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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 28. Mai 2017 | 18:34

     

    Tour de France spezial: Radsportbücher

    30.06.2005

    Vorbereitung auf die große Schleife

    Am 2. Juli beginnt im Department Vendée das bedeutendste Radrennen der Welt. Die Tour de France - inzwischen auch ein riesiges Medienspektakel - zieht nicht nur für drei Wochen rund um den Erdball eine gigantische Schar an TV-Zuschauern in ihren Bann, sondern ist auch zu einem nicht zu unterschätzenden Tourismusfaktor für das Nachbarland geworden.
    Radsportexperte Peter Mohr stellt neue Radsport-Bücher vor.

     

    Für alle Tour de France-Touristen ist nun ein informativer Reisebegleiter von Bürte Hoppe erschienen, kein Radsport-Fachbuch, aber dennoch ein absolutes Muss für das Reisegepäck. Die wichtigsten Tour-Orte sind anschaulich beschrieben, neuralgischen Punkten wie den berühmt-berüchtigten Bergen (von Mont Ventoux bis Galibier) sind größere Kapitel gewidmet, die auch bei Statistik-Freunden Begeisterung auslösen werden. Von den durchschnittlichen Steigungsprozenten bis zur exakten Länge der Passanfahrt wird alles geliefert. Priorität genießen dennoch die nützlichen Informationen rund um die Tour. Campingplätze, Sehenswürdigkeiten, regionale kulinarische Spezialitäten, versehen mit ausgesuchten Restaurantipps vom Industrierevier um Roubaix und Dünkirchen im Nordwesten bis in die Provence im tiefen Süden.

    Für dieses Kompendium im handlichen Taschenbuchformat ist überall Platz, selbst im Rucksack der Zweiradtouristen. Überdies kann es auch außerhalb des Tour-Monates Juli ein äußerst hilfreicher Wegbegleiter bei der Erkundung Frankreichs sein.

    Schwiegersohn als Partner

    Frankreichs Straßen - bevorzugt jene im Norden - liebte auch der Belgier Rik van Steenbergen, der vor zwei Jahren in Antwerpen gestorben ist und immer noch zu den populärsten belgischen Radsportlern zählt. Sein Landsmann Walter Rottiers, Mitarbeiter der deutschen Fachzeitungen "Radsport" und "Tour", hat ihm nun ein umfangreiches Portrait gewidmet. Van Steenbergen, 1924 im flämischen Arendonk geboren, war einer der großen Allrounder des Weltradsports. Obwohl er nie eine der großen Rundfahrten gewann (1951 wurde er Gesamtzweiter des Giro d'Italia), gehört er im Nachbarland zu den "Unsterblichen" seines Sports. 3 Weltmeistertitel (das schafften nach ihm nur noch Eddy Merckx und Oscar Freire), Siege bei den Klassikern Paris-Roubaix, Flandernrundfahrt, Fleche Wallone (je 2x) und Mailand-San Remo zieren seine Erfolgsliste. Im Gegensatz zu den heutigen Straßencracks seiner Klasse dauerte bei van Steenbergen die Rennsaison noch elf Monate im Jahr, denn der Flame war auch auf den verrauchten Winterbahnen der 6-Tage-Rennen zuhause, wo er sich 40mal den Siegerkranz umhängen lassen durfte. Am Ende seiner 23-jährigen Berufsfahrerkarriere hatte van Steenbergen bei den Sixdays einen jungen Dänen an seiner Seite - seinen Schwiegersohn Palle Lykke, der 1964 Riks zweitälteste Tochter Fanny geheiratet hatte.

    Der 62-jährige Autor Walter Rottiers, der 2004 das liebevoll zusammen getragene Buch über die berühmtesten flämischen Radsportcafés ("Treffpunkt Tresen") vorgelegt hatte, stimmt - trotz aller Bewunderung seinés Jugendidols - keine verklärende Jubelhymne auf van Steenbergen an. Unterschwellig übt er leichte Kritik an dessen Geschäftsgebaren bei der Aushandlung von 6-Tage-Verträgen. Niemals duldete der große Rik, dass ein anderer Fahrer nur annähernd so viel verdiente wie er. Van Steenbergen war vielleicht der erste Vollprofi seiner Zunft, der sich seines Stellenwertes bewusst war. Als er 1960 seinen Start in Berlin absagen musste, fiel das gesamte 6-Tage-Rennen aus.

    Der Bergfloh packt aus

    Weit weniger im Rampenlicht als van Steenbergen stand der Niederländer Peter Winnen, der zwischen 1981 und 1983 die Tour dreimal unter den Top fünf beendete. Das Leichtgewicht aus Venray in der Provinz Limburg war ein begnadeter Bergfahrer, doch zum großen Triumph fehlten dem rotblonden Kletterer die Zeitfahrkünste. Vor fünf Jahren sorgte Winnen für riesigen Wirbel, als er zusammen mit seinen Weggefährten Steven Rooks und Maarten Ducrot offen das Thema Doping ansprach. Zuviele mysteriöse Todesfälle hätte es gegeben (u.a. Winnens langjähriger Teamgefährte Bert Oosterbosch), begründete er seinen Gang in die Öffentlichkeit. Winnen, der als Intellektueller (mit abgeschlossenem Lehrerstudium) in der Szene immer ein Außenseiter war, klagte auch das beharrliche Schweigen seines einstigen Teamkapitäns Gerrie Knetemann an, der im niederländischen Verband als Nachwuchstrainer tätig war. Ironie des Schicksals: Im letzten Winter starb Knetemann, gerade 52 Jahre alt, an Herzversagen.

