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    Montag, 29. Mai 2017 | 21:05

    Kennzeichen T - 30.04.2011

    30.04.2011

    Rente für den Beduinenhitler!

    Immer wenn Ostern vorbei ist, schäme ich mich ein bisschen. Ich bin republikanisch gesinnt und ein begeisterter Anhänger der europäischen Aufklärung, aber auch ich habe mich in den letzten Wochen wieder zum animistisch verdunkelten Royalisten gemacht – und bemalte Hühnereier zu Ehren eines untoten Monarchen gegessen.

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    »König der Juden« nannten die Römer ihn, und selbst wenn das damals nur ein böser Besatzer-Spott war, so lagen sie mit dem Rang doch ziemlich richtig: Jesus ist Herrscher, wenn schon nicht über die Juden, so doch wenigstens über das Himmelreich. Zu seiner Linken mag vielleicht noch Gott sitzen und irgendwo auf einer Hinterbank der ebenso stimmberechtigte Heilige Geist, aber, bei aller Liebe, eine Dreifaltigkeit macht noch kein Parlament.

     

    An Ostern wird also irgendwie auch immer die Wiederauferstehung des Absolutismus gefeiert, und ich - der Cholesterin-Rausch ist keine Entschuldigung - ich war eiermümmelnd mit dabei. Umso grimmiger möchte ich heute Buße tun und diese Kolumne einer sehr unterschätzten politischen Aktivität widmen: dem Tyrannenmord.

     

    Gerade in diesen Tagen wäre ja nichts näher liegend. Allein Arabien bietet derzeit eine ganze Auswahl an autokratischen Schlächtern, deren forciertes Ableben niemand bereuen würde, außer ihren westlichen Geschäftspartnern. Und einer wie Muammar Gaddafi hätte auch selber gar nichts dagegen. Er bettelt geradezu darum, dass ihm ein Dolch im Rücken endlich Shakespearesches Format verschafft. Verständlich, gibt es doch für Tyrannen nichts Schlimmeres, als wieder Mensch zu werden. Man sehe sich nur Hosni Mubarak an, der nun in einem angeranzten Badeort als Herzpatient verdämmert. Vor ein paar Monaten noch in einer Reihe mit Richard III. und Titus Andronicus, jetzt pigmentierter Klaus-Jürgen Wussow.

     

    Oder, um auch mal vor unserer Tür zu kehren, Erich Honecker. Erinnert sich noch irgendjemand an dessen letzte Jahre? Pensionist in Chile, mit Krebs und Margot. Eine Existenz wie ein gehäkeltes Klorollen-Hütchen. Da wird Tyrannenmord zur Sterbehilfe.

     

    Die Luftschläge gegen Libyen sollten also sofort eingestellt werden. Wenn die Nato dem Beduinenhitler wirklich Angst einjagen will, Ruhe bewahren und ganz entspannt die neue Parole ausgeben: Verrentet Gaddafi! Der muss nur das Reihenhäuschen sehen, das für ihn bereitgehalten wird, und er verpasst sich selber einen Luftschlag.

     

    Der Tyrannenmord dagegen sollte aufgespart werden für jene, die ihn nicht wollen. Und da bietet, wie gesagt, diese Woche reichlich Anlass. Am lange gefürchteten heutigen Freitag ehelicht der englische Thronfolger endlich sein profanes Käthchen. Und was hätte uns alles erspart bleiben können: Das Hochzeitskleid und die Gästeliste und der Ehevertrag und Elton John und die prachtvolle Kutsche und die Pracht der Pelzmützen und die mittelprächtigen Exfreundinnen und die Prachtexemplare von Pferden und Elton John und natürlich die Schuhe der Queen und die Hosen der Reiter und das Zaumzeug Camillas und die Brillen von Elton John und Englands Geschichte und der Partyservice der ordinären Schwiegereltern und Elton John und die Brautfrisur, welch eine Brautfrisur!, BILD hat jedes einzelne Haar interviewt, die meisten haben sich noch nie so geschnitten gefühlt, dazu das Schlafgemach und die bedenklichen Lichtungen in der Matte des welkenden Prinzen und last but not least: Elton John. Nichts davon! Gar nichts. Wenn, ja wenn einfach ein paar resolute Königsmörder die Windsors schon vor zwei, drei Generationen einen Kopf kürzer – also, metaphorisch gesprochen natürlich. Sie sollen leben, die Windsors, aber bitte als respektable Herrenschneider, und nicht als globale Medienpest.

     

    Es bleibt mal wieder an uns hängen. Wir haben es in der Hand, wir, die republikanisch gesinnten, begeisterten Anhänger der europäischen Aufklärung können die einzige Gewaltherrschaft beenden, die uns in Europa noch geblieben ist - die Tyrannei von Bild und Ton. Der Tyrannenmord des 21. Jahrhunderts heißt: Abschalten. Es wäre das einzige, was Kate und William noch treffen kann. Denn wer sie einmal gesehen hat, der weiß: Verrentet sind sie längst.

     

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    Sie selbst zählen auf, was Sie nicht wollen, lassen sich also auch in den Hype um die englische Hochzeit einbinden und zeigen anhand einer vollständig erscheinenden Aufzählung daß Sie das ganze Spektakel wohl komplett genossen haben. Ansonsten ist Ihre angebliche Glosse einfach nur geschmacklos und abscheulich.
    | von CMG, 03.05.2011
    Da zeigt jemand anhand einer vollständig erscheinenden Lektüre der angeblichen Glosse, dass er sie wohl komplett genossen hat. Geschmacklos und abscheulich!
    | von Dialektik 011, 03.05.2011

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