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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:07

    Die Facebook-Essays - Teil 2

    01.11.2010

    Postdemokratie. Zu Genealogie und Poetologie des Postens

    TITEL-Kulturmagazin präsentiert bis zum Erscheinen des Bandes Statusmeldungen aus dem Blumenkamp Verlag am 15. November wöchentlich und exklusiv einen Essay. Den zweiten Teil bestreitet LINO WIRAG.

     

    »Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. [...] Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.«

    Was klingt, als hätte Frank Schirrmacher es erst gestern in die FAZ getippt, ist von niemand Toterem als Brecht, und das Medium, das hier so harsch abgekanzelt wird, kein anderes als der gute alte Radioapparat: Das kommendes Leitmedium der dreißiger Jahre war noch ein freundlicher brauner Kasten – wo heute leuchtende Rechtecke auf spätkapitalen Schreibtischen glimmen.

    Brecht hinterfragte das neue Medium Radio – mit einer ihm eigenen humorfreien Form der Ironie – als »vorsintflutliche Erfindung« und kam zu dem Schluss, dass das bourgeoise »Zufallsprodukt« Hörfunk dem Westen nichts Neues zu bieten habe, sondern nur Vorhandenes imitiere: Vorhandenes, das meinte damals die vorherrschende Schrift- und Debattenkultur, die sich im Radio, zugestanden, sicher höchst unlebendig ausnahm.

    Heute hat der »Mann«, der bei Brecht noch nichts zu sagen hatte, kein Problem mehr, »Zuhörer« oder -schauer auf der anderen Seite seines Interfaces zu finden; nur wollen die – ganz wie die Zuhörer bei Brecht – partout nicht einsehen, dass ihnen da einer was bzw. nichts zu sagen habe, sondern selber jemand sein. Auch dafür hatte Brecht einen Vorschlag, der Sascha Lobo sicher gefallen hätte: »Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln«, in dem der Zuhörer nicht nur brav reinhören, sondern auch seinen Kopfinhalt reinsprechen darf und soll, »ein ungeheures Kanalsystem« schwebte Brecht da vor.

    Das Radio hat sich Brechts guten Wünschen leider nicht gebeugt, vom Äther ist das Einschläfernde geblieben, und was das »Kanalhafte« betrifft, so leitet der Rundfunk des 21. Jahrhunderts immerhin ununterscheidbar akustische Abwässer in die Ohren einer offenbar ständig breiter werdenden Masse. Falsches Thema. Dabei ist meine kleine Genealogie des sozialen Netzwerks noch nicht am Ende.

    In den Sechzigern packte nämlich auch Enzensberger seinen Baukasten zu einer Theorie der Medien aus, mit dessen Hilfe er Brecht kongenial zurechthämmerte. Hans Magnus erfand die »Bewusstseins-Industrie«, die mit der Ausbreitung der elektronischen Medien zum »Schrittmacher der sozio-ökonomischen Entwicklung spätindustrieller Gesellschaften« geworden war – sozialistische Tönung und Frankfurter Einschlag inklusive. Diese Enzensbergersche Bewusstseinsindustrie erweiterte einerseits die kommunikativen Möglichkeiten der Gesellschaft, implementierte aber auch immer mehr »Steuerungs- und Kontrollfunktionen«, denen sich der Rezipient unreflektiert anpasste – ähnlich wie er sich der bereits hinreichend sezierten »Kulturindustrie« an die Brüste geworfen hatte. Und auch Enzensberger wusste: Die moderne Technik kennt »keinen prinzipiellen Gegensatz von Sender und Empfänger« – man halte sich vor Augen, dass diese Worte 1960 geschrieben wurden, als die meisten Heils- und Innovationsverkünder des kurrenten Web 2.0 noch nicht einmal geboren waren.

    Von einem »repressiven Mediengebrauch«, der die Senderfunktion unterdrückt, und den Enzensberger noch am Fernsehen bequengeln durfte, kann im Internet nicht mehr die Rede sein. In sozialen Netzwerken wie Facebook lebt man seine digitale Beteiligung und Tribalisierung inzwischen ungehemmt aus, vor allem durch Meinungsäußerungen in Form von sogenannten Postings oder Posts: Jeder darf, also soll auch jeder, so lautet das Motto dieser – sehr frei nach Colin Crouch – »Post-Demokratie«.

