TITEL kulturmagazin
Mittwoch, 29. März 2017 | 22:53

 

Wenn der Schornsteinfeger kommt

14.05.2006

Deutschsprachige Prosa aus den Jahren 2003 bis 2006

(und gelegentlich – ein wenig... – davor)

 

(Wenn der Schornsteinfeger kommt ist die Fortsetzung des Aufsatzes
Berg- und Talfahrt. Deutschsprachige Prosa seit 1999 in drei Teilen.)

Drei Tage in Folge habe ich keine Briefe oder Bücher im Kasten. Sogar der gestrige 10. Mai vergeht (ein von mir vor vielen Jahren nach der Lektüre von Johann Wolfgang Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers bestimmter persönlicher literarischer Festtag. In der Faksimile-Wiedergabe des Erstdrucks von 1774 lese ich am 10. Mai 1771: Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich denen süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße... Nicht ‚Seele‘ schreibt Werther, sondern: ganze Seele! Und gleich noch einmal: von ganzem Herzen! Ja, meine Damen und Herren, das ist die volle Dröhnung – und zwar ganz ohne irgendwelche synthetischen oder sonstigen Aufputschmittel, sondern reine Natur erlebend: das Wimmeln der kleinen Welt...), ja, auch der 10. Mai vergeht, ohne daß ich einen Umschlag aufreißen, eine Büchersendung öffnen darf. Dazu seit Tagen Regenwetter – das dem im letzten Sommer so arg mitgenommenen Gras im Garten guttut, mir allerdings weniger. Heute ist der 11. Mai 2004, und alles ist anders. Ich habe wunderbar geschlafen, meine Frau zieht um Viertel vor neun die Rolladen hoch, durch die ich bereits erahnte, daß das Wetter sich zum Besseren geändert hat. Und tatsächlich, die Sonne scheint, kein Wölkchen am Himmel. Um halb zehn, das Frühstück ist soeben beendet, klingelt es. Die Kombination von Klingel und Uhrzeit läßt mich zusammenzucken: Der Postbote, denke ich, innerlich jubilierend, die Durststrecke ist – endlich – vorüber, drei Tage in Folge keine Post, das hat es seit mindestens 10 Jahren nicht gegeben (wenn Werner Kraft einmal keine Post im Kasten hatte, ging er vorsichtshalber später noch einmal zum einige Meter vom Haus entfernten Kasten, um zu prüfen, ob er nicht doch etwas übersehen hatte...), alles eine Folge der E-Mails und des ganzen Internetquarks, aber meine Frau meint lakonisch (sie hat den Endorphinschub natürlich nicht bemerkt, ahnt nicht, wie schmerzhaft ihre nüchtern dahergesprochenen Worte auf mich wirken): „Das ist der Schornsteinfeger!“ (Sie sagt nicht: Das wird oder könnte der Schornsteinfeger sein, nein, in der ihr eigenen Sicherheit benutzt sie unmißverständlich – und von mir aus beurteilt eiskalt – das Wort IST!) Jetzt, um zwanzig nach zehn, wird mir schlagartig klar, daß der Schornsteinfeger wahrhaftig das ist, wofür wir ihn alle halten wollen: der Glücksbringer schlechthin. Denn nachdem meine Frau den Schornsteinfeger bezahlt und zur Tür gebracht hat, reicht sie mir eine – Büchersendung! Sprachlos und dankbar nehme ich das Geschenk an und finde darin Max Goldts Tagebuchaufzeichnungen Wenn man einen weißen Anzug anhat. Weißer Anzug – Schornsteinfeger. Nun denn, liebes Schicksal, süßes Leben, besser geht’s kaum, danke.

Bevor Sie und ich uns nun auf den zweiten Abschnitt dieser kleinen prosaischen Literaturreise begeben, möchte ich Sie in eine poetische Stimmung versetzen und Sie bitten, das folgende Gedicht von Maximilian Zander aus dessen Gedichtband Antrobus’ Tagebuch (Edition YE, Sistig/Eifel 2004) gemeinsam mit mir zu lesen:

GEBRAUCHSINFORMATION

Es ist kein großer Unterschied,
ob Sie dieses Gedicht
oder ein anderes
im Stehen lesen
oder im Liegen,
im Licht einer Taschen-
oder Neonlampe
oder einer Kerze,
nachdem der böse Nachbar
gegangen oder die Freundin
gekommen ist,
zum Frühstück
oder zum Abendessen –
Aber alles hängt davon ab,
wie viele und welche
Gedichte Sie
vorher zu sich genommen haben.

Ich denke, ähnliches darf ich von Romanen und Erzählungen behaupten. Denn immer wieder stelle ich fest, wie die 3, 5 oder 7 Bücher, die ich vor dem aktuellen gelesen habe, meinem Lesefokus in die Quere kommen, sich einmischen, nörgeln, besser formulieren, stärkere Bilder finden oder mir gar eine Hand vor die Augen halten. Dann sage ich mir stets: Junge, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen – oder den einzigartigen Philip Roth mit dem unvergleichlichen Wilhelm Genazino, denn das bringt – außer Verwirrungen und schiefen Gedanken – nichts. Und wenn ich hier Bücher unter anderem auch bewerte, so ist dabei stets zu bedenken, in welchem Raum die Skala der Bewertung angesiedelt ist: weltweit, national oder regional...

Meine Frau schüttelt immer wieder den Kopf über mich als Kettenleser. Kaum habe ich ein Buch zu Ende gelesen, beginne ich das nächste, muß leider zugeben, daß ich das nächste oft schon bereitgelegt habe, damit die „Übergabe“ schnell und problemlos vonstatten gehen kann. Genausowenig wie ich das Kettenrauchen weiterempfehle, bilde ich mir aufs Kettenlesen etwas ein – im Gegenteil, ich wünschte, ich ließe wenigstens mal einen Tag, einen halben Tag, na ja, sagen wir zwei oder drei Stunden verstreichen... Die Masse des allzuschnell Vergessenen hat bei Kettenlesern derart deprimierende Nachwirkungen, daß ich mich hier nicht weiter darüber auslassen möchte, ansonsten ist womöglich gleich die nächste Depression fällig. ABER: Die wirklich guten Bücher, die vergißt auch der Kettenleser sein Lebtag nicht, und er sehnt sich Tag für Tag danach, sie wiederzulesen, was er – leider, leider – in den wenigsten Fällen bloß tut. Sie sehen, es gibt nicht nur Kettenraucher...

