dass sie mich wahrnehmen. Und ich war völlig irritiert, als sie mich auf Dinge ansprachen, die sie von mir nur über Facebook wussten.

 

IX

Ich poste, also bin ich.


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