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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 15:12

     

    Das Schaf im Wolfowitzpelz

    20.05.2007

    Das Schaf im Wolfowitzpelz


    Im Prinzip ist Wolfowitz für den Golfkrieg verantwortlich, zumindest ist er der Architekt des herrschenden Chaos im Irak. Und ein Architekt, der nur einen Scherbenhaufen hinterlässt, sollte eigentlich zumindest geteert und gefedert werden. Aber nicht so in Amerika, wo sie das Teeren und Federn eigentlich erfunden haben. 2005 degradierte man ihn dort einfach zum Weltbankchef, wo er binnen zweier Jahre vom Korruptionsbekämpfer zum internationalen Vetterleswirtschafter verkam...

     

    Dieses Gesicht und dieser Name – als hätte sich das ein angetrunkener Komödienschreiber ausgedacht! Und dazu diese schmierige BRISK-Haartolle, die man doch eher am Biertisch des Gasthauses Zur goldenen Wildsau erwartet hätte. Aber bei einem der mächtigsten Männern der Welt? Dem Weltbankpräsidenten? Also dem ziemlich ehemaligen... Gekrönt wird das Ganze von einer Nase, die glatt die hirnweiche NPD-Politelite auf die Idee bringen könnte, Rassenkunde wieder als Pflichtfach an Hauptschulen einzuführen - und natürlich die Jüdische Weltverschwörung des Kapitals.
    Was hat Präsident Bush über Paul Wolfowitz gesagt? Er habe ein Herz für die Armen dieser Welt gehabt, deswegen respektiere er diesen Mann. Übersetzt heißt das: Er war eine absolute Niete und dazu ein Sentimentalist äußerster Deklination! Und hätten Sie gedacht, dass seine Lebensgefährtin Shaha Riza auch zu den Hilfbedürftigen dieser Welt gehört, für die er so ein großese Herz hat? Die Ärmste musste mit etwas mehr als 130.000 $ auskommen! Das reicht ja kaum für eine Tube BRISK oder ein frisches Paar Socken für den Liebsten - aber dazu später.

    Warum hält man dem armen Wolfowitz überhaupt vor, dass er mit Geld nicht verantwortungsvoll umgehen kann? Klar erwartet man normalerweise an der Weltbankspitze einen Finanzexperten. Aber unser Paul ist Politologe. Von Geld keinen Schimmer. Also war es nicht seine Aufgabe, mit dem Instrument „Weltbank“ die soziale Gerechtigkeit auf der Welt zu verbessern, sondern Politik zu betreiben – und zwar amerikanische! Und jetzt hat der sich gedacht: Mensch, wenn ich schon Politik mache, dann aber richtig. Was gibt´s da Besseres, als einen Amerikaner, der mit einer Frau zusammenlebt, die libysch-saudische Wurzeln hat. Ein Zeichen des Friedens und des guten Willens ist das, Verständigung der Völker, Annäherung der Kulturen. Und so machte er Shaha Riza kurzerhand zur mächtigsten  Muslima der Welt. Was für eine Vision!
    Was Wolfowitz, unser noch nicht geschächtetes Polit-Schaf, allerdings übersehen hatte: Shaha Riza ist geschieden und eine engagierte Frauenrechtlerin. Und dass sie dazu noch mit einem Amerikaner jüdischer Abstammung zusammenlebt, der zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet war, macht sie für die islamischen Staaten nicht gerade zur optimalen Repräsentantin der dortigen Frauenwelt. Und so wurde die erhoffte Annäherung der Kulturen zu einem schmierigen Annäherungsversuch.