In den 90er Jahren des soeben vergangenen Jahrhunderts (in dem ich mich eigentlich immer noch befinde – ganz im Gegensatz zu dem herausragenden New Yorker Schriftsteller Paul Auster, der meinte, das 21. Jahrhundert hätte am 11. September 2001 begonnen. Was für ein Unsinn, Mr Auster: Am 1. Januar 2001 hat es begonnen – genau ein Jahr nachdem die Medien weltweit verbreiteten, das 21. Jahrhundert habe am 01.01.2000 begonnen. Alles nicht so einfach...) hat Max Goldt dem winzigen Mainzer Underground-Magazin Ventile Texte zur Verfügung gestellt, was deren Verkaufszahlen nur geringfügig erhöht, die Herausgeber aber mit geschwellter Brust an ihrem Stand bei der Mainzer Minipressenmesse stehen ließ. Vor ein paar Jahren äußerte sich Goldt über die bundesdeutschen Schlechtwetternörgeleien. (Worüber äußert er sich nicht?) Versteht der Mann was vom Wetter? (Darum geht’s ihm gar nicht.) Was weiß er von meiner inneren Befindlichkeit, wenn sich tagein tagaus nichts als graue Wolken zeigen? (Nichts!) Das einzige Wetterphänomen, das Goldt wirklich fürchtet, ist Glatteis. (Bitte lesen Sie in BERG- UND TALFAHRT nach, welche Erfahrungen ich mit Glatteis gemacht habe und welch ungünstigen Einfluß dieses auf mein gesamtes Dasein gehabt hat. Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Denkt Goldt, er hätte die Schattenseiten des Glatteises gepachtet???) Aber darüber hinaus ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der letzten Jahre auch ein richtig guter Schriftsteller! Nicht nur in Wenn man einen weißen Anzug anhat versteht er es erneut, die alte lateinische Forderung, der Dichter habe seine Leser mit seinen Texten gleichzeitig zu unterhalten und zu fördern, in zeitgenössische Formen und Worte umzusetzen. Satirisch, sprachkritisch, vor allem aber: gut gelaunt. Goldt schreibt über alles, was ihm vor die Federflinte kommt. Max Goldt müssen Sie nicht lesen, nein. Aber Sie sollten es (und werden es kaum bereuen)!

Bereits nach der Lektüre der ersten Seite von Thomas Braschs Buch Vor den Vätern sterben die Söhne – eine Art Vortext zu den 12 sich anschließenden Geschichten – wissen wir, wo es in diesen Erzählungen langgeht. Da wird das Leben schroff und knallhart skizziert, daß einem manchmal schwarz vor Augen werden möchte:

Zuerst spürte ich seinen Kopf, der stark auf meine Blase drückte, und einige Minuten später den Schwanz, der in meinem Mund wedelte. Ich wollte nicht darüber nachdenken, wie der Wolf in mich hineingekommen war und warum er verkehrt lag. Ich stieg in die Straßenbahn 63 und fuhr zum Krankenhaus Friedrichshain. Die blonde Pförtnerin wies mir sofort den Weg in den Operationssaal. Ich legte mich auf ein Holzbrett und wartete auf den Arzt. Der Arzt schnitt mir den Bauch bis zum Hals hin auf und sah auf den Wolf. Der Wolf lag sehr ruhig. Wenn wir den Wolf aus Ihnen herausnehmen, werden Sie sterben, sagte der Arzt. Ich stand auf und verließ den Operationsraum. Ich ging auf die Straße, und die Leute starrten auf meinen Bauch. Ich war nackt, und der Wolf begann wieder mit seinem Schwanz zu wedeln. Ich stieg den Berg herunter, an der Straßenbahnhaltestelle vorbei. Der Schriftsteller SEITEN trat auf mich zu und teilte mir mit, daß das Bild des Malers M. „Der Schlüssel“ aus der Ausstellung in Dresden entfernt und beschlagnahmt worden sei. Ich ging weiter den Berg hinunter, nachdem der Schriftsteller SEITEN sich mit erhobener geballter Faust verabschiedet hatte. Ich bog gleich in die Wilhelm-Pieck-Straße ein und ging auf das Haus Nr. 68 zu, in dem ich wohne.

Auf 135 Seiten (einschließlich des Nachworts von Katja Lange-Müller) entfaltet sich die alltäglich und individuell erlebte Innenwelt der Thomas-Brasch-Erzähler, die illusionslos, klaglos, kraß von den Heillosigkeiten unserer Tage handeln – national, politisch oder gesellschaftlich nicht einzuschränken auf ein Land, sondern exemplarisch als typische Erfahrung hier oder anderswo auf der Welt. Halt: unserer Tage? Die Erstausgabe des Erzählbandes Vor den Vätern sterben die Söhne erschien doch bereits 1977 im Berliner Rotbuch-Verlag! Ich bleibe dabei: unserer Tage – denn auch wer heute in sich hineinblickt, wird schnell den Fremdkörper „Wolf“ sichten, den er paradoxerweise zum Überleben braucht, wie uns Thomas Brasch lehrt. Das posthum erschienene Buch ist eine Hommage an einen Dichter, dessen markante Stimme nicht in Vergessenheit geraten soll. À la bonheur.

Vor mir liegt eine offenbar schon etliche Jahre alte Werbekarte des Hanser Verlags, die aus einem Gedichtbuch von Jorge Luis Borges fiel, das ich für einen Euro bei EBAY ersteigert habe: „Ich glaube, daß das Buch eine der Möglichkeiten des Glücks ist, die die Menschen haben.“ Ich lasse mir diesen Satz zum wiederholten Male schon auf der Zunge zergehen. Wie wahr, lieber Herr Borges, wie wahr! Doch da kommen mir auch schon wieder Zweifel: Wie wenigen Menschen wird dieses Glück denn heutzutage noch zuteil?! (Von der überwältigenden Mehrheit der Nichtleser will ich hier gar nicht reden!) (Immer weniger Menschen lesen immer mehr, wenn ich die Nachrichten zur Literatur richtig deute, die ich hier und da aufschnappe.) Und: Nicht jedes Buch ist eine Glücksache – im Gegenteil: Als ich mich vor ein paar Tagen einmal wieder für wenige Minuten in einem großstädtischen Buchsupermarkt aufhielt, wurde mir schlecht von all den Büchermassen. Sie wissen ja selbst, was da aufgestapelt wird. Sicherlich auch ein paar gute Bücher, aber in Wahrheit wird der eigentlichen Literatur hier der Kampf angesagt. Ich bin schnell wieder weggegangen...