    Feingeist Peter Winnen, der bei der Tour de France oft Dostojewski-Romane im Gepäck hatte, gewährt mit seinem tagebuchartigen Band "Post aus Alpe d'Huez" einen intimen Einblick hinter die Kulissen der Szene. Der kleine "Poet" (er arbeitet an seinem ersten Roman), der sich als Sportkolumnist für große niederländische Zeitungen einen Namen gemacht hat, berichtet von einer finsteren Mischung aus Naivität und Skrupellosigkeit im Umgang mit Doping. "Een mens is niet gebouwd op een tour" (dt.: Ein Mensch ist nicht für die Tour gemacht) betitelte der dreimalige Gewinner von Tour-Königsetappen vor einigen Jahren eine seiner Kolumnen.

    Von den gefährlichen Amphetamin-Mixturen bis hin zum Beginn der EPO-Experimente hat der heute 47-jährige Peter Winnen die dunklen Seiten des Radsports mitgemacht. Viel Nachdenklichkeit ist bei ihm zurück geblieben, daran konnten auch seine zwei Etappensiege am "Berg der Holländer" in Alpe d'Huez nichts ändern. Dort, wo Jahr für Jahr Oranje die dominierende Farbe ist, feierte Winnen seine größten Erfolge, und zwei der insgesamt 21 Serpentinen von Bourg d'Oisans hinauf nach Alpe d'Huez tragen heute seinen Namen.

    Aufstieg und Fall eines Champions

    Dreizehn Jahre jünger als Winnen war der Mann, der diesen Anstieg bisher in der schnellsten Zeit bewältigte. Marco Pantani, der im Februar 2004 verstorbene Tour-Sieger von 1998, benötigte für die 13,8 km lange Steigung 37:35 Minuten - in jenem Jahr, als Jan Ullrich im gelben Trikot Paris erreichte.
    Der amerikanische Journalist John Wilcockson hat nun eine umfangreiche Biografie über "il pirata", wie Pantani wegen seines Kopftuches genannt wurde, vorgelegt. Ein Leben zwischen großen Erfolgen, schweren Stürzen (1995 bei Mailand-Turin), Rückschlägen, Neuanfängen und unbarmherzigen Medien.

    Von den Tifosi abgöttisch verehrt, weil er 33 Jahre nach Felice Gimondi wieder für einen italienischen Tour-Sieg gesorgt hatte, setzte sich das Fliegengewicht aus Cesenatico an der Adriaküste selbst erheblich unter Druck. Ein Jahr nach seinem Sieg bei der großen Schleife durch Frankreich begann Pantanis dramatischer Absturz ausgerechnet in seinem Heimatland. Zwei Tage vor dem Ende des Giro d'Italia wurde Pantani als Träger des maglia rosa (das rosa Trikot des in der Gesamtwertung führenden) disqualifiziert. Ein erhöhter Hämatokritwert ließ auf EPO-Missbrauch, auf das sogenannte Blutdoping, schließen. Zwar gewann er ein Jahr später bei der Tour noch zwei Bergetappen, aber Pantanis wurde immer häufiger im Zusammenhang mit einer italienischen "Dopingmafia" in Verbindung gebracht. "Elefantino", wie Pantani wegen seiner großen abstehenden Ohre auch genannt wurde, zerbrach am Misserfolg und am Nachlassen des öffentlichen Interesses, denn den Medienrummel hat er stets mit vollen Zügen genossen. 2003 begab sich der weltbeste Bergfahrer der 90er Jahre wegen anhaltender Depressionen zum ersten Mal in psychiatrische Behandlung. Das traurige Ende ist noch in Erinnerung. Alkohol und Drogen trieben den Champion in den frühen Tod. Auf den letzten Fotos war er kaum noch zu wiederzuerkennen, hatte fast 40 Kilo an Gewicht zugenommen. Eine bestürzende menschliche Tragödie, an der die Boulevardmedien (so steht zu befürchten) nicht ganz unbeteiligt waren.

    Die vorgestellten Bände "leben" auch von den eindrucksvollen Fotos. Die meisten "Schnappschüsse" steuerte Deutschlands bekanntester Radsportfotograf, der in Pulheim lebende Hennes Roth bei.

    Am ersten Juli-Wochenende geht das zum riesiegen Medien-Event avancierte Höllenspektakel in seine Neuauflage. Kommt es zum prognostizierten Zweikampf zwischen Armstrong und Ullrich? Werden neue Heroen "geboren"? Der Mythos lebt - und die Legenden werden fortgeschrieben.

    Peter Mohr

    (siehe auch www.petermohr.net und dort Sport/Radsport)


    Bürte Hoppe: Tour de France. Ein Reiseführer. Agon Sportverlag, 494 Seiten,

    Walter Rottiers: Rik van Steenbergen. Das As der Asse. Covadonga Verlag, 144 Seiten, 19,80 Seiten

    Peter Winnen: Post aus Alpe d'Huez. Covadonga Verlag, Bielefeld 2005, 303 Seiten, 14,80 Euro

    John Wilcockson: Marco Pantani. Die Geschichte eines tragischen Champions. Covadonga Verlag, Bielefeld 2005, 208 Seiten, 17,80 Euro

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