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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 15:11

     

    Theo Breuer: Deutschsprachige Prosa seit 1999 (Teil 1)

    21.02.2005

    Berg- und Talfahrt (Teil 1)

    Neue bzw. neu aufgelegte deutschsprachige Bücher aus den Jahren 1999 bis 2004.

    Das Beste vom Tage: nach dem Auskleiden, im Schlafrock, bei brennender Ofenlampe, Lektüre im Stuhl." (Thomas Mann)

    Zu Teil 2

     

    Gestern – Freitag, den 12. Dezember 2003 – war ein ziemlich miserabler Tag, der mir wieder einmal eindringlich vor Augen führte, wie kummervoll kompliziert meine im übrigen komfortable Existenz geworden ist, von wie vielen überflüssigen Kleinigkeiten ich mich abhängig gemacht habe im Verlauf eines demnächst 50jährigen Daseins. Seit über einer Woche versuche ich beispielsweise einen Videorecorder zu erwerben. In einem Elektro-Discounter in Kall, (1) der Markenartikel zu überaus günstigen Preisen anbietet, fragte ich den leicht übermotiviert, allerdings kompetent wirkenden, mich locker um einen Kopf überragenden Verkäufer (nachdem er mir bereits eine Mikro-Stereo-Anlage von Panasonic verkauft hatte), ob dieses Gerät, das für unglaubliche 89 Euro angeboten wurde, denn auch über VPS verfüge. (2) Mitleidig sah mir der gute Mann in die Augen, als sei ich von einem anderen Stern oder eine Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert, und die Frage erschien auch mir im selben Augenblick äußerst dümmlich. Fakt war aber dann, und das entdeckte ich etwa 30 Stunden später, als ich gegen Mitternacht (3) versuchte, den Apparat anzuschließen (was ohne weiteres gelang), dass eine VPS-Funktion nirgends zu entdecken war. Ein zermürbender Sonntag lag vor mir – denn solch Ungemach regle ich am liebsten umgehend, sogleich und auf der Stelle. Seit Montagnachmittag versuchte ich nun an ein Gerät mit VPS und ShowView zu gelangen. Schließlich kam am gestrigen Freitag ein zweiter Verkäufer – beladen mit dem mittlerweile dritten Gerät – persönlich nach Sistig, na ja, und nach eineinhalb Stunden lief die Geschichte. (4) Das heißt, nicht ganz... Es fehlte noch der Dreifachadapter für den Anschluß der Scartkabel (5) von DVD, SAT und Videorecorder, da zum einen unser 1988 erworbener Fernseher nur über einen Scartanschluß verfügt und zum anderen der Kanal des neuen Videorecorders und der Antenne dummerweise übereinstimmen, was zu weiteren Komplikationen führt. Wollen wir beispielsweise einen Film auf SAT aufnehmen und gleichzeitig eine andere Sendung ansehen, so geht das nun – leider, leider - nicht mehr. Mit dem alten Videorecorder war das kein allzu großes Problem: Wir steckten das Antennenkabel ein (das wir in der Regel herausziehen, weil dann der Empfang über Schüssel deutlich besser ist) und hatten über viele Jahre vergnügliche Abende in dem Bewußtsein, nicht nur dieses amerikanische Drama oder jene deutsche Tragikomödie ansehen zu können, sondern am nächsten Abend unabhängig vom besch... Programm unsere eigenen Programmdirektoren sein zu dürfen. Wow! Wäre nun nicht in derselben Woche die Endredaktion der 9. Ausgabe der von mir herausgegebenen Lyrikzeitschrift Faltblatt gewesen, ich hätte über Kauf und Installation des Videorecorders (6) kein einziges Wort verloren! Jedenfalls: Der Druckerei hatte ich Jahr für Jahr erstklassige Papierdruckvorlagen geliefert, alles lief wie am Schnürchen, ich war mit dem Druckergebnis stets vollauf zufrieden, aber nein, ich sollte nun digitale Druckvorlagen liefern. Eine Word-Datei? Lieber Herr Breuer, ein bißchen professioneller darf‘s aber bittschön schon sein! Bitte wandeln Sie die Word-Datei in eine PDF-Datei um, und senden Sie uns diese per Email (DSL selbstredend). Was folgte, war eine Woche der brennenden Bemühungen und irritierenden Investitionen, bis ich gestern im Verlauf etlicher weiterer nutzlos vertaner Stunden den Bescheid erhielt: Papierdruckvorlagen liefern! Weiterhin hätte ich kein Wort über den Videorecorder verloren, hätte nicht heute auf der Titelseite einer Kölner Tageszeitung die Kurznachricht von über 1000 Unfällen, die gestern durch plötzliches und daher tückisches Glatteis in NRW verursacht wurden, gestanden... Nur Sachschaden (7) und ein gehöriger Schrecken, aber mir reichte es. Ich fuhr mit dem rumpelnden Auto in die nächste Werkstatt, nahm ein Taxi und habe seit gestern morgen das Haus nicht mehr verlassen. Letzteres ist natürlich nicht Fakt, sondern Fiktion, denn beim abendlichen Fußballtennisspiel mit Jürgen Krüger (ein guter Freund und Muschelhaufen-Abonnent) erzählte ich meinem Spielpartner während der Hin- und Rückfahrt sowie in den Spielpausen ungefähr das, was ich einleitend hier zu meiner eigenen Überraschung notiert habe, und er meinte irgend etwas von schlechtem Roman oder so, und die Anhäufung all dieser Episoden in einer solchen Konzentration von Pleiten, Pech und Pannen würde mir sowieso keiner glauben.