    »Die neuen Medien sind ihrer Struktur nach egalitär«, konzedierte weiland Enzensberger und nahm damit das soziale Netzwerk vorweg, in dem sich verschiedene Gesellschaftsschichten und -klassen plötzlich auf der gleichen Ebene wiederfinden: zwar nicht zur Face-to-Face-Kommunikation vereint, aber immerhin zur Facebook-to-Facebook-Kommunikation[1].

     

    Synapsen auf der digitalen Hirnhaut

    Mit den digital-sozial-globalen Netzwerken schien plötzlich Flussers – von ihm als »revolutionär« gepriesene – telematische Gesellschaft Wirklichkeit geworden zu sein, eine Gesellschaft, in der Dialoge (= Posts) ständig Informationen (= mehr Posts) erzeugen, und deshalb – bedingt durch die entstehende Informationsflut (= noch mehr Posts) – die alten, papiernen Diskurse und Autoritäten zerbrechen. Das tausendjährige digitale Reich aber würde sich, so hoffte zumindest Flusser, aufgrund seiner Netzstruktur selbst steuern und kybernetisch austarieren. Er sprach nicht umsonst von einem »kosmischen Hirn«. Auch McLuhan führte das »technische Gehirn für die Welt« im Mund, bestehend aus einer Art Hirnhaut, die sich als »elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus« gelegt hatte, und bei Kittler war das »Wissen als Endlosschleife« eine Art selbstgenügsames Zerebrum.

    Facebook ist so ein Hirn, die User die Synapsen, jedes Posting ein einzelnes Neurobit, das zwischen ihnen hin und her geschossen wird. Doch regieren die Steuerungsmechanismen noch etwas anderes als sich selbst, oder treibt das Hirn längst in einer Schale mit Nährflüssigkeit? Und vor allem: Wozu diese Herleitung?

    Ich habe sie gebraucht, um das einzelne Posting in seinem Gesamtzusammenhang untersuchen zu können, als eine Art Lexem stellt es die kleinste bedeutungstragende Einheit im Zerebralkonnex des sozialen Netzwerks dar. Ich möchte im Folgenden zeigen, wie sich das Posten – aus meiner eigenen poetologischen Perspektive und Praxis – als widerständige Produktionsform innerhalb des Masterbrains Facebook (und, eine Ebene höher, des gesamten Internets) entfalten lässt. Genauso, wie ein Mensch seinen Selbstmord denken, das Gehirn seine Selbstabschaffung erwägen kann, lässt sich die digitale Welt durch poetische Miniaturverfahren im Kleinsten hintertreiben, befragen, dekonstruieren. Wenn Sprache mit Sapir-Whorf unser Denken formt, dann formen auch noch die winzigsten Postingsplitter, die in ständigem Wechselverhältnis mit der sie umgebenden Digitalhirnmasse stehen, die Struktur des sozialen Netzwerks. Deshalb gilt es, das Posting als Kunstform zu lesen und zu denken, um dem Internet zu etwas zu verhelfen, dessen Fehlen oft beklagt wird: Mehrdimensionalität, und das meint auch: ästhetische Durchbildung.

    Ich bin kein Anhänger von Ogburns »cultural lag«, der beklagt, dass Gesellschaften mit ihrem eigenen Fortschritt nicht mithalten können und sich damit jede Menge Probleme aufhalsen – ich glaube aber, dass die starke Ansaugkraft der modernen Medien mit ihrer stets angestrebten, am besten polysensuellen Vollimmersion unser kritisches Bewusstsein schwächt; und wir zumindest gut beraten sind, dagegen immer wieder neue Distanzierungspraktiken zu entwickeln. Und ein bisschen – ich gebe es zu – werde ich auch von der »Angst« angetrieben, von der Adorno schreibt, der Angst »vor dem Amorphen unter dem Netz, mit welchem die Gesellschaft die ganze Natur übersponnen hat«: Das digitale Netz auch als Hexenkessel, in dem die Ursuppe des Dumpfen und Brutalen blubbert und west, und die nur mit kritischer Distanz und mäeutischer Geduld und Tugendhaftigkeit auszulöffeln ist.