Ein Buch wie Burkhard Spinnens Der Reservetorwart habe ich jedenfalls nicht gesehen. (Bücher von Schöffling und vergleichbaren Verlagen suche ich in der Mehrzahl aller Buchhandlungen von Hamburg über Köln nach München zumeist vergeblich. Titel aus den großen Verlage sowie der eine oder andere eher zufällige hereingewehte Titel aus einem kleineren Verlag: – das Bild eben, das das Feuilleton dem mittlerweile entweder ahnungs- oder machtlosen Buchverkäufer vermittelt. Die unüberschaubare Menge an billiger Unterhaltungs- und Schundliteratur nimmt ja ohnehin den ersten Platz in vielen Buchhandlungen ein. Die von Jürgen Kross in Mainz geführte Claudius-Buchhandlung ist eine der wenigen Buchhandlungen in Deutschland, die sich mit ihrem sehr guten Buchangebot abhebt von den Läden, die die seriöse Bezeichnung Buchhandlung kaum noch verdienen.) Burkhard Spinnen gehört seit nunmehr gut zehn Jahren zu den zuverlässigsten deutschsprachigen Erzählern, an die 10 Romane und Erzählbände hat er mittlerweile veröffentlicht. Der Reservetorwart versammelt auf 214 Seiten 24 Geschichten, deren Spannung und Unterhaltungswert eine lohnende Lektüre versprechen. Die verdächtig oft zwischen 40 und 50 Jahre alten männlichen Hauptfiguren geraten in zumeist in geschäftigen Städten oder deren Vororten angesiedelte Situationen; die jeweiligen Verwicklungen zeigen auf mehr oder weniger abenteuerliche Art und Weise – und in unerbittlicher Konsequenz – das Absurde, Groteske und Skurrile, das Menschsein bedeutet. Ich schüttle den Kopf, schmunzle, das Lächeln gerinnt, und ich frage mich wieder und wieder, wie ich das Leben überhaupt aushalte. Na ja, in diesem Augenblick erscheint mir die Antwort ganz einfach: siehe Borges und das Glück... (Allerdings war ich bei der Sendung LESEN!, in die ich eines Abends ungewollt hineingeriet, als ausgerechnet eine einstündige Sondersendung dieser unseligen Veranstaltung lief, nicht sehr glücklich: Elke Heidenreich kommt mir vor wie eine freie Mitarbeiterin der Buchsupermärkte, in denen ich denn auch Heidenreich-Büchertische finde, auf denen Bücher empfohlen werden, die Frau Heidenreich gar nicht gelesen hat. Wenn ich es nicht mit eigenen Ohren gehört hätte, ich würde es nicht glauben: Elke nimmt ein Buch zur Hand, z. B. von Henning Mankell, und mutmaßt, das das wohl eines der besten dieses Autors sei (womit sie leider daneben liegt), sie wisse es aber nicht, da sie es nicht gelesen habe, sie könne ja auch nicht alles lesen und sie sei eh nicht die große Krimileserin... Zwischendurch flicht sie zu meinem Erstaunen ein, daß sie Kafka komisch findet, was sie sich von ihrem in diesem Augenblick wie übertölpelt wirkenden graumelierten Gegenüber auch noch bestätigen läßt.

Zweimal pro Tag klingelt der Postmann bei Frau Heidenreich, um die Büchersendungen loszuwerden. Wo mag sie die Massen alle unterbringen? In ihrem kleinen Kopf jedenfalls nicht. Gehört sie auch zu den Kritikern, die die ungelesenen Bücher massenweise im Antiquariat für ein paar Euro verscherbeln? Immerhin, auf die Weise habe ich bei meinem Antiquar Peter Weber, der in der Nähe des Kölner Neumarkts seinen Laden führt, schon manches neuwertige Buch für einen Pappenstiel erwerben können. Wenn das kein Glück ist... ) Spinnens 24 Geschichten sind energiegeladene Teilchen, in ihnen steckt – so wie bereits der Einleitungssatz „Rönne, ein junger Arzt, der früher viel seziert hatte, fuhr durch Süddeutschland dem Norden zu“ die Tiefenstruktur von Gottfried Benns Erzählung GEHIRNE vermittelt – jeweils ein vollständiger Roman.

Während Burkhard Spinnen in seinen Geschichten einen betont geschmeidigen natürlichen Erzählduktus pflegt, setzt Jürgen Kross, dessen aufs Extremste verknappte Lyrik mir seit einigen Jahren stark auffällt, in dem schmalen Kurzprosaband Höllengut auf eine gleichsam geschliffene Kunstsprache, die – oft hypotaktisch – auf buchstäblich engstem Raum (jeweils wenigen Seiten bloß) Katastrophen beschwört. Auf tatsächlichen Ereignissen beruhend (wie der Autor im Vorwort hervorhebt), erleben wir Menschen in der Krise, in zumindest psychisch total ausweglosen Situationen. Bedrückend die morbide Atmosphäre dieser extrem verdichteten Kurzprosa, die ich als weiteres wesentliches literarisches Mosaiksteinchen in meiner Büchersammlung betrachte. Jürgen Kross ist ein Autor, der sich um Zeitgeist und Mainstream nicht schert, sondern weiter an seiner höchst individuellen Sprache feilt.

