TITEL kulturmagazin
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Creative Writing II

19.12.2004

Creative Writing in Deutschland

Im ersten Teil der Serie über das "Creative Writing", der im August bei TITEL publiziert wurde, setzte sich Rüdiger Heins mit allgemeinen begrifflichen Grundlagen des Themas auseinander. Im nun folgenden zweiten Teil der auf 14, in loser Folge erscheinenden, Teile angelegten Reihe gibt Heins einen Überblick über die Praxis des "Creative Writing" in Deutschland. Die Serie basiert auf einem Buch des Autors, das voraussichtlich 2005 erscheinen wird.

 

Allgemeine Vorbemerkung: Eventuell unklare Abkürzungen im Text werden im Anschluss in einem Glossar erklärt. Dort befindet sich ebenfalls eine Liste der im Text zitierten Literatur.

Ursprünge, allgemeine Strukturen und Problematiken des Creative Writing in Deutschland

Creative Writing entwickelte sich in der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 70er Jahre. Das Entstehen dieser Bewegung ist mit den Auswirkungen der 68er Revolte in Verbindung zu bringen. Die Selbstverwirklichung des Individuums zeigte sich in diesen Jahren nicht nur im politischen Protest. Dieser Protest drückte sich auch in der Bildenden Kunst, in der Musik und in der Literatur aus.
Mit dem Creative Writing wurde eine Möglichkeit gefunden, sich als Individuum schreibend zu verwirklichen. In diesen Jahren entstanden zum kollegialen Austausch AutorInnengruppen, Schreibkurse und Schreibwerkstätten.
Die Bildung von Schreibwerkstätten ist auf zwei Ursprünge der jüngeren literarischen Zeitgeschichte zurückzuführen: da ist zunächst die Gruppe 47 und auch die Gruppe 61. Wir haben es hierbei mit zwei AutorInnengruppen zu tun, die nach dem Zweiten Weltkrieges entstanden sind. Aus der Gruppe 47 und aus der Gruppe 61 gingen später die Werkstätten, beziehungsweise "Werkkreise der Literatur der Arbeitswelt" hervor. Bereits in der Gruppe 47 wurden die Grundlagen für eine Schreibqualifikation gelegt. Schreibqualifikationen beinhalteten einen sachlichen Umgang mit Textkritik, Textarbeit, Sprachanalysen und Stildebatten. Diese Kriterien wurden von der Gruppe 61 und im "Werkkreis der Literatur der Arbeitswelt" übernommen (von Werder 1997:9).
Da es keine genaue Abgrenzung des Begriffes "AutorIn" gibt, soll in diesem Zusammenhang auf die Unterschiede von "etablierten" AutorInnen und "nicht etablierten" AutorInnen hingewiesen werden. "Etablierte AutorInnen" sind nur solche, die bereits mehrere eigenständige Werke in einem Verlag publiziert haben. Diese AutorInnen können durchaus einen Hauptberuf haben, in dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen. "Professionelle AutorInnen" leben nur vom Schreiben. Sie haben keine andere Einnahmequelle.
AutorInnen, die sich auf dem Weg befinden etablierte AutorInnen zu werden, können noch keine eigenständigen Publikationen vorweisen.
Parallel zu den AutorInnenengruppen entstanden Schreibwerkstätten als Schreibkurse in den Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Eine signifikante Entwicklung der Schreibkurse ist daran zu erkennen, dass beispielsweise im Jahre 1970 in Niedersachsen nur ein Schreibkurs an einer deutschen Volkshochschule angeboten wurde. Heute werden an jeder Volkshochschule im gesamten Bundesgebiet ein oder sogar mehrere Schreibkurse im Programm angeboten. In der Bundesrepublik gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt rund 2 000 Volkshochschulen und Akademien in der Erwachsenenbildung mit etwa 1 500 Schreibkursen, die pro Jahr durchgeführt werden. Während an den Volkshochschulen die Schreibkurse unter dem Einfluss des "Creative Writing" stattfinden, werden die Schreibangebote an den Regelschulen eher didaktisch strukturiert durchgeführt. Jedoch ist zu beobachten, dass seit einigen Jahren die Methoden des Creative Writing auch in den Regelschulen Einzug gehalten haben. Mittlerweile hat sich das Creative Writing ebenfalls an deutschen Hochschulen und Universitäten etabliert. Es gibt fast keine Hochschule mehr, in der nicht Seminare und studentische Arbeitsgemeinschaften angeboten werden, in denen mit den Methoden des Creative Writing Texte geschrieben werden.
An der Universität in Hildesheim gibt es seit 2002 eine Professur für Kreatives Schreiben, die von dem Romanautor Hanns-Josef Ortheil ausgeübt wird. Das Kreative Schreiben wurde dort als Studiengang eingerichtet.
Vor der Wende gab es in Leipzig ein literarisches Institut, das noch heute besteht. Dort werden AutorInnen zu DiplomschriftstellerInnen ausgebildet.
Die wissenschaftliche Form des Creative Writing, methodisch mit autobiografisch Erlebtem an Texte heranzugehen, hat sich in der Bundesrepublik noch nicht flächendeckend etabliert. Das heißt, an Volkshochschulen und auch in anderen Einrichtungen der Erwachsenbildung unterrichten oftmals DozentInnen, die selbst keine Erfahrung im Schreiben von größeren Textkulissen haben. In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass es nicht genügen kann, Seminare im Creative Writing zu belegen, um im Anschluss daran als DozentIn in der Erwachsenenbildung zu unterrichten. Als Standard sollten sich die Vorraussetzungen für das Lehren von Creative Writing auf folgende Kriterien stützen:

· Die Veröffentlichung eines eigenen Buchprojektes mit einer ISBN-Nummer. Eine ISBN besagt, dass der Autor, die Autorin in einem von der Buchhändler Vereinigung legitimierten Verlag publiziert hat. Die ISBN ist auch gleichzeitig eine Zugangsberechtigung für etablierte AutorInnenverbände, etwa den VS oder die VG Wort.
· Der Besuch anerkannter Seminare.
· Die Erfahrung, sich in größeren Textkulissen schreibend bewegen zu können.
· Die Erfahrung im Umgang mit AutorInnenlesungen.

Diese Kriterien sind ein bedeutender Bestandteil für die Lehrtätigkeit von DozentInnen im Creative Writing. Da es im Bundesgebiet nur wenige DozentInnen gibt, die über die obengenannten Voraussetzungen verfügen, ist die Effektivität anderer Schreibgruppen fraglich.
Barbara Schulte-Steinicke vertritt die Auffassung, dass:
"(...) die Mehrzahl der Angebote in Volkshochschulen von eher weniger ausgebildeten Lehrern betreut werden, welche dringend Qualifikationsmöglichkeiten suchen" (Schulte-Steinicke 2000:21).

Lutz von Werder belegt in seinem Manifest des Kreativen Schreibens mit Zahlen den Mangel an Schreibförderung in der Bundesrepublik Deutschland:

· 50 % der StudentInnen brechen ihr Studium ab.
· 87 % der StudentInnen haben Konzentrations- und Arbeitsstörungen. Sie haben Schreibstörungen, Schreibkrisen, Schreiblähmungen, oder Schreibblockaden und wollen zu 15% in eine Psychotherapie (von Werder 1997:13).

Beispiele für das Creative Writing an verschiedenen Institutionen

1. Das IKS Institut für Kreatives Schreiben in Berlin

Das Institut für Kreatives Schreiben (IKS) wurde 1986 in Berlin als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Schwerpunkte des Instituts sind unter anderem die Ansätze des Kreativen Schreibens in Literatur, Wissenschaft, Beruf, Therapie und Philosophie zu erforschen. Am Institut können die StudentInnen Creative Writing in vier Semestern als Fern- oder Präsenzstudium zu studieren. Außerdem bietet das Institut noch Zusatzqualifikationen für engagierte MulitiplikatorInnen an. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an pädagogische, therapeutische, psychologische, wissenschaftliche und philosophische PraktikerInnen, die das Instrumentarium des Creative Writing in ihre wissenschaftliche Arbeit oder in ihren Berufsalltag einfließen lassen möchten. Diese Ausbildungen münden in der Qualifikation zur Poesie- PädagogIn oder aber zur AnleiterIn für "poetische Selbstanalyse". In dem erwähnten Studiengang und auch in der Zusatzausbildung können Zertifikate erworben werden, die allerdings ohne eine staatliche Anerkennung sind (Uschtrin 2001: 388).
Das IKS gehört mit seinem Curriculum zu den ersten Instituten, die das Creative Writing in der Bundesrepublik etabliert haben. Ohne staatliche Förderungen ist das Institut auf die monatlichen Studiengebühren der StudentInnen angewiesen. Es kann unter diesen Umständen keine Rücksicht auf Begabung oder Nichtbegabung von AutorInnen genommen werden. Aus diesem Grund sind die Zugangsvorausetzungen zum Studium auch nicht begrenzt. Ein Nachteil dieses Projektes, weil die Existenzzfrage des Instituts ein Auswahlverfahren der StudentInnen nur im geringen Umfang erlaubt.