    Wer jetzt einwendet: Wenn unser Denken tatsächlich so whorfsch von unserem Mediengebrauch bestimmt sei – unser »medientechnisches Apriori«, mit Kittler –, wie hier behauptet wird, dann könne man auch keine validen Aussagen über das Medium machen; den verweise ich darauf, dass ich dann eben nur punktuell-subjektive Aussagen mache – denn ich gehe ja mit dem Medium um, es spuckt mich weder aus noch verstrickt es mich in autopoetische Höllenkreise; kurz: Ich stehe zu ihm in einem Zusammenhang, über den ich reden kann.

     

    Zeichenpraxis des Sozialen

    Ein wenig Facebook-Semiologie: Das Internet ist der paradigmatische Ort der Zeichenverwirrung. Die freiwillig-unfreiwilligen Teilhaber an der Generation Sozialnetzwerk teilen die Fähigkeit und Eigenschaft, ihr Leben grundsätzlich zu ästhetisieren, zu narrativieren, genauer: in ein zeichenhaftes Verhältnis zu sich selbst zu treten. Das Ich ist weder eine Illusion noch ein Anderer – das Ich sitzt gemütlich zu Hause vorm Computer und schafft sich seine Vita, die formbar ist und dehnbar und vom Ich zu Hause auch so empfunden wird. Als Maschinensymbionten sind die modernen Sozialnetzwerker unter vierzig daran gewöhnt, Dutzende kleiner Abbilder ihrer Selbst zu erschaffen: der Netznutzer als Präzedenzfall multipler Schizophrenie. Mir geht es dabei weniger um Rollenspiele mit der eigenen Identität[2], sondern um die zeichentheoretische Unmöglichkeit, digitales und reales Sozialbild in Deckung zu bringen.

    Die kleinen Repräsentanten und Selbstsignifikanten in den sozialen Netzen geraten nämlich nolens volens ins semiotische Schillern: Benutzerbild und -name bedeuten nicht mehr den Benutzer dahinter, geben ihn nicht mehr in seiner Gesamt- und Echtheit wieder, sondern werden im besten Fall zu einem Ikon, das zur Person dahinter in einem Abbildverhältnis steht – zum Beispiel, indem ein Passfoto als Benutzerbild hochgeladen wird. Das Ikon handelt und spricht so ähnlich, wie man es von der echten Person kennt, aber es ist natürlich nicht der Mensch selbst, der hier agiert, sondern nur sein Zeichen dafür. In jedem Fall sind die Informationen, die das soziale Netzwerk erreichen, bereits selektiert; und sei es nur, weil das Facebook-Interface bestimmten Darstellungskonventionen folgt.

    Diese ikonische Repräsentanz ist unter den Nutzern am häufigsten anzutreffen, wobei das biografische Ich in den meisten Fällen versucht, sein digitales Ich attraktiver zu überformen, als es in Wirklichkeit ist, kurz: sich in ein möglichst günstiges Licht zu rücken[3]. Diese Selektion und Ästhetisierung des Umgangs miteinander wird in meiner Poetologie des Postings als Kunstform (s.u.) lediglich zu Ende gedacht.

    Im zweithäufigsten Fall wird der digitale Nutzer zu einem Index des echten, der Facebook-Account zeigt nur noch unverbunden auf einen Menschen aus Fleisch und Blut, der dahinter agiert – so bei Benutzern, die sich mit künstlichem Namen und verfremdetem Bild in Sozialnetzwerken aufhalten. Im seltensten Fall wird die Netzperson sogar zu einem Symbol, das für etwas steht, das überhaupt nicht existiert, sondern nur konstruiert, geklaut oder entlehnt ist – so ist beispielsweise ein virtueller »Jürgen Habermas« bei Facebook angemeldet, mit dem man sich auch anfreunden kann; eine Art Philosophenzombie, der – so zumindest meine Annahme – mit dem Menschen, auf den er verweist, nichts mehr zu tun hat.

