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    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 15:25

    Kennzeichen T - 18.01.2010

    18.01.2010

    Hindukuscheln!

    Wehrvogt Guttenberg hat sich mit Margot Päpstin Käßmann angelegt. Dass wir das noch einmal erleben dürfen: Adel und Klerus treffen sich zur Schlachtbesprechung! MATHIAS TRETTERs "Kennzeichen T" – jetzt regelmäßig in TITEL.

     

    „Komm zur Ruhr“, so lautet, glaubt man den örtlichen Organen, die Hymne der vergangenen Woche. Nun ist das keineswegs ein Aufruf, sich in Zeiten der Schweinegrippe doch auch mal eine Infektion des Darmtrakts zuzuziehen - auch wenn Revier-Rhapsode Grönemeyer durchaus den Unterleib zur Tonerzeugung nutzt; nein, was ihm da ganz tief aus dem Bauch kommt, ist die Einladung zum Kuscheln.

     

    Deutschland friert, und wer friert, der muss zusammenrücken. Also wird jetzt überall geknuddelt. In Wildbad Kreuth hieß es „Komm zur Kur“. In Berlin gibt’s Reibungswärme bei der Kanzlerin; zum Krisengipfel bittet sie: „Komm zu Papa“. Und Wehrvogt Guttenberg hat sich an Margot Päpstin Käßmann wund geschubbert: „Komm zur Besinnung“.

     

    Und da wird’s interessant. Der Rest wird längst vergessen sein, wenn Tief Daisy abgezogen ist; aber Guttenberg und Käßmann - die Begegnung ist historisch. Dass wir das noch einmal erleben dürfen: Adel und Klerus treffen sich zur Schlachtbesprechung! Zwei Stände, die eigentlich schon ausgestorben sind; aber wenns um Krieg geht, sind sie Experten. Ganz anders als der Plebs. Das wussten schon die alten Preußen. In Preußen war das Bürgertum vom Militärdienst befreit. Aus gutem Grund. Schauen Sie sich die Reste von Bürgertum an, die wir noch haben - die FDP. Westerwelle, Brüderle, Dirk Niebel - wollen Sie mit denen Krieg führen? Das einzige, was die FDP jemals hervorgebracht hat, war ein Fallschirmjäger. Und der hat nichts gerissen.

     

    Der Freiherr und die Bischöfin dagegen, die kennen sich aus. Die wissen beide: Krieg ist das stärkste Werbeumfeld. Wenn die Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen wird, wo soll Guttenberg die tollen Fotos von sich machen lassen? Und woher kriegt Frau Käßmann die humanen Sätze? Sie braucht die unbedingt. Wenn sie in ihrer Kirche nicht bald alleine glauben möchte, muss sie populäre Sachen sagen. Sätze wie: „Beim militärischen Auftrag in Afghanistan muss das Zivile Vorrang haben.“ Bingo! Das würde jeder sofort unterschreiben. Obwohl es so realistisch ist, wie Steuersenkungspläne der Liberalen. Oder: „Nichts ist gut in Afghanistan!“ - vollkommen richtig, Frau Käßmann. Aber das Gleiche könnte sie auch über Afrika predigen. Oder das Essen von Hartz-IV-Empfängern. Oder die SPD. Nur: Mit solchen Sätzen kommt man nicht zu Beckmann.

     

    Um ihre Werbeschlagkraft noch zu erhöhen, tun sie sich jetzt zusammen, das Verteidigungsressort und die evangelische Kirche. Sie wollen, haben Käßmann-Guttenberg nach ihrem Tête-à-tête verkündet, in Zukunft engeren Kontakt pflegen. Der Durchschnittsprotestant und der Durchschnittsinfanterist fragen sich da natürlich: Wie? Was haben ausgerechnet die beiden miteinander zu schaffen? Mit Verlaub, eine naive Frage. Die Behörde, die für Jenseitsbeförderung zuständig ist, und die Institution für Jenseitsverwaltung - natürlich gibt’s da Überschneidungen.

     

    Und bevor man sich in die Haare kriegt, schafft man lieber Synergie-Effekte: Der Graf von Monte Hardt hat Santa Margot letzten Montag höchstselbst ins Krisengebiet eingeladen. Ein PR-Geniestreich: Metaphysik meets Militär. Die Vorsitzende der EKD mit dem OB beim KSK im HQ in Masar-i-Scharif - man weiß gar nicht, wohin mit den coolen Abkürzungen! Sie darf dort tolle Fotos von sich machen lassen, und er wird die humanen Sätze sprechen. Das Ziel ihres Konkordatseinsatzes wurde auch schon formuliert: Hindukuscheln. Oder, wie es der Pottbewohner ausdrückt: „Komm am Kundus!“

     

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