2. Der Segeberger Kreis

Der Segeberger Kreis - Gesellschaft für Kreatives Schreiben e.V. versteht sich als Verein von Schreibenden, die an Hochschulen, Schulen und in der Erwachsenenbildung Creative Writing Seminare oder Kurse anbieten. Der Segeberger Kreis wurde 1982 in Bad Segeberg gegründet. Die Aufgabenstellung des Kreises besteht darin, das "Kreative Schreiben" zu praktizieren und auch zu etablieren. Die Gesellschaft richtet sich an Schreibinitiativen, die sie mit Theorieseminaren und auch einem kollegialen Austausch unterstützen möchte. Schwerpunktmäßig sind die AdressatInnnen des Segeberger Kreises SchreibgruppenleiterInnen, die unter fachlicher Anleitung ein Forum für den Erfahrungsaustausch suchen. Der Kreis trifft sich einmal im Jahr zu einer Tagung (Uschtrin 2001: 392).
Der Segeberger Kreis trägt nicht unbedingt zur Standardisierung von Qualitätsfragen bei den Voraussetzungen für Creative Writing DozentInnen bei. Jede AutorIn kann Mitglied im Segeberger Kreis werden. Die Mitgliedschaft beinhaltet ein gewisses Renommee für die DozentInnen. Dennoch ist es fraglich, ob eine Mitgliedschaft auch automatisch die Voraussetzungen erfüllt, um als Creative Writing DozentIn zu unterrichten.

3. Kreatives Schreiben an den Volkshochschulen

Die Schreibwerkstätten und Kurse im Kreativen Schreiben, die in der Bundesrepublik angeboten werden, sind in den vergangenen Jahren, wie bereits erwähnt, sprunghaft angestiegen. In fast allen Städten der Bundesrepublik, aber auch in ländlichen Regionen finden wir im Einzugsbereich der Volkshochschulen Schreibkurse, die zu den unterschiedlichsten Themen angeboten werden. Die Palette reicht vom autobiografischen Schreiben über das Schreiben in Lebenskrisen, bis hin zum literarischen Schreiben von Texten. Die Vielfalt dieser nichtkommerziellen Schreibwerkstätten, bei denen sich die Kursgebühren auf der Selbstkostenbasis bewegen, hat eine große Spannweite. Die "Szene" ist ständig in Bewegung. Immer mehr Schreibangebote kommen hinzu (Uschtrin 2001: 385 f).
Quantität ist in diesem Fall nicht unbedingt auch ein Qualitätsmerkmal. Ein Mangel an gut ausgebildeten oder gut vorbereiteten DozentInnen kann ihre MultiplikatorInnenwirkung beeinträchtigen. Was soll eine DozentIn, die über eine mangelhafte Ausbildung verfügt, ihren SchülerInnen vermitteln?
Es gibt in der Erwachsenenbildung und im Bereich der Volkshochschulen keine Standards, die es erlauben würden, die Qualität einzelner Kurse zu untersuchen.

4. Creative Writing an den Hochschulen

Inzwischen haben fast alle Hochschulen der Bundesrepublik Seminare, studentische Arbeitsgemeinschaften und Workshops, in denen sich die StudentInnen mit den Möglichkeiten des Creative Writing beschäftigen.
An der Universität in Hildesheim gibt es einen Studiengang Kulturpolitik und Kulturmanagement mit den Hauptfächern: Schreiben und Literatur. Dort können die StudentInnen einen Hochschulabschluss als Diplom - KulturwissenschaftlerInnen erlangen.
Die Akademisierung des Creative Writing an bundesdeutschen Hochschulen ist noch weit vom Selbstverständnis an US-amerikanischen Hochschulen entfernt. Im Augenblick gibt es auch keine Anzeichen dafür, dass eine Etablierung der Schreibförderung an den Hochschulen vorgesehen ist (Uschtrin 2001: 391).