    Zeichen und Bedeutung, biografische Person und digitale Figuration, werden entkoppelt oder zumindest auseinanderbewegt, geraten ins Flackern; das soziale Netzwerk selektiert und lässt die Signifikanz damit permanent in der Schwebe. Wir schillern und sehen uns beim Schillern zu; und alle versuchen, aus den flackernden Informationen, die das Netzwerk preisgibt, die biografische Person, ihre Bewegungen und Ideologien – die wahre Bedeutung – zu rekonstruieren: Deshalb tauchen auch in den Facebook-Threads häufig Nachfragen, Mutmaßungen, Deutungsversuche etc. auf. Doch wir wissen nie, ob die Zeichen vielleicht trügen, das digitale Ich bleibt unrettbar, der Autor eines Postings ist – unter Umständen – schon tot.

    Diese beweglichen Signifikantenströme sind die Hoffnung und die Zukunft des Netzes, sie bleiben ambig, lassen es zu, sich der Kontrolle zu entziehen[4] und nicht festgelegt zu werden. Die Grenzen zwischen Fictionpost und Factionpost verschwimmen, das Reale bricht ein in die Zeichenpraxis des Imaginierten, des Doppelt-und-Dreifach-Codierten.

    Facebook ist eines dieser Zeichenspiele, so komplex, dynamisch und attraktiv, dass StudiVZ daneben inzwischen wie ein Sammelalbum für Fußballbildchen aus den fünfziger Jahren wirkt. Die User verlangen sogar nach der Möglichkeit, ihre Umgebung ästhetisch zu arrangieren, und weil sie sich bei StudiVZ nicht mehr so komplex wiederfanden, wie sie sich darstellen wollten, wechselten sie die Fronten.

     

    Facebook als ästhetisch-soziale Praxis

    Die Minimalform der Gestaltung im digitalen Raum ist, wie erwähnt, das Posting[5]. Hier setzt meine Theorie der ästhetischen Zurichtung des Digitalen ein. Als kleinstes Lexem teilt das Posting die Uneindeutigkeit seiner Referenz mit den übergeordneten Diskursen (Gruppenzugehörigkeit, Freundschaften, Nutzerbild, private Informationen etc.); besonders, wenn es ästhetisch überformt wird.

    Ich nenne Facebook eine ästhetisch-soziale Praxis.

    Ich nenne Posten eine literarische Praxis.

    Postings oder Beiträge in sozialen Netzwerken erfüllen nicht nur die Funktionen des sozialen Miteinanders, dienen nicht nur einem tatsächlichen Gedanken-, Meinungs- und Informationsaustausch, sondern auch der ästhetischen Kommunikation.

    Ästhetischen Kommunikation geschieht hier vor allem, wie erwähnt, durch Selektion: Ich entschließe mich, nur bestimmte Ansichten, Informationen, Biografismen, Einfälle usw. in verschiedenen Codes an die Außenwelt weiterzugeben. Das fängt bei der Überlegung an, den Inhalt jeder »Glücksnuss« der Virtualität mitzuteilen, führt zu Fragen der Sprachwahl – so man mehr als eine Sprache beherrscht – und endet bei den Minidiskursen, die dort ausgetragen werden: Ein häufiger Diskurs lautet »Ich und mein Ego«, dicht gefolgt von »Was ich sehe« bzw. »Schau mal, was ich gefunden habe«. Jeder Diskurs hat dabei seine eigenen Regeln: Im Fundstück-Diskurs beispielsweise muss der Nutzer, wiederum durch Selektion, ausweisen, dass das präsentierte Artefakt nicht beliebig hergezeigt wird, sondern zusätzlich kontextualisiert und reflektiert wird, damit eine ästhetische Eigenleistung erkennbar wird[6].

    Mein Lieblingsdiskurs – um den es im Folgenden gehen soll – ist das, was ich das haikuistische Posting nennen möchte. Das Posting wird hier als lyrische Kürzestform geführt, eine Textkategorie, die irgendwo im terminologischen Gewurschstel zwischen Apercu, Aphorismus, Apophthegma, Sentenz und Pointe ihr hybrides Dasein führt. Roland Barthes hat immer wieder auf das Haiku als literarische Kategorie hingewiesen, die den westlichen Logozentrimus schwerelos eskamotiert. Der französische Kulturphilosoph hatte sich in das »Satori« des Zen-Buddhismus – das plötzliche, letztlich bedeutungsfreie Aufblitzen von Wahrheit – verliebt.

