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Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 51)

14.12.2009

Nicht ärgern lassen

Der satirische Wochenrückblick von MATHIAS TRETTER. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 51

 

Die Welt ist nicht gerecht. Manche Menschen z.B. müssen Sonntag für Sonntag Hunderte von Wörtern in Form einer so genannten Radiokolumne in den Äther schwadronieren, und werden dafür nicht ein einziges Mal auf der Straße erkannt. Bei anderen wiederum reicht eine windige Formulierung für Weltruhm. ‚Brutalstmögliche Aufklärung’ - das hört man, egal, in welchem Winkel der Erde - und weiß sofort, von wem es stammt: Der größte Dichter, den Eschborn jemals hervorgebracht hat. Der Bezwinger des ZDF. Dort hat er den Chefredakteur jetzt erfolgreich aus dem Amt rhapsodiert. Nikolaus Brender musste gehen, weil, so lautete die Dichtung, die Einschaltquoten nicht gestimmt haben. Prosaisch ausgedrückt: Der hat zuwenig Kochshows gemacht.

Oder ‚Yes, we can.’, auch so eine Formulierung. Drei Wörter genügen, um den Friedensnobelpreis zu bekommen. Selbst wenn man gerade zwei Kriege führt. Der nordkoreanische Regierungschef dagegen führt keinen. Wer hat den Preis jetzt mehr verdient - Obama oder Kim Jong-Il?

Natürlich Obama. Weil er so einen Satz formulieren kann. Es gibt noch Dutzende solcher Ausdrücke. ‚Blühende Landschaften’ - und sofort kriegt ein ganzer Saal Appetit auf Birnen. ‚Kanzlerin aller Deutschen’ - da vergeht der Appetit wieder. ‚Wie Flasche leer’. Kein Mensch käme auf die Idee, diesen Halbsatz zu korrigieren. Jeder weiß: Das ist die unsterbliche Poesie des späten Giovanni Trappatoni.

‚Panta rhei’ ist auch so ein Satz. Heißt soviel wie ‚Alles fließt’ und stammt von Heraklit, dem Trappatoni der vorsokratischen Philosophie. Heraklit setzt sich darin mit der Haushaltspolitik seines Heimatstaates auseinander; leider beantwortet er nicht, wohin alles fließt. Und bis heute haben es Finanzexperten nicht herausgefunden: Wohin plätschert in Griechenland die Liquidität?

Die neue griechische Regierung hat gerade ein Haushaltsdefizit von 13% eingeräumt. Erlaubt sind in der EU 3%. Das ist wie ein LKW-Fahrer, der mit 2 Promille fährt - und zwar bei jeder Tour. Man kann dem neuen Kabinett in Athen keinen Vorwurf machen. Sie sind noch nicht mal zwei Monate im Amt - und die vorherige Regierung meinte, das Defizit liege bei 6%. Also, ein Lasterfahrer, der mit immer noch mit einem Promille unterwegs ist, aber zumindest bei Bewusstsein.

Da gabs nach der Vereidigung für die neuen Obergriechen eine böse Überraschung. So wie für die FDP bei uns. Einziger Unterschied: Bis auf die Liberalen wusste bei uns das ganze Land, dass kein Geld da ist. 16% Defizit - was macht man da? Die FDP würde als erstes die Steuern senken. ‚Wachstumsbeschleunigungsgesetz’ heißt das dann. Auch ein Ausdruck, der bleiben wird. Bedeutet übersetzt: Wir beschleunigen die Pleite, denn auch am Bankrott kann man wachsen.

Griechenland allerdings hat keine FDP. Deshalb müssen wir damit rechnen, dass wir bald von griechischen Wirtschaftsflüchtlingen überrollt werden - also Flüchtlingen, die eine Wirtschaft eröffnen. Machen Griechen ja gerne, wenn sie im Ausland sind. Der Durchschnittsdeutsche kennt sie eigentlich nur als Eiweißlieferanten. Das war schon in meiner Kindheit so: Immer Freitagabends gings mit der ganzen Familie ins ‚Mykonos’ - und dort wurde abgefüttert: Fleischgerichte mit Fleischbeilagen und Fleischgetränken. Und was nicht aus Fleisch war, war frittiert. Die haben sogar den Mokka in der Friteuse gebrüht.

Ergebnis: Die gesamte Familie war bis Montag gesättigt. Samstags gabs gar nix zu essen, sonntags die Hostie bei der Kommunion - mehr haben wir am Wochenende nicht gebraucht. Außerdem haben wir dadurch die lästigen Verwandtschaftsbesuche abgestellt. Weil die ganze Brut sonntags so gestunken hat, das auf Omas Wohnzimmertisch die Alpenveilchen verwelkt sind. Und die waren aus Plastik.

Also, wir sollten anfangen, in unseren blühenden Landschaften brutalstmögliche Auffanglager für Griechen einzurichten. Integrationskurse, wo ihnen das Frittieren abgewöhnt wird. Alles fließt, aber die Friteuse bleibt wie Flasche leer. Angela Merkel ist schließlich die Kanzlerin aller Deutschen, nicht aller Gyros-Brutzler. Und wenn die sagen, das könnt ihr doch nicht machen, dann soll sie sich an Obama halten: Yes, we can. Oder an einen Satz, dessen Schöpfer irgendwann auch alle kennen werden: Liebe Griechen, nicht ärgern lassen!

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