5. Deutsches Literaturinstitut Leipzig

In der DDR gab es das Johannes R. Becher Institut an der Universität Leipzig. Dort wurden StudentInnen zu Diplom-SchriftstellerInnen ausgebildet. Nach der so genannten Wende tauchte im kulturpolitischen Zusammenhang die Frage auf: "Was soll aus dem Institut werden?" - Es blieb erhalten.
Die Antwort war das "Deutsche Literaturinstitut Leipzig" (DLL). Im Sommersemester 1995 nahm es erstmalig seinen Studienbetrieb (wieder) auf. Prof. Bernd Jentzsch war Gründungsdirektor des Instituts. Das DLL bietet einen Studiengang von sechs Semestern an, in denen schwerpunktmäßig drei Fächer gelehrt werden: Prosa, Lyrik und Dramatik.
Das Studium gliedert sich in ein Grundstudium von zwei Semestern und in ein Hauptstudium mit drei Semestern. Im sechsten Semester arbeiten die StudentInnen an einem eigenständigen Textprojekt aus den Bereichen Lyrik oder Prosa. In der Abschlussprüfung werden die Fähigkeiten der künstlerischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse der StudentInnen festgestellt. Die professionelle Kenntnis allgemeinliterarischer und fachspezifischer Voraussetzungen, in Verbindung mit den Grundlagen ihres Studiums und den wesentlichen Forschungsergebnissen in den gewählten Fächern, sind für die Ausübung des Berufs einer SchriftstellerIn im Curriculum des Instituts festgelegt. Die Studentinnen können am DLL einen Hochschulabschluss mit dem Titel: "Diplom des Deutschen Literaturinstituts Leipzig", erlangen (Uschtrin 2001: 375).

6. Creative Writing an der Fachhochschule Wiesbaden

An der Fachhochschule für Sozialwesen in Wiesbaden wird seit einigen Jahren das Fach Theaterpädagogik von Prof. Dr. Rita Rosen angeboten. Im Rahmen des Gebrauchs der Sprache auf der Bühne wurde die Idee entwickelt, selbst Texte von den SpielerInnen schreiben zu lassen, um sie szenisch umzusetzen. Auf dieser Grundlage entstand das Konzept der SCHREIBWERKSTATT AN DER FH WIESBADEN. Die Schreibwerkstatt besteht nun schon seit zehn Jahren. Im Laufe der Zeit besuchten unterschiedliche AutorInnen die Schreibwerkstatt unterschiedlich lange. Inzwischen hat sich eine Kerngruppe von acht bis zehn AutorInnen herausgebildet, die bereits über einen längeren Zeitraum kontinuierlich zusammen arbeitet. Die Konzeption der Schreibwerkstatt sieht vor, Texte, die zu Hause geschrieben wurden, im Kreis gleich gesinnter AutorInnen vorzustellen. In einer kritischen und konstruktiven Form werden die Texte von den GruppenmitgliederInnen kommentiert. Auf diese Weise entsteht eine neue Basis für die Überarbeitung, Verfeinerung und die Vervollständigung der Texte. Die AutorInnen hören sich, so die Regel, unkommentiert die Anmerkungen ihrer KollegInnen an. Damit soll die Wirkung konstruktiver Anregungen einen inneren Entscheidungsprozess auslösen, der in die Textgestaltung mit einfließen kann. Es ist die freie Entscheidung der AutorInnen, die Anregungen der Gruppe umzusetzen oder nicht. Bisher wurden die Textgattungen Kurzgeschichte, Roman, Lyrik und Haiku in der Schreibwerkstatt vorgestellt.
Alle AutorInnen der Gruppe sind an Publikationen interessiert. Bisher gab es zwei Anthologien mit aktuellem Textmaterial, die im Verlag der Fachhochschule herausgegeben wurden.
Regelmäßig veranstaltet die AutorInnengruppe Lesungen in Kulturinstitutionen. Das Projekt: LESEN IM KNAST wurde im Winterhalbjahr 2003 / 2004 durchgeführt. Dabei wurde einer Gruppe von Jugendlichen, die im Strafvollzug waren, eigene Texte vorgetragen, die anschließend diskutiert wurden. Die Reaktion der Jugendlichen auf dieses Projekt war positiv.
Aufgrund der intensiven Beschäftigung mit dem "Haiku" einer spezifischen japanischen Dichtform wurde ein KASEN gegründet. Zum KASEN treffen sich DichterInnen, um gemeinsam im geistigen Austausch "Haiku" zu schreiben (Rosen: 2004).

