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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 05:28

    Veranstaltungstipps zur Buchmesse

    12.03.2009

    Ein Buchmesselogbuch - Teil 1: Vorschau auf Donnerstag und Freitag

    65.000 Quadratmeter, 2.135 Aussteller aus 38 Ländern und unzählige Lesungen auf "Europas größtem Lesefest" - da ist es nicht leicht, den Überblick zu bewahren. HEIKO ZIMMERMANN sieht sich für uns auf der Leipziger Buchmesse um und sagt Ihnen, welche Veranstaltungen sich lohnen - und um welche Sie besser einen großen Bogen machen sollten.

     

    Die Leipziger Buchmesse ist eine Show. Aber nicht nur Bücher werden in Szene gesetzt, sondern auch Autoren und ihre Verlage versuchen, sich dem Publikum zu verkaufen, versuchen, so sexy wie möglich zu sein.

    Aber ist man bereits dann sexy, wenn man überhaupt auf der Buchemesse vertreten ist? Ist man sexy, wenn die eigene Veranstaltung gut besucht ist? Ist man sexy, wenn sich die richtigen Leute für einen interessieren? Was macht man, wenn man gar nicht sexy ist, wenn der eigene Stand, die eigene Lesung nicht gezielt vom Publikum aufgesucht wird?

    In dem Fall muss man streuen, überall präsent sein, sodass die Messebesucher an einem nicht vorbeikommen. Genau das versuchen in diesem Jahr verschiedene Politiker. Dass Sarah Wagenknecht da ist, verwundert niemanden. Sie gehört fast schon zum Inventar der Buchmesse, so wie der Flötenspieler mit den gelben Lärmschutzkopfhörern, der übrigens mit zwei Flöten gleichzeitig im Mund mehrstimmig Bach spielen kann, das aber nur für interessierte Kinder samstags vor der Thomaskirche tut.

    Nein, auch Frank(-Walter) Steinmeier (SPD) ist dabei, Peter Sodann (Die Linke), Gesine Schwan (SPD), Roman Herzog (CDU), Hubertus Heil (SPD), Franz Müntefering (SPD), Christoph Matschie (SPD), Oswald Metzger (CDU), Peter Struck (SPD), Brigitte Zypries (SPD), Stanislaw Tillich (CDU), Wolfgang Tiefensee (SPD), Wolfgang Clement und Ottmar Schreiner (SPD)—um nur die bekanntesten Namen zu nennen. Ja, auch auf der Buchmesse merkt man, dass wir uns im Superwahljahr befinden. Da wird eben kräftig versucht, die jeweilige Ideologie zu streuen.Werden sich die Besucher von den Politikern, den Lobbyisten, den Verlagen, den Rundfunkanstalten, den Buchclubs, den Kirchen und Sekten, den Sütterlin-Förderern, den Handlinienlesern, den Vokabelkarteivertretern, von guten Autoren und guten Büchern locken lassen? Das werde ich im Selbstversuch in den nächsten Tagen herauszufinden versuchen. Aus diesem Kaftfeld von Verlockungen und Abstoßungen möchte ich, rein subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Gerechtigkeit, einige Veranstaltungen empfehlen, die besonders interessant sein könnten—oder auch besonders schrecklich.


    Tipps für den 12. März

    1) Literarische Zugfahrt

    Der erste Buchmessetag beginnt in der Tat, bevor die Tore auf dem Messegelände geöffnet werden und auch gar nicht in Leipzig. Das Stadtmagazin Zitty lädt Berliner Buchmessebesucher dazu ein, mit der Zitty-Leselounge anzureisen. Letztlich ist das der Interconnex, der aber mit Autoren ausgestattet ist. Auf der Fahrt nach Leipzig liest Susanne Heinrich aus „So, jetzt sind wir alle mal glücklich“ (DuMont). Auf der abendlichen Rückreise liest Jens Friebe aus „52 Wochenenden“ (Verbrecher Verlag). Da ist es echt schade, wenn man bereits in Leipzig ist und auch am Abend dableiben möchte.
    (12. März, 7.55 Uhr, Berlin Hauptbahnhof, Tickets: (030) 25 90 09 55)

    2) Vorstellung der Kandidaten

    Wer hat es letztes Jahr nicht gesehen, das Bild des Freudensprünge vollführenden Buchmessepreisgewinners Clemens Meyer? Ein paar Stunden vorher wurden die Nominierten in der Kategorie Belletristik in einem kurzen Gespräch vorgestellt. In einer Reihe also: Jenny Erpenbeck, Sherko Fatah, Feridun Zaimoglu, Ulrich Peltzer und Clemens Meyer. Letzterer hatte während des Gesprächs mit den anderen Kandidaten einen Ohrhörer im linken Ohr. Als er an der Reihe ist, klingelt sein Telefon. „Das ist mein Telefon, was hier klingelt. Mensch Monika! Ich hab doch gesagt, ich muss zur Buchmesse.“ (Der Auftritt auf Youtube).
    Im Folgenden putzt er die Qualitäten seiner Mitnominierten weg, bekommt und liest noch eine SMS und verstört vor allem Ulrich Peltzer, dem sein Podiumsnachbar am offensichtlichsten Unbehagen bereitet.