    Wo das Positive bleibe, wurde einst Erich Kästner gefragt, womit ich nun endlich beim Thema wäre: Die Bücher! Die Gedichte! Die Romane! Nicht im Schlafrock, aber Tag für Tag, Abend für Abend, Nacht für Nacht – immer wieder einmal bis in die Morgenstunden. Ohne die alltägliche deftige Dröhnung Literatur hätte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit längst resigniert. Von klein auf ist das Buch mein Schutzwall gegen die immer schon als feindlich empfundene Welt gewesen, und ich stelle mit einer (wenn auch geringen) Sorge fest, daß die Sucht wöchentlich (nein: täglich!) größer wird: Je mehr Bücher ich lese, um so mehr Bücher will ich lesen. Nicht ‚möchte‘: will! (8) Nachdem ich vom 6. bis 40. Lebensjahr in erster Linie Prosa las, bin ich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Lyrikleser geworden, allerdings habe ich in den vergangenen 9 Monaten auch wieder viele Romane gelesen, und eine Auswahl dieser Romane (nämlich in erster Linie die seit 2000 erschienenen) möchte ich hier kurz vorstellen. (9) Vorstellen! Bitte erwarten Sie weder Analyse noch Rezension, es soll dies vielmehr eine Art literarisches Flanieren sein (dessen Ziele sich unterwegs ergeben), ein Revue-passieren-Lassen mit ein wenig Reflexion und viel persönlicher Empfindung – oft ohne große Begründung. Es geht hier auch nicht um eine Bestandsaufnahme der Prosa im deutschsprachigen Raum in dieser Zeit. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, sondern Leser – nicht geeignet für Untersuchungen, die von vornherein zum Mißlingen verurteilt sind: Die Zahl der alljährlich auf den literarischen Markt geworfenen Prosabücher ist so groß, daß selbst die gleichsam zum Büchershredder verkommene Existenz keine Chance hat, mehr als nur einen Bruchteil dieser Titel zur Kenntnis zu nehmen. Unwillkürlich drängen sich natürlich Vergleiche mit den großen Romanen der Vergangenheit auf: Gibt es den einen großen Roman in den letzten drei bis vier Jahren, der den Vergleich nicht scheuen muß mit den großen Romanen des 17., 18., 19. Und 20. Jahrhunderts? (10) Meine Antwort: Nein. Der letzte große Roman war vielleicht Uwe Johnsons Jahrestage (1970 – 1983 erschienen), den ich im vergangenen Jahr mit großer Lust wiedergelesen habe. (11) Die großen Verlage haben in den letzten Jahren – mit freundlicher Unterstützung der Feuilletons – vermittels einer überaus unbedarften Form von Trendsetting versucht, die Tatsache zu verschleiern, daß sie manches Mittelmäßige publiziert haben. Da gab es den Großstadtroman, das Fräulein-Wunder, die Popliteratur – und seit einiger Zeit entdeckt man Provinz und Kindheit. Da mich zunächst einmal nicht interessiert, wann und wo ein Buch erschienen ist und ich nicht das Bedürfnis habe, "feuilletonistisch" mitreden zu können, sind mir die Mehrzahl der mit diesen Trends verbundenen Namen und Titel auch wahrscheinlich nicht geläufig, ich weiß es nicht. Natürlich habe ich unter den genannten Rubriken auch eine Reihe von Romanen entdeckt, die ich hier als besonders gelungen empfehle – wobei diese Empfehlungen zuweilen einem Eulen-nach-Athen-Tragen vergleichbar sind: etwa die Hinweise auf bekannte Bücher bzw. Autoren, deren moderne Klassiker in neuen Ausgaben vorgelegt werden.

