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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 05:29

    Eine persönliche Collage zur "Engagierten Literatur"

    10.08.2009

    55 Maximen

    Aufgefordert, sich über die Frage zu äußern, ob es heute wieder einer „engagierten Literatur“ bedürfe, hat der in Berlin lebende Schriftsteller MICHAEL KLEEBERG 55 Maximen versammelt, die er vornehmlich den Schriften von ihm geschätzter Kollegen entnommen hat. Die Zitate in Rede und Widerrede schreiten den Raum aus, in dem Kleeberg seine Antwort sucht - im Lichte historischer Erfahrungen und Erkenntnisse.

     

    Die Aufgabe eines Schriftstellers ändert sich nicht. Er selbst mag sich ändern, aber seine Aufgabe bleibt dieselbe. Sie besteht immer darin, wahrhaftig zu schreiben und nachdem man herausgefunden hat, was wahr und was falsch ist, dies auf eine Weise zu projezieren, daß es zur eigenen Erfahrung des Lesers wird. Wirklich gute Schriftsteller bekommen den Lohn für ihre Arbeit innerhalb fast jedes politischen Systems, das sie tolerieren können. Es gibt nur eine Regierungsform, die keine guten Schriftsteller hervorzubringen vermag, und dieses System ist der Faschismus. Denn der Faschismus ist ein von Tyrannen verbreitetes Lügengebäude. Ein Schriftsteller, der nicht lügen will, kann unter dem Faschismus weder leben noch arbeiten.
    (Ernest Hemingway)

    Der Nationalist hat nicht nur nichts gegen die Schändlichkeiten, die von seiner Seite begangen werden, er hat vor allem eine bemerkenswerte Gabe, nichts von ihnen mitzubekommen.
    (George Orwell)


    Patriotismus ist im allgemeinen stärker als Klassenhaß und immer stärker als Internationalismus.
    (George Orwell)

    Die Rolle des Schriftstellers? So gut zu schreiben wie er kann. Mit freundlichen Grüßen.
    (Claude Simon)


    Der engagierte Schriftsteller ist der Schriftsteller, der sich im Zentrum der Ereignisse seiner Epoche bewegt. Für einen Menschen, der die Literatur zu seinem Metier gemacht hat, ist sie, und besonders die Prosa, ein Kampfmittel.
    (Jean-Paul Sartre)

    Ohne Pressefreiheit keine repräsentative Herrschaft.
    (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord)


    Jede Form von Orthodoxie ist schädlich für die Prosa und vor allem ruiniert sie den Roman, die anarchischste Form der Literatur.
    (George Orwell)

    Wenn man mich fragt, was ich habe sagen wollen, antworte ich, daß ich nicht etwas sagen wollte, sondern etwas machen wollte und daß es diese Absicht etwas machen zu wollen war, die gewollt hat, daß ich etwas gesagt habe.
    (Paul Valery)

    Das erste und letzte, was vom Genie gefordert wird, ist Wahrheitsliebe.
    (Johann-Wolfgang von Goethe)

    Es gibt eine Waffe, die noch schrecklicher ist als die üble Nachrede: die Wahrheit.
    (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord)


    Wer ist dir lieber: derjenige, der dir im Namen der Freiheit dein Brot wegnehmen will, oder derjenige, der dir deine Freiheit wegnehmen will, um dir dein tägliches Brot zu sichern? (Albert Camus)

    Alle großen Zeiten der Kultur sind politische Niedergangs-Zeiten: was groß ist im Sinn der Kultur, war unpolitisch, selbst antipolitisch.
    (Friedrich Nietzsche)


    Bei historischen Ereignissen sind die großen Männer nur die Signatur, die dem Ereignis den Namen geben.
    (Leo Tolstoi)

    In Zeiten universeller Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zu einem revolutionären Akt.
    (George Orwell)

    Für einen Schriftsteller ist der Besitz der „Wahrheit“ weniger wichtig als emotionale Ehrlichkeit.
    (George Orwell)

    Es sind immer die Moralisten, die das meiste Unheil anrichten.
    (Max Frisch)


    Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.
    (Friedrich Nietzsche)

    In der moralischen Entrüstung schwingt immer auch die Besorgnis mit, vielleicht etwas versäumt zu haben.
    (Jean Genet)


    Um zu überleben, ist es häufig nötig zu kämpfen, und beim Kämpfen macht man sich unweigerlich schmutzig.
    (George Orwell)

    Es ist schwer, jegliche Form von Blutvergießen, einschließlich des Krieges, mehr zu verachten, als ich es tue, aber noch schwerer ist es, meine Verachtung für die Verfaßtheit totalitärer Staaten zu übertreffen, in denen Massaker nichts sind als Verwaltungsdetails.
    (Vladimir Nabokov)


    Krieg ist ein Übel. Aber er ist häufig das geringere Übel.
    (George Orwell)

    Wahrscheinlich kann man vom Nichtwollen seelisch nicht leben, eine Sache nicht tun wollen, das ist auf die Dauer kein Lebensinhalt.
    (Thomas Mann)


    Der Schriftsteller behält den Staat kritisch im Blick wie ein Dompteur den Tiger und weiß doch, daß er sein Gegenüber nicht zu bändigen vermag.
    (Stefan Andres)

    Natürlich achte ich das Recht. Aber auch mit dem Recht darf man nicht so pingelig sein. (Konrad Adenauer)


    Wenn ich zwischen meiner Mutter und dem Gesetz zu wählen habe, dann wähle ich meine Mutter.
    (Albert Camus)

    Hochverrat ist eine Frage des Datums.
    (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord)


    Freiheit ist das Recht, den Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    (George Orwell)

    In der Kunst heiligt der Zweck die Mittel nicht, aber heilige Mittel können hier den Zweck heiligen.
    (Friedrich Nietzsche)


    Macht ist kein Mittel, sie ist ein Zweck. Man errichtet nicht eine Diktatur, um die Errungenschaften einer Revolution zu sichern, man macht eine Revolution, um eine Diktatur errichten zu können.
    (George Orwell)

    Jede Epoche entdeckt einen weiteren Aspekt der condition humaine, in jeder Epoche muß der Mensch seine Position beziehen: den anderen gegenüber, der Liebe, dem Tod, der Welt gegenüber.
    (Jean-Paul Sartre)


    Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen. (Friedrich Schiller)

    Ich habe immer für den jeweiligen Underdog Partei ergriffen.
    (Golo Mann)


    Es gibt Gedanken, die so falsch sind, daß nur intelligente Menschen sie glauben können. (George Orwell)

    Einem durchschnittlichen Menschen bedeutet die Liebe nichts anderes, als daß es einige Leute gibt, die er mehr liebt als andere.
    (George Orwell)


    Klarheit liegt nicht in der Form, sondern in der Liebe.
    (Leo Tolstoi)

    Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bild etwas, das in uns selber sitzt. Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf.
    (Hermann Hesse)

    Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist. Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit. Denn nur wenn man allein ist, ist man frei.
    (Arthur Schopenhauer)

    Fantasie haben, heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.
    (Thomas Mann)


    Die eigene Erfahrung hat der Vorteil vollkommener Gewißheit.
    (Arthur Schopenhauer)

    Der Schriftsteller kann sich seiner Bestimmung gemäß heute nicht in den Dienst derer stellen, die Geschichte machen. Er steht im Dienst derer, die sie erleiden.
    (Albert Camus)


    Ich kann Leuten vergeben, die nicht meiner Meinung sind, aber nicht solchen, die nicht einmal ihrer eigenen Meinung sind.
    (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord)

    Genauso wie bei der christlichen Religion sind seine Adepten die schlechteste Werbung für den Sozialismus.
    (George Orwell)


    Ich hasse den Staat, wenn er eine Kirche und die Kirche, wenn sie ein Staat werden will.
    (Ernest Hemingway)