    Das haikuistische Posting muss verschiedene Bedingungen erfüllen. Es muss a) kurz, b) poetisch codiert, d.h. sprachlich verdichtet, entfremdet oder überstrukturiert und c) phatisch sein, aber nicht direkt an jemanden gerichtet. Für diese emergenzhafte Literaturform kennt auch die westliche Literaturgeschichte zahlreiche Beispiele, angefangen von den Reflexionen in Valérys Cahiers über die Splitter der romantischen Athenäumsfragmente bis hin zu Monika Rincks – digitaler –Sammelstelle für luzide lyrische Momente.

    Als reimlose, umbruchsfreie Form des Prosagedichts steht das haikuistische Posting dem Notat nahe, nur dass in ihm nicht primär – wie beispielsweise bei Peter Wehrli oder Francis Ponge – Beobachtungen der Außenwelt poetisch codiert oder kondensiert werden. Genausogut können Reflexionen, Irritationen, Fundstücke, Aphorismen gepostet werden: Jede Äußerung muss dabei für sich stehen können, für sich umkreist, berieben, hinterfragt, befühlt, aber nicht vollständig aufgelöst werden können. »Das Haiku ist nicht geschlossen«, heißt es bei Barthes, und genausowenig darf das haikuistische Posting geschlossen sein.

     

    Schweben oder Flirren

     Wie oben anhand des Verhältnisses zwischen Realperson und Benutzerfiguration ausgeführt, ist im digitalen Netzwerk dasjenige Zeichen plausibel und produktiv, das sich nicht eindeutig zuweisen lässt, das in der Schwebe bleibt[7]. Roland Barthes spricht hier – zumindest in meiner Erinnerung – von einem reizvollen »Flirren« des Signifikanten, der sich nicht mitteilen will, sondern sehr affirmativ präsent ist: eben einfach »da«. Ohnehin gilt es als Merkmal von Literarizität, wenn Bedeutung mehr suggeriert als postuliert wird, auf diese Weise das interesselose Wohlgefallen des Betrachters erregend.

    Das gute oder haikuistische Posting siedelt sich zwischen eindeutig deduzierbarer Bedeutung (»Draußen schneit’s.«) und dem kryptischen, letztlich leeren Zeichen (»ökja!dfjweoi«) an und muss darüber hinaus verschiedene Anschlussmöglichkeiten berücksichtigen: Das gute Posting soll nämlich sowohl a) den entfernten Facebook-Freund erreichen, der wenig bis nichts über die eigene Person und deren soziale Umstände weiß, als auch b) dem näheren Bekannten die klandestine Möglichkeit lassen, aus dem Posting einen geheimen Hintersinn herauszulesen, der anderen verborgen bleibt. c) Und alle dazwischen. Wir haben es mit einer sozial komplex verwobenen Form von Sprachspiel zu tun, das im Idealfall möglichst viel Anschlusskommunikation ermöglicht. Das gute Posting versucht, den Bedürfnissen verschiedener Menschen Rechnung zu tragen: Es muss höchst individuell sein[8] – und verallgemeinerbar zugleich. Ob das gute Posting außerhalb der eigenen Muttersprache vorkommen kann, ist fraglich.

    Zugleich hat der einzelne Beitrag so konzis zu sein wie prägnant. Für das gute oder haikuistische Posting gilt das gleiche wie für viele Formen des Schreibens: Das Gedrängte fördert das Auratische, erst in der Beschränkung der Form, der vorgegebenen Zeilenlänge, erweist sich der Meister der haikuistischen Führung. Das gute Posting ist eine Technik des literarischen Snapshots, wie sie beispielsweise der erwähnte Wehrli in strengen formalen Beschränkungen entwickelt hat, die an die Praktiken der französischen Oulipoisten erinnern. Die Grundregel seiner Notatkondensate lautete: nur ein Satz, nur eine Impression, dazu höchstens eine Reflexion, nie eine Wertung. Wehrli erreicht so eine Präzision, die man vielen Facebook-Praktikern ans Herz legen möchte. Katja Lange-Müller nennt solche Schreibverdichtungen »Brühwürfel«: ein Bild, das selbst brühwürfelhaft fasst, was es ausdrückt.

    So wie das gute Posting zwischen offensichtlicher Aussage und exklusiver Hermetik schwebt oder flackert, so ist auch die Metapher in der Lage, zwei Bedeutungen in sich aufzunehmen: Sie schillert, aber sie goethet auch. Vielleicht eignen sich gerade Metaphern – sprachliche Bilder überhaupt – für das gute Posting. Die Metaphorik als grundlegendes sprachkünstlerisches Verfahren, verschiedene Bedeutungen in der Schwebe zu halten, schafft darüber hinaus mühelos Anschlusskommunikation: Indem sie sowohl den hermeneutischen Impuls der Mitleser anregt, das literarische Bild zu deuten, als auch ihren Spieltrieb, das Bild neu zu erfinden und zu variieren.

    Genau wie Metaphern funktionieren auch Wortspiele, die wie literarische Tropen zwei Bildfelder in eine Analogiebeziehung setzen. Ein (zumindest mir) bekannter deutscher Hochschullehrer nutzt beispielsweise die Techniken des Paronomastischen, Portmanteauistischen und Polysemantischen ungewöhnlich intensiv, um via Facebook immer wieder neue, interruptive Bedeutungsinseln zu produzieren, die die Zeichenhaftigkeit des Zeichens grell aufscheinen lassen und wie das Barthesche »punctum« Löcher in die Netzhäute seiner Mitleser bohren, um deren ontische Verfasstheit bestürzend zu hinterfragen!

    Das gute Posting ist mehr als ein literarischer Zeitvertreib, es nimmt keine feste Form an, lässt sich nicht festschreiben, bleibt soziale Praxis – und ist deshalb auf Kommunikation angewiesen: Das Sprachspiel Facebook erzwingt notwendig die Fortschreibung des haikuistischen Postings[9]. Damit ist das gute Posting prinzipiell unabgeschlossen – wie es Barthes ja auch vom Haiku verlangt – und letztlich ungeformt. Es ist reiner Inhalt, phatisch, die Aufforderung zur produktiven Praxis. Richard Sennett hat ausgeführt, wie sich das »technische Verständnis« des Individuums entwickelt, indem es gezwungen ist, kreative Lösungen für Probleme zu finden, obwohl ihm nur »unvollkommene und unvollständige Werkzeuge« zur Verfügung stehen: Das Facebook-Interface stellt nur ein unvollständiges Handlungsrepertoire zur Verfügung und verlangt doch die Fortführung der Kommunikation. So trainiert der Mensch nach Sennett in ständiger Auseinandersetzung mit seiner Umwelt unaufhörlich »die Fähigkeiten des Reparierens und Improvisierens« und lässt auf diese Weise Kultur entstehen.

    Das Fortschreiben dessen, was ich das gute Posting nenne, ist partizipatorisches Sprachspiel, es gleicht dem »Ball«, von dem es bei Rilke so bescheuert heißt: »Du Runder, der das Warme aus zwei Händen / im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie / sein Eigenes; was in den Gegenständen / nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie« – und das »Warme«, von dem Rainer hier schreibt, dass es »in den Gegenständen nicht bleiben kann«, ist nicht weniger als die soziale Energie, mit der sich das Posting fortschreibt.

     

    Das Fortposten oder Postskriptum

    Dieses teilnehmende Sprachspiel möchte ich das Fortposten oder Postskriptum nennen, es lässt einen fluktuierenden Textteppich entstehen, ähnlich einem Rhizom. Das englische thread ist dabei nicht weniger als das Garn, aus dem der Text, das Gewebe, gesponnen wird. Ich nenne dabei das erste Posting, das den Initialreiz liefert, das Parapost. Das Fortposten hat eine paradigmatische Tendenz, insofern der Thread sich räumlich nach unten fortschreibt und ein Post das andere als Parapost ablöst (oder ablösen kann); darüber hinaus steht es aber in einer syntagmatischen Beziehung, indem die einzelnen Posten in einem kausalen Bezug zueinander verbleiben. Die Kunst des guten Fortpostens besteht darin, den Schwebezustand des Ursprungsposts möglichst lange zu halten und gleichzeitig eine Form selbsttätiger, unkontrollierbarer Bedeutungserzeugung in Gang zu setzen.

    Dabei lassen sich verschiedene Praktiken des Fortpostens unterscheiden, die ich in produktive, semiproduktive und unproduktive unterscheiden möchte.