Mit dem Beginn des Sommersemesters 2003 habe ich eine studentische Arbeitsgemeinschaft angeboten, die sich mit dem Creative Writing kontinuierlich beschäftigt. Das Seminar findet einmal in der Woche statt. Über die Erfahrungen in diesen beiden Seminaren berichte ich im achten Teil dieser Serie.

"Mein eigener Schreibstil wurde mir stärker bewusst und ich habe die Liebe zum Lyrik schreiben entdeckt, insbesondere des Cut-Up Schreibens.
Kreatives Schreiben bekam für mich die Form von Stil, Spiel und Therapie“. Beate Giebel, ehemalige Studentin des Creative Writing.

7. Kommentar: Kreatives Schreiben und AutorInnenschaft

Der Gedanke, Annette Droste-Hülshoff, Schiller, Heinrich Heine oder Goethe wären zum literarischen Schreiben über das Creative Writing gekommen, ist ungewöhnlich; denn im "Land der Dichter(innen) und Denker(innen)" waren die TextproduzentInnen immer auch AutodidaktInnen. Es gab keine Akademien, die das literarische Schreiben als Studium anboten. Warum auch? Schließlich hat unser Land vier Literaturnobelpreisträger hervorgebracht: Thomas Mann, Hermann Hesse, Heinrich Böll und Günter Grass. Mit den Methoden des Creative Writing wäre ihr Schreibstil vermutlich ein anderer geworden. Wir wissen nicht, wie. Wir wissen auch nicht, ob diese AutorInnen einen qualitativ besseren Schreibstil kultiviert hätten. Wir wissen nur, dass die AutorInnen auch ohne die Methoden des Creative Writing in den "Olymp der PoetInnen" aufgestiegen sind.

Im Gegensatz zur deutschen Tradition des literarischen Schreibens kennen wir aus dem angloamerikanischen Raum AutorInnen wie: Anne Waldman, Thomas Wolfe, Eugene O'Neil, T.C. Boyle oder Liesel Mueller (sie heißt wirklich so), die über das Studium des Creative Writing ihren eigenen literarischen Stil entwickelt haben. Boyle, Mueller und Waldman unterrichten neben ihrer AutorInnentätigkeit auch Creative Writing. Während Anne Waldman an der Jack Kerouack School Creative Writing unterrichtet, hat der Kultautor T.C. Boyle eine Professur für Creative Writing an der University of Southern California in Los Angeles.
Die Frage, ob Dichten durch ein Studium erlernbar ist, kann an dieser Stelle nicht mit aller Klarheit beantwortet werden.
Der Begriff Autor leitet sich aus dem lateinischen Wort "auctor" ab. In der Übersetzung bedeutet dieser Begriff so viel wie: Urheber, Schöpfer oder Verfasser. Im übertragenen Sinne besagt dies, dass der Autor selbst in Bewegung kommt, um seine Texte zu kreieren. Einerlei ob mit oder ohne eine schriftstellerische Ausbildung.
Der positive Effekt des Creative Writing besteht darin, auch Menschen anzusprechen, die sich nicht zutrauen, aus eigener Initiative "etwas" zu schreiben.

Welche Methoden es im Creative Writing gibt, um in einen Schreibprozess zu kommen, darüber berichtet der nächste Teil der Serie.

Rüdiger Heins

Zu Teil 3 und 4 der Serie
Zu Teil 1 der Serie


GLOSSAR:

ISBN: Internationale Bestellnummer, die ein Buch haben muss, wenn es über den Buchhandel zu beziehen sein soll. Die ISBN wird von der Deutschen Buchhändlervereinigung, mit Sitz in Frankfurt, vergeben.
VG Wort: Verwertungsgesellschaft Wort, mit Sitz in München, schützt die Urheberrechte von AutorInnen.
VS: Verband deutscher Schriftsteller.


LITERATUR:
Schulte-Steinicke, Barbara: 2000: Bilder werden Worte. Milow.
Uschtrin, Sandra: 2001: Handbuch für Autorinnen und Autoren. München.
Werder, Lutz von: 1996: Erinnern, wiederholen, durcharbeiten. Berlin.



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