Mit Begeisterung habe ich Michael Mädes ersten Roman Spiel mit Maurice gelesen. Die filigran komponierte Geschichte hat mich gefesselt bis zur letzten der leider nur 154 Seiten. Ein außerordentlicher Plot – zwei Tage im Leben von 11 Personen im Berlin der 90er Jahre, deren Leben nach den von Maurice so klug ausgedachten, schließlich aber aus dem Ruder laufenden und sich überstürzenden Ereignissen entweder beendet oder nachhaltig verändert ist, wird von Michael Mäde literarisch erstklassig in die Tat umgesetzt – mit feinen Überraschungen und Wendungen und einigen Happy Eddings – neben den unhappy o­nes. Das Karge, das Episodische, das Verzichten auf Effekte – das hat Klasse. Nur an wenigen Stellen gefällt mir die Sprache nicht – da, wo der Satzbau unnötiger- und unpassenderweise barock wird, wo „geschraubt“ formuliert wird. Insgesamt liest sich die direkte und klare Sprache wunderbar: Hier wird schnörkellos erzählt. Ärgerlich sind die vielen kleinen Druckfehler, die sich regelmäßig eingeschlichen haben. So etwas muß nicht sein! Davon abgesehen, finde ich die Aufmachung des Romans (Umschlag, Papier, Druck) sympathisch. Dieser Geschichte, deren Aufhänger ein hervorragend ausbaldowerter Banküberfall ist, wünsche ich eine 2. (durchgesehene) Auflage und viele, viele Leser.

Marianne Glaßers Roman Tod an der Baustelle paßt in diesen Kontext: Als Kriminalroman in der Provinz angelegt, entpuppt sich auch diese präzis arrangierte und sensibel erzählte Geschichte als spannender und kritischer Zeitroman, der an der Oberfläche der Wirklichkeiten kratzt, um die typischerweise im verborgenen gedeihenden Aktivitäten in der Gesellschaft der Menschen freizulegen. Sprachlich hochsensibel! Jeder einzelne Charakter in diesem Buch spricht seine eigene Sprache, demonstriert seine typischen Macken. Ganz wie im richtigen Leben! So soll es sein, so ist es oft aber nicht...Philip Roth ist vielleicht der beste lebende Romanautor der USA, und sein Roman The Plot against America von 2004 bestätigt meinen Eindruck, den ich von diesem grandiosen Schriftsteller habe. Und da auch dieser Roth-Roman so stark, so umfangreich und gleichzeitig so extrem bedrückend ist (erzählt wird in einer Mischung aus fact and fiction die irre Geschichte des Jungen Philip Roth, der erlebt, wie der Isolationist und Nazi-Freund Charles A. Lindbergh zu Beginn der 40er Jahre Franklin D. Roosevelt verdrängt, Präsident der USA wird und die Mehrzahl der Juden in arge Bedrängnis bringt. Fast alle Bücher von Philip Roth gibt es natürlich in deutscher Übersetzung, Der menschliche Makel ist das wohl erfolgreichste.), erlaube ich mir, einen anderen (kurzen) Roman, der heute mit der Post kommt, zu lesen, bevor ich den amerikanischen Roman beende. Alles andere als ein Lückenbüßer also, der Roman Wundränder des Österreichers Sepp Mall, der auf 175 Seiten (gelesen zum größten Teil auf der sonnenbeschienenen sommerwarmen Terrasse am 23. März 2005, Schneeglöckchen und Krokusse (in deren Blüten Hummeln brummen) in den Beeten ringsum, die Vögel zwitschern, und ich kann es immer noch nicht fassen, daß der seit beinahe 20 Jahren strengste Winter mit heftigstem Schneefall hier in der Eifel tatsächlich vorüber sein soll...) die Geschichte zweier Jungen (und mehr!) erzählt, die in den 60er Jahren in Tirol aufwachsen. „Eine schöne Gegend, sagt er, alles so klar, so rein, und nickt, als sei die Welt hier nicht in Unordnung. Und Alex, der sich losreißt mit einem Gurgeln, vorausläuft, zurück ins Dunkel der Bäume.“ Generationskonflikte, politische Konflikte, Konflikte zwischen den Geschlechtern – illusionslos und lakonisch kommt diese traurige Geschichte daher, die „so klar, so rein“ von den Unordnungen in dieser Welt erzählt...

Von den Unordnungen in dieser Welt handeln ja – auch vordergründig bereits – die Kriminalromane, die ich (vorausgesetzt, sie sind literarisch komponiert) für wesentliche Zeitdokumente halte. Günther Butkus, Verleger des Bielefelder Pendragon Verlags, scheint ebenfalls ein Faible für dieses Genre zu haben, das von hochkulturell orientierten Lesern gern unterschätzt wird. Fred Breinersdorfer gehört zu den Besten seiner Art! Er ist der Erfinder des schnoddrig lebenden und ermittelnden Privatdetektivs Jean Abel und dessen Sekretärin Jane, die im vorliegenden Fall – wie Breinersdorfer selbst – zu Hochform auflaufen: In Das Biest laufen sich eine verwirrt wirkende junge Frau und der Richter Eduard Hablik („der ein wenig Schwierigkeiten mit Frauen hat“) über den Weg. Den Rest müssen Sie schon selber lesen, und ich bin mir sicher: Jeder Fan von echter Kriminalliteratur wird es nicht bereuen! D. B. Blettenbergs (preisgekrönter) Krimi Farang (ebenfalls bei Pendragon erschienen) – in Bangkok angesiedelt – ist reich an Action (und Sex), rasant geschrieben, aber nicht so ganz mein Ding. – Gaaaaaaaaaaanz anders dagegen die im schweizerischen orte-Verlag verlegten „Kriminalromane“ des Bündner Landwirts Jon Durschei (selbst wiederum leidenschaftlicher Leser der Kriminalromane Friedrich Glausers und Claude Simenons). Sein Verleger Werner Bucher „arbeitet mit dem Durschei zusammen, weil der als Bauer einen etwas klobigen Stil hat“ (O-Ton Bucher). Dieser ist trotzdem verdächtig ähnlich mit Werner Buchers eigener Art und Weise, auf Action gänzlich zu verzichten und vermittels des Bewußtseinsstroms bzw. der inneren Monologe der mehr oder weniger beteiligten Personen („Privatdetektiv“ ist übrigens in jedem der bislang 7 Durschei-Krimis der gewitzte Pater Ambrosius) die Morde aufzuklären und gleichzeitig den Geist (bzw. Ungeist) der Menschen und Landschaften in den ausgeklügelten Kriminalromanen Mord am Walensee, in Stein am Rhein, im Zürcher Oberland, in Luzern, auf der Meldegg, über Waldstatt oder in Mompé mit hypotaktischen Syntagmen festzuschreiben...