    Zu den produktiven Praktiken zählen beispielsweise:

    – Das variierende Fortposten in der Tradition barocker Sprachspiele: Ein vorgegebenes Muster ist möglichst einfallsreich zu variieren, im Falle Facebook wird dabei das Parapost aufgenommen und in Permutationen, Pastichen und Parodien durchgespielt. In diesem poetisch-mimetischen Verfahren überprüft der einzelne Teilnehmer spielerisch, ob er die Regeln verstanden hat, nach denen das Parapost sich konstituiert.

    – Das vertierte Fortposten (von vertere = wenden): Das Postverfahren wird umgedreht, abgelenkt, in eine andere Richtung weitergeführt als vorauszusehen. Anders als beim zusammenhangslosen Fortposten (s.u.) schließt das vertierte Fortposten aber weiterhin an das gute Posting an und bietet so die Möglichkeit der Anschlusskommunikation.

    – Weitere Möglichkeiten des produktiven Postens: gemeinsam eine Geschichte entwickeln; eine Liste der Lieblingsspeisen anlegen; zusammentragen, was den Post-Teilnehmern aus dem Stehgreif zu Myanmar einfällt; Stadt/Land/Fluss spielen; cadavre exquis etc.[10]

     

    Zu den unproduktiven Weisen des Fortpostens zählen:

    – Das zusammenhangslose Fortposten wechselt plötzlich und unvorhersehbar das Thema und durchbricht damit den ästhetisch intakten, gegebenenfalls narrativen Zusammenhang des Fortpostens: Das Aufscheinen des Besonderen im guten Posting wird verunmöglicht, der thread wird verstopft, die Illusion zerstört.

    – Das banale Fortposten ist sofort und eindeutig decodierbar und damit uninteressant für den poetischen Möglichkeitssinn. Fast immer handelt es sich dabei um private und damit ent-auratisierte Mitteilungen. Solche Beiträge sind nichts anderes als post-mortal.

    – Das schwadronierende Fortposten nutzt den (knappen!) Diskursraum des Posts zu langen Exkursen und z.T. privatistischen Auslassungen, die unweigerlich ästhetisch verkümmern. Das schwadronierende Fortposten wird kryptomer, die einzelnen Bestandteile sind nicht mehr zu erkennen und zu trennen.

    – Das sabotierende Fortposten ist kein Fortposten im eigentlichen Sinn, sondern ein repressiver Akt: Via Facebook besteht die Möglichkeit, einzelne Beiträge (eigene oder fremde) zu löschen und damit den Diskursstrom umzulenken oder zu unterbrechen. Manchmal kann diese Technik aber auch produktiv gemacht werden, indem beispielsweise die Unabgeschlossenheit des threads, der immer weitere Sätze ansaugt, wiederhergestellt wird.

     

    Zu den semiproduktiven Weisen des Fortpostens zählen:

    – Das redundante Fortposten: Der gleiche Inhalt wird nochmals gepostet. Eine sehr selten angewandte Form des Fortpostens, die weder produktiv noch unproduktiv ist, da sie keinen neuen Beitrag liefert, sondern die Postbegierde in sich stillstellt – und doch bleibt ein Moment der Bewegung erkennbar, das der Reduplikation nämlich, die ja auch eine Fortschreibung darstellt.

    – Das kryptische Fortposten (auch: paradoxes Fortposten): der Versuch, den Schwebezustand des Posts durch einen besonders schwer zu entschlüsselnden Reiz zu halten. Das kryptische Fortposten kann in die Sackgasse führen – das Paradoxon zieht die Aufmerksamkeit zwar an, bleibt aber in sich gefangen, gewährleistet keine Fortführung.

    – Das verlinkte Fortposten ist vielleicht am schwersten zu beschreiben, da es über die sprachlich-quantifizierbare Praxis des Textpostens hinausweist und somit für den Analytiker kaum mehr einzuholen ist. Der Link setzt den Postdiskurs zwar fort, lenkt aber qua Hypersprung von der ursprünglichen Adressierung ab, erweitert die zu verarbeitende Datenmenge ins Komplexe und bringt damit ähnliche Probleme mit sich wie das schwadronierende Fortposten. Das Linkposten sprengt die paradigmatisch-syntagmatischen Bezüge des Threads, der Link schneidet den Postfaden durch, und nur selten gelinkt gelingt es ihm, seine Fremdargumente schlüssig in den bestehenden Zusammenhang zu integrieren. Dabei entfaltet sich gerade im Link die widerständige Macht des Netzes, vorgegebenen Lesarten nicht zu folgen, sondern sich seinen eigenen Tunnel durchs Rhizom zu bohren.

