• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 04:27

    Kennzeichen T - 22.01.2011

    22.01.2011

    Es ist nicht mehr weit bis Tunesien!

    Das Adjektiv »alternativlos« ist soeben zum Unwort des Jahres gekürt worden, »Wutbürger« vor ein paar Wochen zum Wort des Jahres. Hier mag das dem ein oder anderen Bildungshuber das wissende Lächeln des Freizeitsemantikers ins Antlitz gedrechselt haben.

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Sollte es allerdings je bis auf die arabische Halbinsel dringen, wird es den tunesischen Ex-Präsidenten Ben Ali alles andere als amüsieren; ist er doch jüngst von Wutbürgern in die Alternativlosigkeit des saudischen Exils verjagt worden. Dort vegetiert er nun in einem 45.000-Sterne-Hotel und will einfach nicht begreifen, warum »Integrationsverweigerer« bei der Unwort-Kür nur auf Platz zwei gekommen ist. Ihm selber wurde soeben die Integration verweigert, in Frankreich, was zu Selbstverletzungen bei einigen Pariser Boutique-Besitzern geführt hat. Ben Ali hätte nämlich Leila Trabelsi mitgebracht, die raffgierige Friseuse, die ihm 1992 ein Eheversprechen aus der Pomade gekämmt hat. Seitdem macht sie auf Imelda Marcos des Maghreb. Zum Shoppen soll die Trockenhaube vor ihrer Abreise noch 1,5 Tonnen Gold aus der tunesischen Zentralbank gemopst haben. Dafür würde ihr selbst Karl Lagerfeld eine Legging aus seinem Zopf weben.

     

    Die Nahostexperten allerdings sind aus dem Häuschen. Da wird jetzt was in die Mikros scholl-latourt: Das ist nur der Anfang! Auch andere geknechtete Völker werden ihre Despoten bald in die Verbannung schubsen! Da werden Besen gefressen, wenn Gaddafi nicht binnen Jahresfrist eine Stinkbombe in seinem Zelt hat. Ganz zu schweigen vom Verursacher des doofsten deutschen Ägypter-Wortspiels: Mu-barak. Ich selbst kanns gar nicht erwarten, dass dieser Witzfellache endlich in einen saudischen Wellness-Bereich verdunstet. Und so geht’s weiter: Bouteflika, Mohammed VI., Assad, Achmadinedschad – alle werden sie in einer Pauschalhölle verschmoren. Club Méditerrornée.

     

    Das klingt alles fein, aber es gibt natürlich auch lethargische Völker, die die Kraft zum Umsturz nicht aufbringen. Die schlagen sich weiterhin mit Leuten wie Angela Merkel rum. Und der bleibt gar nichts anderes übrig, als sich an der Macht zu halten. Für sie ist der Weg nach Saudi-Arabien versperrt: Sie ist weiblich – und ihr Großwesir auch. Die beiden würden sie schon am Flughafen in Riad rausziehen, wegen Schmuggels von XX-Chromosomen. »Heim zum Scheich«, das läuft da nicht. So viele Kamele kriegt der Schäuble gar nicht zusammen, dass die die nehmen.

     

    Also wird halt irgendwie weiter laviert. Bislang war das kein großes Problem. Revolution ist einfach nicht das Ding des Deutschen. Das hat er nur einmal hingekriegt, ’89, aber da hats auch vierzig Jahre Vorbereitung gebraucht – und heute haben alle Bananen. »Wutbürger«, »alternativlos« – Quatsch! Wenn es in Deutschland mal Gesellschaftskritik gab, dann von wutlosen Alternativbürgern. Hierzulande war Revolte immer eher so eine Art Kesselexplosion: Man wartet ein paar Jahrhunderte, bis der Druck groß genug ist – und dann macht man gleich die ganze Welt platt.

     

    Trotzdem muss Angela Merkel aufpassen. Wir haben grade eine einmalige revolutionäre Situation: Rekordwirtschaftswachstum - und fünf Euro mehr für Hartz IV-Empfänger; 30% für die Grünen, protestierende Schwaben, einen verfassungswidrigen Haushalt in NRW, Olympiagegner mit Mistgabeln, verstörte Afghanistan-Veteranen, Frauen-Fußball-WM und an der Südgrenze wartet Rainer Langhans mit einem Heer von Kakerlaken. Es ist nicht mehr weit bis Tunesien. Und die Kanzlerin hat ebenfalls eine prassende Gattin, auf die sich der Volkszorn richtet: Die FDP. Die muss als erstes weg. Aber wohin? Leute mit beachtlicher krimineller Energie hätten eine elegante Lösung: ins Tierfutter. So sind sie schon ihr Dioxin losgeworden. Fleisch bindet Umweltgifte – Dioxine, Hormone, Antibiotika, allen möglichen Dreck kann man da einlagern. Es gibt mittlerweile Steaks, die bestehen nur noch zu 50% aus Fleisch; also, wenn Sie Vegetarier sind - die Hälfte davon können Sie essen.

     

    Ich weiß gar nicht, was die Niedersachsen immer mit ihrem Gorleben haben. In dem Land gibt es Tausende Agrarbetriebe - Schweinezucht, Viehhaltung, Geflügelwirtschaft - da werden sich doch so ein paar Castoren unterbringen lassen. Hühner sind schnelle Brüter.

     

    Und die FDP mischen wir ins Heu für die Fleischkühe. Die Partei liegt momentan bei 3%. Im Parlament können wir die sowieso nicht mehr verklappen. Aber als Schadstoffgehalt ist es ganz anständig: Diese Frikadelle enthält 8% Dioxine, 5% Hormone und 3% Liberale. Das wird bei McDonalds die neue Alternative: Der Wut-Burger.


    Flattr this

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Gesetzesverrat

    Wenn man, mit stetig wachsendem Staunen, Kopfschütteln & Empörung verfolgt hat, was nach der Selbstanzeige der rechtsradikalen Mördergruppe (NSU) an Versäumnissen, ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Helden fürs Geld

    THOR KUNKEL rät im Endlos-Fall Wulff zu einer Rosskur und erklärt, warum ein Stöpselgroschen den Pluralis Majestatis ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter