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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 05:27

     

    Museum und Zeitgenossenschaft

    12.11.2006

    Veranstalten wir ein Gedankenexperiment: Ein Mal im Jahr zeigen die Kinos der Stadt und ein paar zusätzliche Leinwände Höhepunkte der Filmproduktion der vergangenen Saison. Eine Kolumne von Thomas Rothschild.

     

    Ansonsten, zwölf Monate lang, bekommen wir vorwiegend „Panzerkreuzer Potemkin“ zu sehen und „Citizen Kane“, „Die Kinder des Olymp“ und „Das Cabinet des Doktor Caligari“, „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ und „Die Regenschirme von Cherbourg“, „Letztes Jahr in Marienbad“ und „Wilde Erdbeeren“, „Jules und Jim“ und „Außer Atem“, „Key Largo“ und „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“, „Die Ewigkeit und ein Tag“ und „Alice in den Städten“.

    Was belegt dieser scheinbar absurde Gedanke? Dass mit der Filmkunst anders umgegangen wird als, zum Beispiel, mit der Musik. Während im Konzert- und Opernalltag die aktuelle Produktion Ausnahme bleibt, oft als ungeliebte Provokation zwischen zwei lang bewährte „Klassiker“ geschmuggelt wird, besitzt sie im Kino ein Monopol. Nun mag man einwenden, dass auch ein Bach und ein Beethoven, ein Schubert und ein Bartók jedes Mal „neu“ sind, wenn sie von anderen Musikern, anderen Dirigenten interpretiert werden, während ein Film, ist er erst einmal abgedreht, bei jeder Aufführung gleich bleibt. Aber für junge Menschen, die niemals Gelegenheit hatten, die genannten Filme (jedenfalls auf der großen Kinoleinwand) zu sehen, sind diese ebenso neu wie für das Publikum einst im Jahr ihrer Entstehung.Komponisten sind darauf angewiesen, dass ihre Werke nicht nur als Partituren bei Verlagen verstauben, sondern zu Gehör gebracht werden. Das spricht für einen größeren Anteil zeitgenössischer Musik im Repertoire, wie auch Theater gegenüber lebenden Dramatikern eine kulturelle Verpflichtung haben, ihre Stücke zu inszenieren. Aber Kino ohne Geschichte, Aktualität ohne Gedächtnis beraubt die Gegenwart ihrer Bezüge. Ein Kinobesucher, der die Filmgeschichte nicht kennt, ist so „dumm“ wie ein Besucher des World New Music Festivals, der niemals Schönberg, Schostakowitsch oder Ligeti gehört hat.

    Museum oder Zeitgenossenschaft, Zugänglichkeit von Geschichte, von Erinnerung und Ermöglichung von Gegenwart: das ist keine Alternative. Das eine schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil: das eine bleibt ohne das andere ein Fragment. Das gilt für den Film ebenso wie für die Musik, für das Theater ebenso wie für die Literatur, für die bildende Kunst ebenso wie für den Tanz. Ein Festival, bei dem man „Neue Musik“ hören oder Stummfilme besichtigen kann, mag für zwei Wochen darüber hinwegtäuschen. Kultur, die diesen Namen verdient, findet das ganze Jahr statt.

    Thomas Rothschild

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