    Zur Verleihung des Preises um 16 Uhr werden auch in diesem Jahr die gesamte Presse sowie Amtspersonen in großer Zahl anwesend sein. Es wird sehr feierlich werden. Die Vorstellung der Kandidaten ist aber noch immer so etwas wie ein Geheimtipp. Eine gute Gelegenheit, sich mit den Kandidaten Wilhelm Genazino („Das Glück in glücksfernen Zeiten“, Hanser), Reinhard Jirgl („Die Stille“, Hanser), Daniel Kehlmann („Ruhm“, Rowohlt), Sibylle Lewitscharoff („Apostoloff“, Suhrkamp), Andreas Maier („Sanssouci“, Suhrkamp) und Julia Schoch („Mit der Geschwindigkeit des Sommers“, Piper) vertraut zu machen.
    (12. März, 11 Uhr – 12 Uhr, Leipzig-liest-Forum, Halle 4, Stand D111)



    Clemens Meyer bei der Vorstellung der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008


    3) Edo Popovi? und Clemens Meyer im Horns Erben

    Der Abend wird natürlich von der grandiosen Langen Leipziger Lesenacht dominiert. Wem das zu voll und zu viel ist, der kann etwas anderes probieren. In der alten Spirituosenmanufaktur Horns Erben in der Südvorstadt stellt Clemens Meyer den neuen Roman Edo Popovi?s vor. Schon allein wegen der Atmosphäre und des Bieres lohnenswert. Falls danach Musik spielt: Das Horns Erben ist sehr gut betanzbar.
    (12. März, 21 Uhr, Horns Erben, Arndtstraße 33, Abendkasse 5 ¤)

    FLOP: Schwanenmarathon

    Die ehemalige und zukünftige Kanzlerkandidatin Gesine Schwan absolviert am Donnerstag einen Marathon durch die Messehallen. Um 14.30 Uhr sitzt sie auf dem Blauen Sofa, um 15 Uhr (ich möchte wetten, dass sie sich verspäten wird) präsentiert sie ihr neues Buch „Woraus wir leben“ bei der Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft in Halle 2 (Stand G201), um 16 Uhr ist sie bereits wieder in der LVZ-Autoren-Arena in Halle 5 (Stand A100) und um 19 Uhr liest sie im Reichsgericht. Man wird sich einen Besuch sparen können. Es sei denn, man möchte die allmähliche Erschöpfung der Politikwissenschaftlerin beobachten oder versuchen, schneller als sie den jeweiligen Zielort zu erreichen.


    Tipps für den 13. März

    1) Junge Wilde

    Besonders schön an der Leipziger Buchmesse sind die Begegnungen mit Autoren. Bekannten Menschen dieser Art laufen viele Leser hinterher, um dann doch nur ein Lächeln und vielleicht eine Unterschrift ins mitgebrachte Buch zu bekommen. Viel interessanter ist es doch, weniger bekannte Autoren zu erleben, sich Werkstattberichte anzuhören, sich mit ihnen wirklich zu unterhalten. Dafür gibt es bei Leipzig liest verschiedene Gelegenheiten. Neben den Möglichkeiten, Studenten und Absolventen der hiesigen Schreibschule DLL zu sehen, ist auch das Literarische Colloquium auf der Messe. „Prosa Prognosen“ heißt die Lesung der Stipendiaten der Autorenwerkstatt Prosa 2008 der Berliner Einrichtung.
    (13. März, 14 Uhr, Glashallen-Forum, Glashalle, Magnolienallee)

    2) Sofasurfing

    Gegen 15.30 Uhr sollte man sich am Freitag an das Blaue Sofa in der Glashalle begeben. Da lesen und erzählen in einer Reihe vier ganz besondere Autoren. Den Anfang macht T. C. Boyle, der seinen neuen Roman „Die Frauen“ (Hanser) vorstellt. Boyle liebt Lesungen. Daher kann man wohl auch bei dieser dritten seiner knapp zehn Lesungen im Rahmen der Leipziger Buchmesse mit einer guten Show rechnen. Gefolgt wird Boyle direkt im Anschluss (16 Uhr) von Günter Grass mit seinem Wendetagebuch „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ (Steidl). Nach Bodo Kirchhoff (16.30 Uhr), der den Roman „Erinnerungen an meinen Porsche“ (Hoffmann und Campe) vorstellt, setzt sich um 17 Uhr der Autor der Kayankaya-Krimis Jakob Arjouni auf das blaue Sitzmöbel, um seine rasante Krimikomödie „Der heilige Eddy“ vorzustellen (Diogenes).

    3) Rugerup mit Musik

    Ein Geheimtipp für den Abend ist sicher die musikalische Lesung der Edition Rugerup. Der kleine, aus Schweden agierende Ein-Frau-Verlag ist für seine liebevoll edierten zweisprachigen Lyrikbände bekannt. Die Verlegerin Margitt Lehbert, die sich vor allem einen Namen als Übersetzerin des Australiers Les Murray gemacht hat, reist an dem Abend mit ihren Autoren und Übersetztern Thomas Kunst, Gabriel Rosenstock, Hans-Christian Oeser und Elmar Schenkel an. Als Musikalische Begleitung des Abends spielt das Akustik-Soul-Duo Jaara auf.
    (13. März, 20 Uhr, Galerie Kunst- und Bauschlosserei Artpa, Kantstraße 18)

    FLOP: Der schwarze Kanal

    Es gibt wohl im deutschen Fernsehen keine Sendung die das Leben so schwarz malt wie „WISO“. Der Moderator Michael Opoczynski ist auch auf der Buchmesse und tut das, was er wohl am besten kann: warnen und mahnen. „Die oder Ich“ ist der Titel seines Vortrages, in dem er erklärt, wie man sich gegen den Staat und die Wirtschaft wehren kann. Der Besucher sei davor gewarnt.
    (13. März, 15 Uhr – 15.30 Uhr, Sach- und Fachbuchforum, Halle 3, Stand H300)

    Mit Empfehlungen und Warnungen zu den Veranstaltungen am Samstag und Sonntag versorgt Sie Heiko Zimmermann am Samstag-Vormittag.

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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


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