Vor einigen Tagen habe ich Thomas Krafts Buch Schwarz auf Weiß („ein Plädoyer für die Kraft, Originalität und Stärke zeitgenössischer deutscher Prosa“, wie es im Untertitel heißt) unmittelbar nach Erhalt „in einem Rutsch“ gelesen. Für solche Bücher unterbreche ich zumeist jede andere Lektüre – und sei sie noch so fesselnd. Lieblos? Unverständlich? Mag sein... Die Neugier ist eben nicht zu bändigen. Die im Untertitel so genannte „Werbeschrift“, die anhand exemplarisch ausgewählter Titel aus den letzten Jahren die typischen Themen und Formen neuer deutscher Prosa vorstellt, hat mich im Sturm erobert. Thomas Krafts antinörglerische Grundeinstellung, die in allen Kapiteln mehr als deutlich wird, spricht mich stark an – ganz im Gegensatz zum grundsätzlich nörglerischen Ton, den das deutsche Feuilleton in seinen Spalten anschlägt: „Warten auf die neue Deutschstunde“ titelt eine Kölner Zeitung, deren Niveau sich seit Jahren im Sturzflug befindet, um sich mit der von irgendwelchen Dummköpfen offenbar des öfteren laut ausgesprochenen Frage zu beschäftigen, wo denn der „große Wende- oder Wiedervereinigungsroman, nach dem besonders laut in den ersten Jahren nach dem Mauerfall gerufen wurde“ bleibe. Also, ich habe weder laut gerufen, noch warte ich auf diesen Roman. Was für eine armselige antiliterarische Grundhaltung. Große Literatur hat noch nie nach einem Thema gefragt. Ein großer Roman zeichnet sich aus durch eine herausragende Durchformung von Sprache und Struktur – welches Thema dabei gewählt wird, ist zweitrangig. Ich habe das Buch mit Freude und großem Interesse gelesen und dabei eine Fülle von Empfehlungen erhalten, denen ich nach und nach folgen werde. (Die erste Anschaffung ist Dieter Fortes Romantrilogie Das Haus auf meinen Schultern. (Ich lese über dieses Buch, das man es mit Die Blechtrommel von Günter Grass und Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiß vergleicht, zwei Büchern, die auf meiner persönlichen Bestenliste stehen.) Ich möchte Thomas Kraft für den Hinweis von ganzem Herzen danken. Dieter Forte erzählt die vor vielen hundert Jahren einsetzende Geschichte zweier Familien (aus Polen und Italien), die auf den verworrenen Wegen der meistens gewaltsamen europäischen Geschichte zueinander finden, um sich im Rheinland bzw. Ruhrgebiet dem nackten Wahnsinn der Nazizeit, des 2. Weltkriegs und der Zeit danach zu stellen. Ein gewaltiges Buch!) Die klare und suggestive Sprache lädt Sie dazu ein, sich an einen Tisch im Kaffeehaus zu (ver-)setzen, an dem Sie – bei einem Mokka oder Capuccino – mit dem Autor über zahlreiche Aspekte des Buches „plaudern“ und Standpunkte diskutieren. Bei vielen Passagen und Namen nicke ich bejahend, bei anderen will ich nicht begreifen, schüttle den Kopf und will den Autor – heftig gestikulierend – vom Gegenteil überzeugen. So wird Robert Gernhardt ein Status eingeräumt, den wir ihm nicht mehr einräumen dürfen. (Macht es Sinn, es je getan zu haben? Der Mann hat Popularität und eine Reihe guter (eingängiger) Gedichte geschrieben, nicht mehr und nicht weniger.) Gernhardt ist medial omnipräsent, hat seine gute Zeit als Schriftsteller aber hinter sich – wobei es geschmacklos ist, sein Werk zu verreißen, wie es Raddatz getan hat...

Was für ein herrlicher Austausch über Literatur! Schön ist bei der Lektüre natürlich auch das Déjà-vu-Erlebnis, wenn Sie einen angesprochenen Roman bereits gelesen haben und Ihre Leseeindrücke mit denen Thomas Krafts vergleichen können. Eine Empfehlungsliste mit ca. 40 Titeln am Ende rundet ein Buch ab, das ich allen Literaturlesern ans Herz legen möchte, denen die Hinweise, die Elke Heidenreich in ihrer Sendung anbietet, nicht reichen.

Ein zweites Buch, das in diesen Kontext der Literatur über Literatur gehört, darf ich abschließend anpreisen. (Ein drittes – Jochen Vogts Knapp vorbei –, das Texte zur Literatur des letzten Jahrhunderts enthält, eher nicht. Hier wird versucht, in lediglich 8 Kapiteln (die sich aus Vorträgen bzw. Essays aus den Jahren 1994 bis 2003 zusammensetzen) die Literatur des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum auszuleuchten. Selbst wenn ich einräume, daß ich den exemplarischen Ansatz schätze, kann ich dieses Buch nur als Schnellschuß verstehen, den der Verlag ausgelöst hat, um Erster zu sein bei dem Versuch, ein Jahrhundert zu bearbeiten und festzustellen, was übrigbleibt. Das kann in einem Buch von lediglich 188 Seiten nicht gelingen, zumal das Robert Gernhardt gewidmete letzte Kapitel ein Rohrkrepierer ist, der dieses sich u.a. mit Bertolt Brecht, Paul Celan, Anna Seghers, Hans Henny Jahnn (nicht immer zuverlässig) und Peter Weiß beschäftigende Werk am Ende regelrecht zerfetzt.) Hubert Winkels hat sich in Gute Zeichen auf nahezu 400 Seiten mit der deutschsprachigen Prosa der Jahre 1995 bis 2005 befaßt. Eingerahmt in erzählende Essays zum Literaturbetrieb (u.a. mit einer ausführlichen und gelungenen Würdigung der Pop-Literatur (Pop-Literatur heißt auch der 2003 erschienene Sonderband in der Reihe TEXT + KRITIK, der sich auf 328 Seiten – leidenschaftlich, engagiert, kenntnisreich – mit einem Phänomen beschäftigt, für dessen Aufkommen in deutschen Landen wohl in erster Linie der Name Rolf Dieter Brinkmann steht) stellt auch Winkels ausschließlich „exzellente“ Romane und Erzählungen aus den letzten 10 Jahren vor. Vielleicht ist die Überlegenheit der ewigen Nörgler – vorläufig wenigstens – vorbei? Interessant übrigens die sich ergebende geringe Schnittmenge, wenn ich Winkels’ und Krafts empfohlene Bücher mit denen in Berg- und Talfahrt sowie Wenn der Schornsteinfeger kommt vergleiche. Dies ist ein weiteres Indiz für die grenzenlose Weite deutschsprachiger Literaturlandschaft, von der Thomas Kraft ebenfalls meint, daß sie keinesfalls versteppt sei, sondern üppig gedeihe. Ein wahrhaft weites Feld, das wir in der deutschsprachigen Literatur zu beackern haben. Ackern wir also weiter!

