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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 28. Mai 2017 | 18:32

     

    Interkulturelles (2)

    06.04.2007

    Vor einiger Zeit berichtete Richard Garner, der „Education Editor“ des Londoner „Independent“ unter dem Titel „Muslim manifesto calls for headscarves in state schools“ von einem 72 Seiten starken Dokument des „Muslim Council of Britain“, das zum Ziel habe, die kulturellen Gräben zwischen den Schülern an staatlichen Schulen, die von 96% der Muslime besucht werden, zu überbrücken.

     

    Was der „Muslim Council“ fordert ist nicht gerade bescheiden: Schülerinnen soll es erlaubt sein, ein Kopftuch sowie Kleider, die nur gerade Hände und Gesicht freilassen, zu tragen. Schüler, die sich einen Bart wachsen lassen, sollen ebenfalls respektiert werden. Im Tanzunterricht solle auf gewisse Stile, die als „sexually explicit“ angesehen werden könnten, verzichtet werden. Der Beitrag der islamischen Zivilisation zur europäischen Geschichte sei im Unterricht zu berücksichtigen. Das Küchenpersonal sei so auszubilden, damit auch Halal-Speisen („reine Speisen“ gemäss den islamischen Vorschriften) zubereitet werden könnten. Vorkehrungen sollten getroffen werden, um den muslimischen Schülern gemeinsames Beten zu ermöglichen. Während des Ramadan solle auf exzessiven Sport verzichtet werden. Und nicht zuletzt: vom gemeinsamem Duschen solle abgesehen werden (gemeint ist wohl nach dem gemeinsamen Sport – denn in Britannien wird gemeinsames Duschen wohl kaum Schulfach sein).

    Professor Tim Brighouse, ein ehemaliger Regierungsberater und heute „Commisioner“ der Londoner Schulen, begrüsste die Forderungen, doch Sprecher der Schuldirektoren warnten vor einem „backlash“. Mick Brookes, der Generalsekretär der nationalen Schuldirektoren Vereinigung, sagte: "Some of this sounds un-doable... Schools are trying to create societies within their walls which are tolerant and celebratory. I just worry that the list of demands - if it is a list of demands - is too much, that it will simply create a backlash."

    „Too much“? Das ist nicht nur „too much“, das ist absurd, vollkommen absurd. In was für Welten leben solche Leute bloss? Ich meine in erster Linie die Mitglieder des „Muslim Council“, ich meine aber auch Professor Tim Brighouse, der solche Forderungen auch noch begrüsst und den Merkspruch „Der Gast ist König“ etwas gar eigenwillig interpretiert.

    Ich explodierte fast als ich diese Forderungen zum ersten Mal las. Und schrie laut (innerlich) auf: „Ja, spinnen denn die eigentlich, die sollen doch wieder zurück, wo sie herkommen, was wollen die überhaupt hier?“ Die Tatsache, dass ich kein Brite bin und mich das Ganze so recht eigentlich gar nicht berühren müsste, liess ich dabei völlig ausser Acht. Und auch, dass ich ja überhaupt nicht wusste, ob die alle zugewandert oder im Königreich geboren und/oder aufgewachsen waren, nein, das spielte überhaupt keine Rolle, denn da waren nur Reflexe und mich streifte kurz der Gedanke, dass ich mit solchen Emotionen glatt der Schweizerischen Volkspartei beitreten könnte. Die und wir, was für ein Quatsch. Mit den meisten Schweizern kann ich doch gar nicht. Und die mit mir auch nicht. Was sollen solche simplen Zuteilungen also?

    Andrerseits, ohne Vereinfachungen ist interkulturelles Kommunizieren eben auch wieder nicht möglich. Ich muss doch „Die Amis“ oder „Die Franzosen“ sagen können, auch wenn ich weiss, dass es sie als homogene Gruppe gar nicht gibt. Und ohne „Die Muslime“ oder „Die Christen“, die es alle in einem Topf genauso wenig gibt, geht es eben auch nicht.

    Vor Jahren auf der Patpong, Bangkoks Reeperbahn, wo alles, doch vor allem Sex und Alkohol, feilgeboten werden, habe ich ein Schild gesehen, auf dem stand (jedenfalls erinnere ich es so): ‚Liebe Muslime, wir respektieren Euren Glauben. Wir glauben, das hier ist nichts für Euch.’
    Genauso deutlich, dabei bestimmt und höflich, gehören die Forderungen des „Muslim Council of Britain“ zurückgewiesen. Nicht nur von den britischen Behörden, sondern von allen, denen die Trennung von Religion und Staat ein Fortschritt bedeutet.

    Hans Durrer

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