    Den eigentlichen Ausschlag, die hier formulierten Gedanken innerhalb eines längeren Aufsatzes festzuhalten (12), gab letztlich der Roman "Die Farben der Schneiderkreide" von Rainer Wedler, der zu meinen herausragenden (deutschsprachigen) Leseerlebnissen in den Jahren seit 2000 gehört. (13) Wie kam ich an den Roman, der im mir bis dato gänzlich unbekannten Verlag Casimir Katz erschienen ist? Rainer Wedler (dessen letzten Gedichtband ich in Faltblatt vorgestellt hatte) fragte bei mir an, ob ich Interesse hätte, seinen im Herbst 2003 erschienenen Roman "Die Farben der Schneiderkreide" zu besprechen. Da ich seit Jahren eigentlich nur noch über Lyrik schreibe (und davon ausgehe, daß Insider das wissen), antwortete ich ziemlich lustlos (ich kann die Finger ja grundsätzlich nicht davonlassen), sein Verlag könne mir das Buch ja mal zukommen lassen, wenn man unbedingt wolle – versprechen könne ich aber gar nichts. Wenige Tage später war das Buch da: Autoren und Kleinverlage klammern sich eben an den letzten dünnen Strohhalm, denn sie wissen, daß über 90% der Feuilletonspalten für die Erzeugnisse aus den großen Verlagen reserviert sind. Aber – was für eine Initialzündung! Bereits der Titel sprach mich an. Ich begann, die ersten Zeilen des Romans zu lesen und war sogleich in einer Romanwelt verloren, die mich in ihre Fänge nahm. In mehreren Emails schrieb ich dem Autor u.a.: "Ich bin, lieber Rainer Wedler, restlos begeistert! Dieser Roman gehört, soweit ich das beurteilen kann, zu den besten des Jahres. Ich wünsche ihm viele, viele Leser! Es ist ja der erste Roman, den ich von Ihnen lese, und ich bin hocherfreut, einmal wieder einen Autor zu finden, der eine solche Sprache schreibt – die wahrhaftig ihresgleichen sucht. Ich habe mich in den letzten Wochen mit einigen aktuellen Prosabänden beschäftigt – u.a. Markus Orths’ hochgelobtem Roman Lehrerzimmer (ein schlechtes Buch, das seinen Verkaufserfolg offenbar der unseligen PISA-Studie verdankt – man sollte statt der Schüler Autoren, Leser und Verleger solcher Bücher zu solchen Tests verdonnern, dann bliebe uns manches künstliche Elaborat erspart, das für mich – gemessen an den vergeudeten Papiermassen – ein Verbrechen an den Bäumen ist) oder den besten Erzählern bei DVA (mit ebenfalls schwachen Beiträgen). Ich bin auf Seite 180 Ihres wirklich außerordentlich gelungenen, souverän erzählten, spannenden und interessanten Buches angelangt, mußte aber jetzt mal schnell diesen Zwischenstop einlegen, bevor ich jetzt die leider schon letzten Seiten angehe. Sie hören in nächster Zeit wieder von mir! [...] Unter anderem sind es auch die mit wenigen Pinselstrichen angedeuteten sinnlichen Momente, die Sie so souverän meistern. Sitzt, paßt und hat Luft!, dachte ich bei vielen, vielen Formulierungen, die Sie wie Gary Cooper mal eben so aus der Hüfte schießen. (14) Das spüre ich nämlich: daß Sie das Buch zu schreiben nicht 'eigentlich' angestrengt hat. Dafür waren Sie zu groß in Form bzw. haben zu genau das Leben dieses merkwürdigen Hochstaplers während der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts recherchiert. Sie hatten die