Nein, dahinter steht die ehrwürdige Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, und es wird um ein Thema gehen, das hinter Japan, Rheinland-Pfalz, Gaddafi und Mappus schmählich ins Hintertreffen geraten ist: den guten alten Geschlechtsverkehr. Man muss in diesen Tagen soviel Zeitung lesen, man hat fast vergessen, dass es ihn noch gibt. In den so genannten Qualitätsgazetten kommt er ja nicht vor. Notwendigerweise. Oder können Sie sich jemanden vorstellen, der, sagen wir, für das ZEIT-Feuilleton arbeitet und noch koital aktiv ist? Jazz mit Roger Willemsen – Entschuldigung, Sex ist etwas anderes.
Wenn es um die Verhütung von Verkehr geht, ist natürlich auch die Deutsche Bahn nie weit. Am Stuttgarter Hauptbahnhof sollten dieser Tage Rohre verlegt werden – doch das wusste Bahnchef Grube zu verhindern. Und zu Recht! Sie werden das selber aus den Zeiten kennen, da Sie im Nachtleben als Abschleppdienst unterwegs waren: Vor der Realisation eines Verkehrsprojekts braucht es Vertrauen. Und gegenüber einem Partner wie Grün-Rot, der halb Ja, halb Nein sagt, ist die Einlassung eher schwierig. Da fängt man mit dem Baggern an, und hastdunichtgesehen wird man zum Kachelmann gestempelt. Also lässt mans lieber bleiben, geht nachhause und berauscht sich an sich selber.
Genau das hat die Bahn getan: Am Donnerstag wurden Bilanzzahlen verkündet. 17,3 Prozent Umsatzsteigerung, 1 Milliarde Nettogewinn. Geilomat!, wie man in Wirtschaftskreisen sagt. Man kann dieses Ergebnis gar nicht anders als sexuell bewerten: Die Deutschen sind Masochisten. Jedes andere Unternehmen wäre nach einem Sommer und einem Winter, wie sie die Bahn abgeliefert hat, in die Insolvenz getrudelt. Man stelle sich einen Golf vor, der im Juli seine Insassen grillt, und sie im Dezember schockfrostet, während er in der Hofeinfahrt stecken bleibt; und dazu Hunderte von Passats, die überhaupt nicht mehr aus ihrer Berliner Garage rauskommen – Volkswagen wäre längst Geschichte. Aber seiner Bahn leckt der Deutsche die Schienen.
Da können die Praktiken sogar illegal werden. Die EU-Kommission hat grade Büroräume unseres staatlichen Transportlieblings durchsucht, wegen eines Vorwurfs, wie er einer Domina zur Ehre gereicht: Machtmissbrauch. Und nicht nur die Bahn selber ist involviert, sondern - jetzt wird’s richtig schmuddelig - auch ihre Töchter. Die sollen billiger weggekommen sein als Konkurrenzunternehmen. Und zwar bei den Strompreisen.
Dahinter steckt natürlich wieder nur das europäische Unverständnis für Umweltpolitik. Da ist Deutschland einfach weiter. Wer Energie spart, der sollte auch belohnt werden. Und man verbraucht nun mal weniger Strom als die Konkurrenz, wenn man die Klimaanlage abschaltet, und ein Viertel der Züge steht.
Für die SPD bedeutet die Durchsuchung einen Hoffnungsschimmer. Vielleicht wird genug gefunden, und die Deutsche Bahn zerschlagen. Drunter sind die Sozialdemokraten kaum noch zu retten. Sie sind ja einiges gewohnt, aber soviel Pups am Schuh wie nach den Wahlen in Baden-Württemberg hatten sie noch nie. Ihr Koalitionspartner will beim ausgerechnet ehrpusseligsten Projekt, bei Stuttgart 21, genau das Gegenteil wie sie. Und was passiert, wenn eine Regierung in zwei Richtungen dilettiert, das wissen wir aus Berlin: Der Juniorpartner landet in der Gelben Tonne. Bei den Verpackungen und den Gummis. Was wohl die Kongressteilnehmer in Wiesbaden der SPD verschreiben würden? Wahrscheinlich ein metaphysisches Kontrazeptivum. Oder in Laiendeutsch: Das möge Gott verhüten.