Buchempfehlungen von A – Z

Zusammen mit den in Berg- und Talfahrt (2004) vorgestellten Titeln ergibt sich m/ein exemplarischer repräsentativer Querschnitt des zeitgenössischen deutschsprachigen Prosaschaffens der Jahre seit 1999 (mit einigen wenigen Ausflügen in die Literaturgeschichte und über die deutschsprachigen Grenzen hinaus). Die beiden Listen jeweils am Ende der Artikel umfassen dabei auch die Bücher, die mir ebenso gelungen erscheinen wie die vorgestellten, die ich aus Platz- und Zeitgründen nicht vorstelle.
·     Heinz Ludwig Arnold (Hg.), Pop-Literatur – SONDERBAND TEXT + KRITIK; 328 Seiten, Broschur; edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München 2003.
·     Roland Barthes, Das Rauschen der Sprache, Kritische Essays IV, 405 Seiten, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006.
·     Hans Bender, Wunschkost, Roman; 120 Seiten, Broschur; Neuausgabe des erstmals 1959 erschienenen Romans; Rimbaud Verlag; Aachen 2004. Wie gut, daß der RIMBAUD VERLAG sich entschlossen hat, eine Werkausgabe Hans Benders ins Programm zu nehmen, die die gesammelten Werke dieses 1919 geborenen Hochkaräters deutschsprachiger Literatur in einheitlich gestalteten Bänden zugänglich macht. In Wunschkost, dem 1959 erstmals erschienenen und in russischer Kriegsgefangenschaft spielenden Roman, leuchtet sie wieder – wie überall in seinen Geschichten und Gedichten – auf, diese unverwechselbare, bildhafte, klare, aufs Notwendige beschränkte, eindringliche Sprache meines verehrten Freundes Hans Bender.)
·     Detlef Berentzen, Warum Schlund lieber malen würde, Erzählung mit Bildern von Joern Schlund; 109 Seiten, Broschur; Pendragon Verlag, Bielefeld 2004.
·     Ulrich Bergmann, Arthurgeschichten, lyrische Prosa; 86 Seiten, Broschur, Pop, Ludwigsburg 2005.
·     Marcel Beyer, Vergeßt mich, Erzählung; 60 Seiten, kartoniert, Dumont, Köln 2006.
·     D. B. Blettenberg, Farang, Kriminalroman; 236 Seiten, Taschenbuch; Pendragon, Bielefeld 2004.
·     Thomas Brasch, Vor den Vätern sterben die Söhne, Prosa; 136 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002.
·     Fred Breinersdorfer, Das Biest. EIN FALL FÜR ABEL, Kriminalroman; 336 Seiten, Taschenbuch; Pendragon Verlag, Bielefeld 2004.
·     Rolf Dieter Brinkmann, Westwärts 1 & 2 – ERWEITERTE NEUAUSGABE; 360 Seiten, Klappenbroschur; Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005. „WESTWÄRTS 1 & 2? Das sind doch Gedichte! Jetzt geht Breuer aber zu weit!“ werden Sie vielleicht denken. Und Sie haben ja recht! Oder doch nicht? Die anläßlich des 30. Todestages von Rolf Dieter Brinkmann am 23. April 2005 – endlich! – veröffentlichte (von 188 auf 360 Seiten!) erweiterte Neuausgabe dieses lyrischen Vulkans Westwärts 1 & 2 ist – laut Rolf Dieter Brinkmann himself – mehr als „nur“ ein Lyrikband: „Es ist ein subjektives Buch, ohne Rücksicht auf die herrschenden Konventionen, und kann ebenso gut als ein zusammenhängendes Prosabuch, Gedichtbuch wie Essaybuch gelesen werden.“ Und Bilderbuch möchte ich hinzufügen – immerhin sind auch noch annähernd 100 Bilder bzw. Photomontagen wahrzunehmen. Für mich ist dieses Buch natürlich – komme, was da wolle – DAS Buch des Jahres 2005! Siehe auch das Brinkmann-Special MEIN ROLF DIETER BRINKMANN IST EINE FIKTION.)
·     Frank Bröker, Barwars. Eins bis vierzig, Cut-Up-Dokumentation; 112 Seiten, Broschur, Morgana Verlag, Leipzig 2006.
·     Werner Bucher, Die Wand, Roman; 156 Seiten, Broschur; Verlag Sauerländer, CH-Aarau 1978. Werner Bucher möge mir die Fußnoten, die er grundsätzlich nicht schätzt, in diesem Text nachsehen, auch die Tatsache, daß er nun selber zu einer geworden ist... Trotz (oder gerade wegen?!) der Tatsache, daß Die Wand bereits 1978 erschien, möchte ich auf diesen guten Roman aufmerksam machen. Denn mein Zugang zur Literatur ist nie geprägt gewesen von dem Willen, insbesondere und in erster Linie die schwerpunktmäßig jeweils im Frühjahr und Herbst publizierte aktuelle Literatur zur Kenntnis zu nehmen. Ich denke, der literarische Blick sollte überall hingehen, hinweg über Grenzen und zurück in alle Zeiten und Epochen. Der in Robert Walsers Welt lebende Bucher verfaßt mit seinen Romanen Zeitdokumente, die auch nach Jahren ihre Frische bewahrt haben, eine Frische (was sonst???), die offenbar den von Sistig über 50 Kilometer entfernten deutschen Zoll in Düren veranlaßte, eine umfangreiche Büchersendung aus dem appenzellischen Wolfhalden nach Sistig in die Eifel abzufangen und mir ziemliche Schwierigkeiten zu bereiten, in den Besitz derselben zu geraten. Doch das ist eine andere Geschichte...
·     Friedrich Christian Delius, Mein Jahr als Mörder, Roman; 302 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen; Verlag Rowohlt Berlin, Berlin 2004.
·     Rodica Draghincescu, Schreibenleben, Interviews mit 23 Schriftstellerinnen und Schriftstellern; aus dem Französischen von Silke Pflüger und Rüdiger Fischer, 322 Seiten, Broschur, Pop, Ludwigsburg 2005.
·     Tanja Dückers, Der längste Tag des Jahres, Roman; 213 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Aufbau-Verlag, Berlin 2006.Als Sylvia merkte, wie Jan immer erregter wurde und sich auf den Höhepunkt zubewegte, kam ihr der vergnüglich-boshafte Gedanke, ihn an der Schulter zu rütteln und zu sagen: Hör mal, mein Vater ist heute morgen gestorben. Ich kann das jetzt nicht! Das wirst du wohl verstehen!Der Gedanke, den sie vor zwei Minuten noch verworfen hatte, schien ihr jetzt so skurril, so böse, daß sie auflachen mußte, was Jan als Lustsignal interpretierte und zu schnelleren Stößen antrieb. Während er in ihr versank, lachte sie leise weiter.
·     Jon Durschei, Mord am Walensee, Kriminalroman; 255 Seiten, Broschur; orte-Verlag, CH-Zelg-Wolfhalden, 3. Auflage 2001.
·     Dieter Forte, Das Haus auf meinen Schultern, Roman-Trilogie; 864 Seiten, Taschenbuch; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2003.
·     Margot Ehrich, Ein Fenster in der Traurigkeit, Erzählungen; 114 Seiten, Broschur; Verlag Die Scheune, Dresden 2000.
·     Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit, Roman; 203 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Carl Hanser Verlag; München und Wien 2005.
·     M. Gilliland, die freien, Roman, aus dem Englischen von Ni Gudix; 208 Seiten, Broschur; Verlag KILLROY media, Asperg 2004.
·     Marianne Glaßer, Tod an der Baustelle, Roman; 170 Seiten, Broschur; Burg Verlag, Rehau 2004.
·     Heinrich Görl, Mondnacht – Drei Erzählungen; 208 Seiten, Broschur mit Schutzumschlag; Basilisken Presse, Marburg an der Lahn 2004.
·     Max Goldt, Der Krapfen auf dem Sims, Kolumnen; 189 Seiten, Taschenbuch; Rowohlt, Reinbek, 4. Auflage 2004.
·     Max Goldt, Ein Leben auf der Flucht vor der Koralle, Kolumnen; 160 Seiten, Taschenbuch; Rowohlt, Reinbek 2004.
·     Max Goldt, Für Nächte am offenen Fenster, Kolumnen; 512 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen; Rowohlt, Reinbek ²2004.