Sache einfach gut im Griff. Sehr gut z.B. die verschiedenen Ebenen, in der Phänomene wie Erzählhaltung, Zeit, Realität usw. vorgeführt werden, ohne darüber eigentlich zu sprechen. Show, don't tell, betonte einst William Carlos Williams. Das gilt auch für Prosa wie für Lyrik. Immer noch wird mir warm ums Herz, wenn ich an die Lektüre des Romans zurückdenke, obwohl ich bereits ein weiteres sehr gutes Buch lese – das ein wenig vergleichbar ist mit Ihrem (dieser dokumentarische Aspekt unter Einbeziehung des Erzählers beispielsweise): Burkhard Spinnen, "Der schwarze Grat", die wechselvolle Geschichte einer mittelständischen Firma in Süddeutschland. Markus Orths‘ Lehrerzimmer wird ja überall gelobt – und die Gründe sind so lächerlich, daß mir übel wird. Das sei eine passende Antwort auf die Ergebnisse der PISA-Studie! Na toll. Und Satire soll das sein? Satire – da fallen mir Titel von Autoren wie Jean Paul, David Lodge, Tom Sharpe, Dieter Schwanitz u.a. ein, die sich gekonnt satirisch mit dem Bildungssystem auseinandergesetzt haben, daß sich die Balken biegen und mir Hören und Sehen vergeht. Lehrerzimmer – nein danke!" Dem Casmir Katz Verlag teilte ich mit: "Herzlichen Dank für die Übersendung des Romans von Rainer Wedler. Ein vortreffliches Buch der Spitzenklasse! Sie müssen Ihren Vertretern unbedingt klarmachen, daß sie besonders viel für dieses Buch tun müssen, zumal es wegen der guten Lesbarkeit ja auch Kreise anspricht, die nicht zu den Insidern gehören. Dieses Buch gehört in der FAZ, FR, ZEIT und NZZ vorgestellt. Dieser Roman hat seltene Qualitäten: subtile Sinnlichkeit, hervorragende Klarheit und Sicherheit im Ausdruck, ein hoch interessantes Thema. Ich habe eine einzige kleine sprachliche Schwäche entdeckt: Zweimal hintereinander fangen Sätze mit 'Dabei' an. Das habe ich Herrn Wedler natürlich gar nicht erst mitgeteilt, weil es völlig unerheblich ist. Bis zur letzten Zeile bleibt die Spannung erhalten, und auch das Ende ist schlüssig und stimmig. Ich bin traurig darüber, daß ich es so schnell gelesen habe. Da hilft nur eines: die tragikomische Geschichte dieses modernen tapferen Schneiderleins noch einmal lesen! Der einzige echte Fehler, den der Roman 'Die Farben der Schneiderkreide' aus der Sicht des Lesers also hat, ist in Wahrheit eine weitere Stärke: Viel zu kurz ist das 228seitige Vergnügen." (15) Während mich in "Die Farben der Schneiderkreide" bereits die ersten Zeilen affizierten, brauchte es bei Raoul Schrotts Mammutroman "Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde" volle 96 Seiten – um, dort angelangt, zu der Entscheidung zu kommen, auf die folgenden über 600 Seiten zu verzichten – was vielleicht ein Fehler war, wer weiß... Es gab zu dem Zeitpunkt zwar keinen eigentlichen Grund, die Lektüre abzubrechen, aber es sprach bis dahin auch nichts mehr dafür – diese Tour de Force sprach mich nicht an. Während mich Schrotts Wälzer "Die Entdeckung der Poesie" regelrecht zu Begeisterungsstürmen hingerissen hatte, konnte ich im Falle von "Tristan" nie die Aufregung nachvollziehen, die dieses Buch im Jahre 2003 unter den Kritikern hervorgerufen hat. (16)

    Theo Breuer

    Zu Teil 2


    Anmerkungen:
    1) Norbert Scheuers preisgekrönter und groß in DIE ZEIT vorgestellter Roman FLUSSABWÄRTS, der mich – im Gegensatz zu seinem Gedichtband EIN ECHO VON ALLEM, - doch sehr enttäuscht hat, ist ebenfalls in Kall angesiedelt!
    2) Kennen Sie den Unterschied zwischen VPS und ShowView? Ich kenne ihn jetzt! Die Sache ist ja die: Wenn ich mir einen neuen Rasenmäher kaufen will, möchte ich einfach nur die etwa 350 Euro auf den Tisch legen, den Rasenmäher in den Kofferraum packen, nach Hause fahren und einmal wöchentlich mähen. So einfach ist das aber nun mal nicht mit diesen Verkäufern: Sie machen mir stets klar, daß ich künftig unbedingt auf diese und jene Dinge zu achten hätte – von der einmal jährlich durchzuführenden Inspektion in ihrer Werkstatt einmal ganz abgesehen. Ich habe seinerzeit auf den Kauf des Rasenmähers verzichtet und mich noch einmal zwei Jahre mit der alten Gurke abgequält, die einen Höllenlärm verursachte, viel Benzin soff und mir mächtig Qualm ins Gesicht blies. Nach einem langen Gespräch mit Günter Kunert über Rasenmäher weiß ich, daß es mir nicht allein so geht. Ein schwacher Trost.
    3) Die Familie hatte das Fernsehprogramm auf mein Drängen hin frühzeitig beendet.
    4) Eineinhalb Stunden – zweimal 45 Minuten... Lesen Sie hierzu Friedrich Christian Delius‘ Roman DER SONNTAG, AN DEM ICH WELTMEISTER WURDE und erleben Sie eine deutsche Geschichte, wie sie deutscher nicht sein könnte. Der Blick zurück ist im übrigen eines der zentralen Themen zeitgenössischer deutscher Romane – das 20. Jahrhundert wird noch einige Zeit lang Stoff bieten für typisch deutsche Phänomene, die noch längst nicht aufgearbeitet zu sein scheinen, auch wenn 50 und mehr Jahre vergangen sind.
    5) Was es nicht alles gibt!
    6) über den noch diese Fußnote gestattet sei: Nachdem ich das ShowView-Gerät angeschlossen hatte, tat sich – nichts! Weder manuell noch per Fernbedienung ließ sich das Gerät einschalten. Ein defektes Gerät, nachdem ich das erste bereits zurückgebracht hatte? Nein (Sie ahnen es bereits), mein Besucher hatte binnen des Bruchteils einer Sekunde das Problem gelöst, indem er eine mir fremde Funktion der Fernbedienung betätigte. (Nein, es war nicht die POWER-Schaltung, die war mir immerhin schon ein Begriff).
    7) Das sagt und schreibt sich so leicht: "nur Sachschaden", aber die mehrere hundert Euro zahlt nun mal keine Versicherung – außer man hat Vollkasko, aber dafür ist das arme Auto wiederum zu alt...
    8) "Wie soll dat bloß wigger jonn?", heißt es in einem Lied der kölnischen Mundart-Band Bläck Föös...
    9) Darunter dürfen sich auch wiederaufgelegte moderne Klassiker befinden!
    10) Stellvertretend für zahlreiche weitere benenne ich dieses Dutzend: Thomas Bernhard, AUSLÖSCHUNG • Hermann Broch, DER TOD DES VERGIL • Elias Canetti, DIE BLENDUNG • Johann Wolfgang Goethe, WILHELM MEISTERS LEHRJAHRE • Günter Grass, DIE BLECHTROMMEL • Hans Henny Jahnn, FLUSS OHNE UFER • Gottfried Keller, DER GRÜNE HEINRICH • H. J. Chr. von Grimmelshausen, SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS • Thomas Mann, DER ZAUBERBERG • Carl Philipp Moritz, ANTON REISER • Robert Musil, DER MANN OHNE EIGENSCHAFTEN • Albert Viogoleis Thelen, DIE INSEL DES ZWEITEN GESICHTS – und was ist mit Böll, Fontane, Frisch, Hesse, Hildesheimer, Kafka...? Lassen wir’s gut sein.
    11) Ebenfalls muß ich betonen, daß ich seit langer Zeit die anglo-amerikanischen Romane den deutschsprachigen grundsätzlich vorziehe: Zum einen lese ich die musikalische, unglaublich wortreiche und syntaktisch schmiegsamere englische Sprache lieber als die deutsche, zum anderen ist die Qualität der Prosa in den letzten Jahrzehnten dort (zum Teil deutlich) höher: Was RODDY DOYLE, IAN MCEWAN, T.C. BOYLE und vor allem PHILIP ROTH – to mention just these four – zu bieten haben: WOW!
    12) Alles sprach aus meiner Sicht dafür (nur die Schreibarbeit dagegen!), weshalb ich monatelang mit mir gerungen habe, ob ich mich nun daran begeben soll oder nicht. Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit so viele aktuelle Prosabücher gelesen, daß ich daran interessiert bin, eine persönliche Bestandsaufnahme zu wagen: Denn ich schreibe diesen Text nicht sukzessive, jeweils nachdem ich ein Buch gelesen habe, sondern – bis auf einige Lektürenachzügler – im nachhinein. Hierbei ist interessant, welche Bücher wirklich nachhallen und welche schon nach wenigen Tagen oder Wochen der Vergessenheit anheimfallen – für mich übrigens das literarische Qualitätsmerkmal schlechthin.
    13) Der insgesamt interessanteste und originellste Autor der letzten Jahre ist für mich der viel zu früh verstorbene W.G. Sebald, dessen sprachliche Artistik in AUSTERLITZ ich in Muschelhaufen 43 gerühmt habe. 2003 ist nun posthum CAMPO SANTO – Prosa und Essays – erschienen, das die stilistische Meisterschaft Sebalds bestätigt.
    14) Ähnliches Können zeigt übrigens Arne Rautenberg in seinem bemerkenswerten Erstling DER SPERRMÜLLKÖNIG, in dem er einer großstädtischen Randexistenz ein phantastisches Denkmal setzt und heutiges Dasein phänomenal einfängt. Sprachlich am laufenden Band: Bingo! DER SPERRMÜLLKÖNIG steht vorläufig auch mal auf meiner Top-10-Liste – frisch, feinnervig, vom Feinsten.
    15) In welchem Falle wir das Einfachste tatsächlich tun sollten: das Buch noch einmal lesen. Ich tue das leider viel zu selten. Immer drängt es mich weiter – in diesem Falle zu zwei weiteren Romanen Rainer Wedlers, die, wenn auch nicht so herausragend wie DIE FARBEN DER SCHNEIDERKREIDE, ebenfalls eine feine Lektüre garantieren: DIE KASCHUBISCHE WUNDE und ZWIELICHTZEIT.
    16) Heinz Küpper hat mit SEELENÄMTER, in dem der gewitzte Uraltpriester Jakob – wie schon in anderen Romanen Küppers – die erste Geige spielt, ebenfalls einen auffallend umfangreichen Roman geschrieben, der allerdings die Lektüre bis zum Ende verlohnt: Über die eine oder andere Länge könnte man streiten, aber Heinz Küpper hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm zuteil wird.

    Die ausführliche Literaturliste folgt am Ende von Teil 3 des Beitrags.

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