    Wissen Sie eigentlich wie der Vorgänger von Wolfowitz hieß? James D. Wolfensohn! Ganz erstaunlich nicht? Als ob das Rudel Weltbanktechnokraten ein nöti Alpha-Tier hätte. Und da haben wir ja schon den richtigen Nachfolger - sogar der Name taugt: Wolfgang Schäuble – das mobile Sondereinsatzkommando in Sachen unkonrollierte Autorität! Aber leider geht das nicht, denn traditionell muss ja ein Amerikaner ran. Ein Amerikaner? Und warum nicht gleich den Friedensnobelpreis? Sollte den nicht auch traditionell immer der amtierende amerikanische Präsident erhalten? Jaja, solche Fragen gehen einem da durch den Kopf. Die Amerikaner bekommen zwar nie den Nobelpreis, dafür aber immer den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Sind halt kluge Leute. So auch unser Wolfowitz. Seine Dissertation trug den Titel Nukleare Proliferation im Nahen Osten: Politik und Wirtschaft der nuklearen Wasserentsalzung.

    Also zunächst Proliferation bedeutet die Weitergabe von Nuklearwaffen an Staaten, die noch keine haben. Sie erinnern sich noch: Petting statt Pershing! Das war nukleare Proliferation – allerdings im Nahen Westen. Der Untertitel seiner Doktorarbeit macht allerdings stutzig. Politik und Wirtschaft der nuklearen Wasserentsalzung? Hand aufs Herz, das klingt doch wie: Geostrategische Energiepolitik im Kaukasus: Lösungsansatz zur paritätischen Verteilung von Blutwurstgrieben auf frischem Graubrot, oder nicht? Aber um Karriere zu machen, musste man eben irgendwas mit "Atom" in der Doktorarbeit haben. Sonst galt man nicht als ganzer Kerl.

    Und Paul Wolfowitz machte Karriere. Mit atomgetriebenen Doktorarbeiten und markigen Sprüchen. Er setzte sich beispielsweise – ganz blökendes Polit-Großmaul – dafür ein, Schurkenstaaten zu bekämpfen, wenn nötig, mit Präventivschlägen, um den Einsatz oder die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen durch feindliche Staaten zu verhindern! Auf Disco-Deutsch heißt das etwa: Hör gut zu, Puppe, wenn du noch einmal mit dem Toni tanzt, dann amputier´ ich dem das Tanzbein? Das war übrigens genau die Zeit, als Rumsfeld auf die Idee zu dem herrlichen Satz kam: Wir müssen reagieren bevor etwas geschieht! Der Vater und Geburtshelfer dieser rhetorischen Missgeburt ist tatsächlich unser Paul.
    Aber das reichte ihm nicht. Am 26. Januar 1998 schrieb er mit siebzehn weiteren Unterzeichnern einen Brief an den Präsidenten Bill Clinton, in dem er einen gewaltsamen Regimewechsel im Irak forderte. Im Prinzip ist Wolfowitz also für den Golfkrieg verantwortlich, zumindest ist er der Architekt des ganzen Chaos im Irak. Und ein Architekt, der nur einen Scherbenhaufen hinterlässt, sollte eigentlich mindestens geteert und gefedert werden. Aber nicht so in Amerika, wo sie das Teeren und Federn erfunden haben. 2005 wurde er einfach zum Weltbankchef degradiert und dort innerhalb von zwei Jahren vom Korruptionsbekämpfer zum Vetterleswirtschafter – um biblisch zu sprechen: vom Paulus zum Saulus.
    Aber Paul Wolfowitz – so beschämt er nun auch von der Bühne der Weltpolitik abtritt – hat noch früh genug dafür gesorgt, dass sein Name unsterblich wird. Bei einem Türkeibesuch besuchte er eine Moschee. Dort zieht man bekanntlich die Schuhe aus. Das war der Augenblick, als Wolfowitz der staunenden Weltgemeinschaft tiefe Einblicke in seine innere Schafsnatur gewährte: Die bleichen O­nkel des reichen O­nkels aus Amerika lugten durch zwei prachtvolle Sockenlöcher hervor! Als Herr über Hunderte von Milliarden Dollar sich öffentlich noch derart bescheiden geben zu können... Du wirst uns fehlen, Paul. 

    Christoph Pollmann

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