·     Max Goldt, Wenn man einen weißen Anzug anhat, Texte aus den Jahren 2001 und 2002, Aufzeichnungen; 160 Seiten, Taschenbuch; Rowohlt, Reinbek 2004.
·     Monika Helfer, Wenn der Bräutigam kommt, Roman; 125 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Piper Verlag, München 1998.
·     Stefan Heuer, Die Flügel der letzten Kastanie, Novelle; 138 Seiten, Broschur, Edition Thaleia, St. Ingbert 2006.
·     Nick Hornby, A Long Way Down, Roman; 257 Seiten, Taschenbuch, Penguins, London 2006.
·     Kurt Hutterli, Das Centovalli Brautgeschenk, Roman; 250 Seiten, Hardcover; Verlag im Waldgut, CH-Frauenfeld 2004.
·     Thomas Kraft, Schwarz auf weiß oder Warum die deutschsprachige Literatur besser ist als ihr Ruf. EINE WERBESCHRIFT; Essayband; 128 Seiten, Broschur; KOOKBOOKS Verlag, Idstein 2005.
·     Edlef Köppen, Heeresbericht, Roman; mit einem Nachwort von Jens Malte Fischer; 402 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004.
·     Dieter Krause, Desertieren oder der dreißigste Sinn, Novelle, 60 Seiten, Verlag Die Scheune, Dresden 2002.
·     Jürgen Kross, Höllenglut, Erzählungen; 86 Seiten, Broschur; Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. 2002.
·     Thor Kunkel, Endstufe, Roman; 590 Seiten, Hardcover; Eichborn, Frankfurt am Main 2004.„In letzter Minute haben der Rowohlt Verlag und sein Chef Alexander Fest Thor Kunkels Roman ENDSTUFE zurückgezogen. Das Buch handelt von Wissenschaftlern des SS-Hygieneinstituts, die ein Doppelleben als Pornofilm-Produzenten führen. Die so genannten Sachsenwald-Filme sollen im Ausland gegen Rohöl und Eisenerz eingetauscht worden sein.“ (Berliner Morgenpost, 04.02.2004) Lesen Sie unter http://morgenpost.berlin1.de/content/2004/02/04/feuilleton/657423.html?redirID nach, was Thor Kunkel als Autor im anschließenden Interview sagt. Ein großer Gewinn, sage ich als Leser, daß Eichborn diesen Glücksfall von Roman gebracht hat. Endstufe ist einer der herbsten, intensivsten, juckendsten, kapitalsten, liebevollsten, martialischsten, nazikritischsten, originellsten, packendsten Romane der letzten Jahre.
·     Hans Lebert, Die Wolfshaut, Roman; 632 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag, Europa, Wien ²1993. Hans Leberts Die Wolfshaut ist ein tiefschwarzes Buch, das ebenfalls von den (Nazi-)Nachtseiten des Lebens handelt. Die Geschichte spielt an 99 – verregneten (verschneiten) –Tagen von November 1952 bis Februar 1953 in einem österreichischen Dorf. Die Wolfshaut (1960 erstmals erschienen) ist ein Buch von überragender Ausdrucksstärke. (Dank an Herausgeber Jürgen Egyptien, der es mir schenkte!)
·     Thomas Lehr, Frühling, Novelle; 142 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Aufbau, Berlin 2001.
·     David Lodge, Author, Author, Roman; 389 Seiten, Taschenbuch, Penguins, London 2005.
·     Michael Mäde, Spiel mit Maurice, Roman; 154 Seiten, Broschur, Wiesenburg, Schweinfurt 2001.
·     Sepp Mall, Wundränder, Roman; 176 Seiten, Broschur; Haymon Verlag, Innsbruck 2004.
·     Ian McEwan, Saturday, Roman; 282 Seiten, Taschenbuch, Vintage, London 2006.
·     Annette Mingels, Die Liebe der Matrosen, Roman; 346 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen; DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2005.
·     Jean-Pierre Monnier, Die Helle der Nacht, Roman; übersetzt von Hans Rudolf Hilty, durchgesehen von Virgilio Masciadri; 144 Seiten, Hardcover; orte-Verlag, CH-Zelg-Wolfhalden 2004.
·     Stewart O’Nan, The Good Wife, Roman; 312 Seiten, Broschur, Picador, New York 2006.
·     Philip Roth, The Plot against America, Roman; 392 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Houghton Mifflin Company, Boston und New York 2004.
·     Norbert Scheuer, Kall, Eifel, Roman; 192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, C.H.Beck, München 2005.
·     Werner Spies, Duchamp starb in seinem Badezimmer an einem Lachanfall, Künstlerporträts; 188 Seiten, Broschur; EDITION AKZENTE; Carl Hanser Verlag, München und Wien 2005.
·     Burkhard Spinnen, Der Reservetorwart, Geschichten; 214 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen; Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2004.
·     Rudolf Stirn, Ein Telefongespräch mit Mapulski, Kurzprosa; 204 Seiten, Broschur; Alkyon Verlag, Weissach im Taunus 2004.In Ein Telefongespräch mit Mapulski dokumentiert Rudolf Stirn eindrücklich seinen raffinierten Sprachstil (der, wie wohl bei jedem guten Schriftsteller, mit seiner eigentümlichen Perzeptionsweise von Welt zusammenhängt). Wenige Wochen vor seinem viel zu frühen Tod im Jahre 2004 führte ich mein einziges (Telefon-)Gespräch mit Stirn, dem Schriftsteller und Verleger des ALKYON VERLAGS, aus dessen Verlagsprogramm ich in meinen lyrischen Essays so manches Buch empfohlen habe.
·     Uwe Tellkamp, Der Eisvogel, 318 Seiten, Broschur, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2006
·     Jochen Vogt, Knapp vorbei – ZUR LITERATUR DES LETZTEN JAHRHUNDERTS, Essays und Vorträge; 188 Seiten, Broschur; Wilhelm Fink Verlag, München 2004.
·     Martin Walser, Der Augenblick der Liebe, Roman; 254 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen; Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004.„Sie sehen, es muß nicht immer Martin Walser sein!“ heißt es in einer früheren Fußnote. Aber es darf Martin Walser sein, immer wieder gern: In Der Augenblick der Liebe vergeht Ihnen Hören und Sehen, wenn Sie Herrn Zürns denkwürdiges Schicksal verfolgen ...
·     Rainer Wedler, Die Heftigkeit der Himbeeren, Erzählungen, 233 Seiten, Broschur, Edition Thaleia, St. Ingbert 2006.
·     Rainer Wedler, Zwischenstation Algier, Roman; 85 Seiten, Broschur, Pop, Ludwigsburg 2005.
·     eje winter, hybride texte, prosastücke, 61 Seiten, Broschur, Pop, Ludwigsburg 2005.
·     Hubert Winkels, Gute Zeichen. DEUTSCHE LITERATUR 1995 – 2005, Rezensionen, Essays und Laudationes; 398 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005.
·     Christa Wolf, Ein Tag im Jahr. AUFZEICHNUNGEN AUS DEN JAHREN 1960 BIS 2000; 656 Seiten; Hardcover mir Schutzumschlag, Lesebändchen; Luchterhand Literaturverlag 2003.Für Werner Bucher hat der Begriff ‚Fußnote’ etwas Pejoratives – daß bei mir das Gegenteil der Fall ist, dürfte inzwischen mehr als deutlich geworden sein. Und so ist es alles andere als despektierlich zu verstehen, wenn ich in dieser letzten Fußnote auf ein Buch aufmerksam mache, das ich zu den gelungensten und lesenswertesten des noch jungen Jahrhunderts zähle. Ausgehend von der weltweiten Ausschreibung einer Moskauer Zeitung im Jahr 1960, Schriftsteller mögen den 27. September möglichst genau beschreiben (Thomas Brasch beispielsweise hat ein wunderbares Gedicht hierzu verfaßt), folgte Christa Wolf 40 Jahre lang diesem Aufruf, um Schritt für Schritt herauszufinden: „Wie kommt Leben zustande?“ Mit dieser Frage beginnt ein Buch, das dem Leser die Schriftstellerin Christa Wolf (Autorin vorzüglicher Romane wie Kassandra und Medea) in Ein Tag im Jahr wahrhaftig nahebringt.