    Elemente können qua Link isoliert und von der kontingenten Gesamt- in die fokussierte Einzelschau überführt werden; in einem neuen Zusammenhang eingebunden, treten unter Umständen Lesarten zu Tage, die bislang übersehen wurden. Das verlinkte Zitat bleibt zwar rückgebunden an seinen Ursprung, wird aber durch eigene und fremde Kommentare mit neuen Kontexten angereichert und mit jedem neuen Posting aktualisiert. Die wilde Bedeutungsproduktion, die Lust am Hypertext setzt ein.

     

    Das Ziel all der post-demokratischen Praktiken aber muss lauten, den digitalen Umgang miteinander, unser Leben und Denken in sozialen Netzwerken, ästhetisch zu überformen. Durch widerständige Praktiken der Schillerns und Schwebens, durch haikuistische Postiertechniken, durch den antilinearen Einsatz von Zitaten werden die Oberflächen der Sprache aufgeraut, wird die Kommunikation wieder als Kommunikation sichtbar und beschreibbar.

    Am Ende dieser Entwicklung steht eine Lebenskunst, die sich mit den (damals utopischen) Projekten der romantischen Schule vergleichen lässt. Nur haben sich die Ausgangsbedingungen geändert: Erst im digitalen Zeitalter geraten die Schranken der sozialen Realität wirklich ins Wanken, kann ein ganzheitlich ästhetischer Umgang mit der Umwelt plausibel in Angriff genommen werden. Erst das Gehirn im Nährbottich hat die Chance, ungestört klüger zu werden, ohne dauernd die störenden Daten des echten Lebens verarbeiten zu müssen. Erst im virtuellen Raum können Bedeutungen beständig aktualisiert werden: Eine eigenständige ästhetische, vielleicht ästhetizistische Sphäre entsteht, die schillert, schillert, schillert.

     

    Lino Wirag Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen?
    15. April 2010 um 15:26

     

    Jens Crueger gefällt das.

     

    Anna Basener Ich hätte es getan, ich hätte dich mit Feigensenf garniert und mehr geliebt, als ein Mensch Milch je lieben kann, mehr als ein Baby es könnte.
    15. April 2010 um 18:30


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    [1] Jule Körbers Beitrag in diesem Buch beweist übrigens, dass hier unsauber argumentiert wird: Sehr wohl lassen sich soziale Klüfte und Antipathien auch in den digitalen Raum hinein verlängern.

    [2] Jan Fischer schreibt dazu in seinem Beitrag: »Auf keiner der aktuellen Social Network Sites wechselt jemand seine Identität« und hat damit recht, fasst den Zusammenhang aber nicht komplex genug.

    [3] Fischer spricht vom Umgang mit einem »Publikum, das […] beim Posten zuschaut, […] das unterhalten werden möchte«.

    [4] Darüber schreibt Juli Zeh bestimmt bald ein tolles Buch.

    [5] Ich behandele hier vor allem Textposts, weniger Video- oder Bildposts, obwohl sich viele Aussagen übertragen lassen.

    [6] Fischer diskutiert den Fundstück-Diskurs als Mittel einer »Selbstaufbereitung« bzw. »Ideengeschichte« seiner selbst.

    [7] Übrigens lassen sich hier interessante Parallelen zur Literaturtheorie der Romantischen Schule ziehen, die ja auch immer wollte, dass ihre Texte bedeuten, sich gleichzeitig selbst bedeuten und damit wieder aufheben.

    [8] Da Beiträge bei Facebook mit dem eigenen Namen beginnen, könnte man von einem »lyrischen Post-Ich« sprechen, das sich im haikuistischen Posting manifestiert.

    [9] Auch hier lässt Novalis’ »progressive Universalpoesie« schön grüßen.

    [10] Es wären auch eigene Post-Spiele zu entwickeln wie beispielsweise das Benutzerbild, das durch einen berühmten Doppelgänger ersetzt wird, oder die ausgewählte Buchseite, die der Nutzer zitiert.

     

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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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