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    Raoul Schrott: Die fünfte Welt

    14.05.2007


    Poetischer Weltenbummler

    Raoul Schrott bereiste für den Band Die fünfte Welt entlegenes Wüstenterrain.

     

    Dem österreichischen Schriftsteller Raoul Schrott ist nicht mit normalen Maßstäben beizukommen. Bei ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Wissenschaftler und Poet, und stets ist er auf der Suche nach unbekanntem Terrain, nach abenteuerlichen Herausforderungen – sowohl geografisch als auch sprachlich.

    Seinem neuen Band Die fünfte Welt liegt eine strapaziöse Reise in die Wüste zugrunde. Schrott begleitete eine wissenschaftliche Expedition in das Länderdreieck Tschad/Sudan/Libyen, wo eine Fläche von der Größe der Schweiz, ein bis dahin „weißer Fleck auf der Landkarte“, geologisch untersucht wurde.
    „Eine Projektionsfläche für all unsere Vorstellungen vom Anderen, jenseits unserer Grenzen.“ So beschrieb der 43-jährige Autor das Terrain fernab von jeder Zivilisation, wo man 70 Kilometer laufen muss, ehe man die nächste Wasserstelle erreicht. Poetische Beschreibungen der undomestizierten Natur und des archaischen Lebens mischt Schrott mit den gewonnenen Erkenntnissen der Wissenschaftler, die ihm lehren, in der Wüste Spuren des Wassers zu erkennen.

    Schrotts Faszination für die unendliche Weite der Sandberge bleibt dem Leser bei der Lektüre seltsam fremd. Es sind religiös-mythologische Motive, die den Autor (obwohl bekennender Atheist) umtreiben: „Die drei größten Weltreligionen kommen aus der Wüste, der jüdische Glaube, das Christentum, der Islam“, bekannte Schrott kürzlich in einem Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“.
    Gleichzeitig schildert er auch die bittere Armut an den Peripherien der drei bereisten Länder und macht für die schrecklichen Ausmaße eine verfehlte Entwicklungshilfepolitik und die uralten Kämpfe zwischen Nomaden und Sesshaften verantwortlich. Auch handfesten realen Gefahren sah er sich ausgesetzt, denn „die ums Überleben Kämpfenden sind die stolzesten und die aggressivsten Menschen, die ich je kennengelernt habe“.

    Die lyrisch-malerischen Wüstenbeschreibungen mischen sich häufig mit tiefgründigem Hinterfragen des eigenen Handelns und der eigenen sozialen Rolle: "Was ich über diese Landschaft weiß, ist so wenig wie über mich selbst; zwischen dem, was nicht mehr denkbar und dem, was nicht mehr begreifbar ist, scheint kaum noch ein Unterschied: die Stille des Abends gibt über nichts Auskunft außer über sich selbst."
    Da ist dann wieder die poetisch-philosophische Stimme des literarischen Weltenbummlers Raoul Schrott deutlich vernehmbar. Reisen und fremde Länder prägten schon früh sein Leben. Seine Kindheit verbrachte er in Landeck (Tirol) und in Tunis, sein Studium der Germanistik, Anglistik und Amerikanistik, das er 1988 mit einer Dissertation über den Dadaismus abschloss, absolvierte er auch an unterschiedlichen Orten: in Norwich, Berlin, Innsbruck und Paris. In der Seine-Metropole arbeitete Schrott überdies ein Jahr als Privatsekretär des französischen Philosophen Philippe Soupault. Eine der nächsten Stationen des „Dauer-Reisenden“ war Neapel, wo er als Lektor arbeitete.

    Eine singuläre Erscheinung

    Seine literarischen Arbeiten und wissenschaftlichen Studien betrieb Raoul Schrott seit Anfang der 90er-Jahre parallel. Unter dem Titel Rime veröffentlichte er 1991 beispielsweise Übersetzungen und Nachdichtungen der frühmittelalterlichen Texte des Herzogs von Aquitanien. Als er 1996 in Innsbruck seine Habilitationsschrift in Vergleichender Literaturwissenschaft vorlegte, hatte er bereits den Leonce-und-Lena-Preis und den Rauriser Literaturpreis erhalten.

    Sein literarisches Hauptwerk folgte 2003 mit dem umfangreichen Roman Tristan de Cunha, in dem vier Erzähler (typisch für Schrott) unvergleichlich präzise Landschaftsbeschreibungen liefern. Seine selbst gehegte Rolle als poeta doctus unterstrich Schrott 2005 noch einmal im leicht elitären Essayband Handbuch der Wolkenputzerei, der Preisreden und Auftragsarbeiten enthält.

    Als Lyriker, Romancier, Essayist, Übersetzer, Wissenschaftler und nicht zuletzt als philosophisch angehauchter Reiseschriftsteller ist Raoul Schrott, der im Südwesten Irlands lebt, eine singuläre Erscheinung in der jüngeren Generation.
    Sein nächstes Reiseziel steht auch schon fest: „Es geht nach Neuseeland zu den Kermadec Inseln und nach Westaustralien zu den ältesten Fossilien der Welt.“ Wahrscheinlich hält es Schrott mit Goethe, der einst im Wilhelm Meister schrieb: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“

    Peter Mohr


    Raoul Schrott: Die fünfte Welt. Fotos von Hans Jacobi. Haymon Verlag 2007. 128 Seiten. 17,90 Euro.

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