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    Mittwoch, 26. April 2017 | 13:45

    Kennzeichen T - 23.05.2011

    23.05.2011

    Marabous in die Eurovision!

    Noch immer im Zehnter-Platz-Taumel, aber langsam wieder festes Schuhwerk an die Füße kriegend, wird allmählich klar: The winner is – Europe. Die europäische Integration hat sich spätestens jetzt als viel stärker erwiesen, als die Kleinsparer der Währungsunion jemals zugeben würden. Was sich die Väter der Römischen Verträge nicht in ihren gröbsten Fieberträumen hätten zusammenphantasieren können, ist wahr geworden: Aserbeidschan gehört endlich zu uns!

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Wer anders hätte das erreichen können, als der Schlager. Es gibt nichts, was Menschen schneller vereint, als schlechte Musik. Ob Spontanverbrüderungen auf Mallorca, Karneval, Oktoberfest, Fußballchoräle oder der Grand-Prix-Abend in der Stammkneipe – wo immer Menschen betrunken Lärm konsumieren, kann sich der keiner der Integration entziehen.

     

    Die Geschichte des Eurovision Song Contest spricht Bände: 1956 fing er als eine Art Garagen-Festival für Knödelmucke an, mit sieben Teilnehmern; mittlerweile ist er bei 43 europäischen Ländern. Selbst die EU hat nur 27 zu bieten!

     

    So schön der Erfolg ist, es gibt natürlich keinen Grund jetzt aufzuhören. »Wir wollen Europa zusammenbringen!«, haben Ell und Nikki, die kaukasischen Sieger, auf der Pressekonferenz ausgerufen. Und sie haben recht. Es gibt noch so viele europäische Länder auf der Welt. Wenn der ESC nächstes Jahr in Baku stattfindet - da ist Iran gleich an der Südgrenze. Ein Land, das sogar Atome spaltet, um endlich Anerkennung aus Europa zu erlangen. Gebt ihm eine Chance! Macht Mahmud Mut!

    Allein modetechnisch wäre es ein Impuls. Dieses Jahr kam ja der Eindruck auf, die Besetzung der weiblichen Teilnehmer wurde weitgehend vom Düsseldorfer Straßenstrich bestritten. Schluss damit! Es ist wieder Zeit, sich auf die Musik zu konzentrieren. Und iranische Sängerinnen sind da vorbildhaft. Botox hin, Brust-OP her – die Burka lässt nur Töne raus.

     

    Und so muss es weitergehen. Wir müssen die 100 knacken! Hundert europäische Länder treffen sich zum Eurovision Song Contest in Caracas. Es gewinnt ein Didgeridoo-Quartett aus Darwin vor einem namibischen Gospel-Chor. Und Südkorea gibt Nordkorea zwölf Punkte, und rettet dadurch ein Schnellboot.

     

    Wir wollen nicht unken, aber geographisch stößt das Ganze natürlich irgendwann an Grenzen. Bei 193 europäischen Teilnehmern ist Schluss, einschließlich des Vatikans, mit seiner tollen Coverversion von Je t’aime … moi non plus. Aber wer hat eigentlich festgelegt, dass der Schlager auf Musik beschränkt ist? Europa hat so viele Genres, die sich gerne integrieren würden. Wenn Guildo Horn und Stefan Raab mitmachen durften, warum dann nicht auch Schwarzlicht-Jongleure, Hot-Dog-Schnellesser und Kreisliga-Handballer? Von den Gattungen mal ganz zu schweigen. Einige der Teilnehmer haben ja bereits alles versucht, um nicht mehr als Homo sapiens durchzugehen. Lordi, die Gewinner von 2006, sahen aus wie der zweite Preis eines Gen-Gewinnspiels der BILD am Sonntag. Das erweiterte Europa, das sind ist nicht nur Österreicher, Israelis und Kaukasier. Sondern auch Elch, Pandabär und Klapperschlange.

     

    Die Liquidität bestimmt die Identität. Aserbeidschan durfte mitmachen, weil es Mitglied der Europäischen Rundfunkunion ist und dafür ordentlich zahlt. Katar, ein Land, in dem Fußball bislang kaum wichtiger war als Eisstockschießen, kriegt die Fußball-WM, weil es dafür ordentlich zahlt. Also, wenn der Tierpark Hellabrunn einen Finanzier findet, der dafür ordentlich zahlt - warum sollten seine Marabous nicht beim ESC mitkrächzen? Dann hätte auch Lena wieder eine Chance. Wenigstens visuell.  


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