    Alle modernen Revolutionen haben in einer Machtstärkung des Staates geendet.
    (Albert Camus)

    Die Revolution bedeutet, einen Menschen zu lieben, den es noch gar nicht gibt.
    (Albert Camus)

    Ethik kann so wenig zur Tugend verhelfen als eine vollständige Ästhetik lehren kann, Kunstwerke hervorzubringen.
    (Arthur Schopenhauer)


    Theorien sind gewöhnlich Übereilungen eines ungeduldigen Verstandes, der die Phänomene gern lossein möchte, und an ihrer Stelle deswegen Bilder, Begriffe, ja oft nur Worte einschiebt.
    (Johann Wolfgang von Goethe)

    Im großen und ganzen möchten die Menschen gut sein, aber auch wieder nicht zu gut, und nicht die ganze Zeit.
    (George Orwell)


    Erst wenn man aufhört, einen nahen, dem Verstand zugänglichen Zweck zu suchen, und zugibt, daß der Endzweck für den Menschen unfaßbar ist, kann man die Zweckmäßigkeit im Leben der weltgeschichtlichen Persönlichkeiten erkennen.
    (Leo Tolstoi)

    Ich bin Zeuge einer Revolution geworden, ich habe den Krieg in extrem mörderischen Umständen mitgemacht, ich wurde gefangengenommen, ich habe den Hunger kennengelernt und körperliche Arbeit bis zur völligen Erschöpfung, ich bin ausgebrochen, ich bin schwer krank gewesen, war mehrmals am Rand des Todes, gleich ob durch gewalttätige oder natürliche Umstände, ich habe die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt, Priester ebensogut wie Kirchenzerstörer, brave Bürger und Anarchisten, Philosophen und Analphabeten, ich habe das Brot mit Verbrechern geteilt und zuguterletzt bin ich ziemlich weit herumgekommen in der Welt, und trotz alledem habe ich noch immer, auch mit 72 Jahren noch nicht, den geringsten Sinn in alldem erkennen können, es sei denn, wie Barthes nach Shakespeare sagte, daß wenn die Welt irgendetwas bedeutet, dann, daß sie nichts bedeutet – außer daß sie IST. Wie man also sieht, habe ich, im Sartre’schen Wortsinne, NICHTS zu sagen. Im übrigen: Wäre mir je irgendeine wichtige Wahrheit in Sachen des Sozialen, des Historischen oder des Heiligen offenbart worden, dann wäre es mir lächerlich erschienen, mich, um sie darzustellen, einer erfundenen Fiktion zu bedienen, anstatt einen philosophischen, soziologischen oder theologischen Essay zu schreiben.
    (Claude Simon)


    Der metaphysische Durst ist auszuhalten.
    (Kurt Flasch)

    Ich suche nach keiner anderen Wissenschaft als der, welche von der Kenntnis meiner selbst handelt, welche mich lehrt, gut zu leben und gut zu sterben.
    (Michel de Montaigne)


    Das Schreiben bedeutet im besten Falle ein einsames Leben. Schriftstellerorganisationen lindern die Einsamkeit des Schriftstellers, aber ich bezweifle, daß sie seine Arbeit verbessern. Er wächst im öffentlichen Ansehen, indem er sich seiner Einsamkeit entledigt, und oft leidet seine Arbeit darunter. Denn die muß er alleine tun, und wenn er ein guter Schriftsteller ist, muß er jeden Tag der Ewigkeit ins Auge sehen, oder ihrer Abwesenheit.
    (Ernest Hemingway)

    Wenn Sie eine Vorstellung von der Zukunft haben wollen, dann denken Sie sich einfach einen Stiefel, der auf ein menschliches Antlitz tritt.
    (George Orwell)


    Nicht von euch ist die Rede, gar niemals, seid des nun getröstet, sondern von mir, von mir…
    (Thomas Mann)

    Zusammengestellt und teilweise übersetzt von

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


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