Sistig/Eifel, 11. Mai 2004 – 13. April 2006

TITEL ist umgezogen!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

Vive Le Pop

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum der gelungenen Compilation-Reihe gibt es die 7. Ausgabe von Le Pop. Die Reihe für frankophone Musikliebhaber ist ...

Die Geschichte geht weiter

Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Nachgereichtes Wunder

Dank eines Deals der Künstlerin mit Domino Records bekommen nun auch hiesige Fans die Möglichkeit, dieses im Frühjahr erschienene ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Zum Ausklang

Hier schließt sich der Kreis
genießt sich (wer weiß)
läuft jedenfalls heiß
sein Leben als Preis

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

Vor den »Kindern des Olymp«

Ein Mann, eine Frau und ein Hund entfernen sich nach hinten in die öde Landschaft eines Hafens. Es sind Bilder wie dieses, die die Magie einer Filmkunst prägen, die nahezu ausgestorben ...

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

Die böse Schlange
und das weiße Kaninchen

In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Vom Leben gezeichnet

Der bei Avant erschienene Sammelband Lästermaul & Wohlstandskind beinhaltet die ersten 50 Episoden der ...

Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

Auf die gute alte Rock-n-Roll-Freundschaft

Will man Menschen, die noch nie einen Teil der Call-of-Duty-Reihe gespielt haben, das Spielerlebnis näher bringen, sollte man das Bild eines Menschen zeichnen, welcher von allen Seiten ...

Ein Geheimnis in einer Graskugel

Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter