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    Samstag, 19. August 2017 | 07:28

    Kennzeichen T - 01.11.2010

    01.11.2010

    Unser guter alter postadoleszenter Lebertest - die Bundeswehr

    Ein Jahr Schwarz-Gelb liegt schon hinter uns – und was soll man sagen? Die Bilanz ist gigantisch: Aufschwung, Rekordsteuereinnahmen, seit letzter Woche ist die Arbeitslosenzahl unter 3 Millionen! Ein größeres Kompliment könnte man der Demokratie gar nicht machen: Die gewählte Regierung hat ein Jahr lang rumgeduselt wie ein besoffener Kegelclub – und Deutschland geht’s prächtig!

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Umso dringender stellt sich jetzt die Frage: Warum will Schwarz-Gelb das Erfolgsrezept plötzlich aufgeben? Zum Ende der Sommerpause hat Angela Merkel offensichtlich das Ritalin abgesetzt, und seitdem zappelt sie durch die Agendas, dass einem ganz mulmig wird – Hartz IV, Elterngeld, Stabilitätspakt, Atomkompromiss, Wehrpflicht.

     

    Ja, tatsächlich: Die Wehrpflicht, unser guter alter postadoleszenter Lebertest, die Wehrpflicht soll abgeschafft werden. Viele Mittdreißiger wie ich haben größte Panik: Was soll nun aus uns werden? Ich bin jetzt 38, d.h. wenn es gut läuft, bin ich nur noch knapp vier Jahrzehnte von der Pflegebedürftigkeit entfernt. Aber meinen Zivi will man mir jetzt schon streichen! Ich werde 2050 46 Euro Rente kriegen, wen soll ich denn dafür tyrannisieren? Ich hatte mich so darauf gefreut, einen Neunzehnjährigen mit meinen Veteranengeschichten aus der Kabaretthölle zu nerven: „Weißt du, Jason-Sascha, als ich so alt war wie Du, da hatten wir keine Festplatten im Ohrläppchen. Ich hab’ meine Texte noch auswendig gelernt. Auswendig, verstehst Du, Du Drückeberger, AUSWENDIG!!!“

     

    Das hört sich doch freiwillig keiner an. Es sollen ja wirklich Freiwillige sein, die so manisch reaktionäre Opas, wie ich einer werde, betreuen sollen. 23 Monate hat die Kommission für den Ersatzdienst veranschlagt. Danach macht man sein Studium, dann das geforderte Praktikum - und dann ist man für die Wirtschaft zu alt. Es wird einen Run auf diese Stellen geben!

     

    Aber man muss ja nicht. Man kann ja auch freiwillig zum Barras. 15.000 Freiwillige sollen künftig Wehrsdienst leisten. Auch das - vielleicht ein bisschen optimistisch? Die PISA-Studie hat zwar gezeigt: Es gibt ein nicht zu unterschätzendes Reservoir beknackter Jugendlicher im Land - aber gleich so viele? Man kriegt die ja auch nicht alle. Die meisten, die die geistige Unterzuckerung mit dem nötigen Maß an Gewaltbereitschaft verbinden, sind nach der Schule im Knast. Oder haben keine deutsche Staatsbürgerschaft.

     

    Aber nein, sagt die Bundeswehr, solche Typen wollen sie ja auch gar nicht. Der Vorsitzende des Bundeswehr-Verbandes Ulrich Kirsch fordert, dass die Bundeswehr „im Wettbewerb um den besten Nachwuchs mit großen Unternehmen besteht.“ Tschaka! Das ist der Optimismus, mit dessen Hilfe wir schon zwei Weltkriege für uns entschieden haben! Einen Einser-Abiturienten überzeugen zu wollen, dass er sich das Hirn, das seine Noten zustande gebracht hat, in Afghanistan perforieren lässt. Zugegeben: Schulabgänger ballern sich schon mal den Kopf weg - aber hier ist er am nächsten Tag wieder drauf.

     

    Den ein oder anderen könnte die Bundeswehr sicherlich trotzdem anlocken. Dass das geht, wissen wir seit der Finanzkrise. Wie kriegt man intellektuell gesunde Menschen dazu, freiwillig alle zivilisatorischen Regeln über Bord zu werfen und durch ihren Beruf zum ethikfreien Soziopathen zu mutieren? Richtig, durch Boni. Wie bei den Banken. Man muss Leute prozentual an dem Schaden beteiligen, den sie anrichten: Ein Tanklaster zu Asche, zwei Mille in die Tasche.

     

    Problem ist: Die Bundeswehr ist ein staatliches Unternehmen. D.h. die Boni sind auf 500.000 Euro jährlich beschränkt. Jemanden mit dem Moralgerüst eines Josef Ackermann wird man dafür nicht kriegen. Also, mit Rambo wirds nichts werden. Aber immerhin: Einzelkämpfer. Weil wenigstens einer wird sich doch freiwillig melden ...


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    Kommentar:
    Super.
    | von lukeman, 02.11.2010

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