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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 22:39

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 44)

    26.10.2009

    Nicht ärgern lassen

    Man stelle sich vor, der FDP-Vorsitzende kommt mit Schweinegrippe zum Spitzengespräch! Angela Merkel weiß gar nicht, wohin mit ihrem Mitleid: „Das ist ja furchtbar! Was ist denn mit Ihnen los?“ Darauf sagt das Virus: „Ich hab’ mir ’nen Westerwelle eingefangen!“ - Der satirische Wochenrückblick von MATHIAS TRETTER

     

    Jetzt ist es raus. Wir haben es immer schon geahnt, aber seit Anfang letzter Woche gibt es Gewissheit: Politiker werden gedopt. Und zwar mit Komplizenschaft ihrer Hausärzte. ‚Celvapan’ heißt das Mittel, das sich Kabinettsmitglieder reihenweise in die Venen jagen lassen. Das ist ein Impfstoff gegen Schweinegrippe, den die Bundesregierung bei einem internationalen Pharma-Dealer namens Baxter bestellt hat; ein spezieller Impfstoff allerdings, ohne Wirkungsverstärker. Drogen werden ja oft gestreckt, um den Profit zu erhöhen. Bei Schweinegrippe-Mitteln ist das nicht anders. Es gibt nur eine kleine Menge hochreinen Stoffs, der soll an die Politiker gehen; der Rest, die verpanschte Impfplörre, ist für die Bevölkerung vorgesehen.

           

    Nun könnte man argumentieren, Politiker brauchen das. Sie sind eine Hochrisikogruppe. In ihrem beruflichen Umfeld tummeln sich viel mehr Schweine, als zum Beispiel im Elektrofachhandel. Politik ist eine Sauerei, das pfeifen die Spatzen von den Dächern; zumindest die, die die Vogelgrippe überlebt haben. Wenn man unseren Volksvertretern da nicht das Beste spritzt, was man kriegen kann, haben wir bald eine komplett malade Regierung. Die Koalitionsverhandlungen kranken ja schon von ganz alleine. Und dann stelle man sich vor, der FDP-Vorsitzende kommt mit Schweinegrippe zum Spitzengespräch! Angela Merkel weiß gar nicht, wohin mit ihrem Mitleid: „Das ist ja furchtbar! Was ist denn mit Ihnen los?“ Darauf sagt das Virus: „Ich hab’ mir ’nen Westerwelle eingefangen!“

    Trotzdem ging natürlich ein Aufschrei durch das Land: „Zwei-Klassen-Medizin!“ Es ist so langweilig! Diese Gleichheitsfanatiker immer! Schaut doch erst mal genauer hin, dann könnt ihr auch mal Spaß haben. Natürlich gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin; ich bin Kassenpatient, ich weiß wovon ich spreche. Bevor wir einen Termin irgendwo kriegen, therapieren wir uns lieber selber. Aber mit ein bisschen guten Willen kriegt man so eine Dialyse auch mit einem Kaffeefilter ordentlich hin.

    Aber in diesem einen Fall macht die Klassengesellschaft richtig Laune. Der Impfstoff, der für die Regierungsmitglieder vorgesehen ist, hat nämlich eine zweite Besonderheit: Er ist noch weniger getestet, als das Zeug, das für uns übrig bleibt. Da kann man doch froh sein, dass man nicht zur Politikerklasse gehört. Die Testlabors hatten offensichtlich eine Idee, die ganz schnell populär werden könnte: Uns sind die weißen Mäuse ausgegangen - nehmen wir halt die Merkel.

    Die Pharma-Industrie ist ja sehr bemüht, ihr Image ein bisschen aufzuhübschen. Vielleicht wird das die Werbestrategie der Zukunft. Nach dem Motto: Klar, wir sind dran schuld, dass halb Afrika ohne Tabletten dasteht; aber hey, schaut her: Wir testen Cholesterinhemmer an Roland Koch.

    Anti-Depressiva wären gerade auch nicht falsch. Schwarz-Gelb neigt mittlerweile zu Verzweiflungshandlungen. Sie wollten einen Schattenhaushalt installieren. ‚Schattenhaushalt’ - ein Wort so düster, da schwingt der Suizid schon mit. Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie deprimierend: Man stellt seine Schulden in den Schatten, so dass sie keiner mehr sieht. Also, eigentlich das gleiche, was Kinder tun, wenn sie vor etwas Angst haben: Hände vor die Augen - und schon ist das Monster weg.

    45 Milliarden von den Schulden, die die Regierung nicht mehr sieht, sollen an die Bundesagentur für Arbeit gehen. Ich denke mir, wenn sowieso soviel Geld nach Nürnberg fließt - warum nicht auch den Betrieb von Quelle aufrechterhalten? Als Schattenversandhaus. Alle Mitarbeiter behalten ihren Job; einmal im Jahr wird ein Katalog herausgebracht - den letzten hat ja auch schon der Staat bezahlt -, dort kann man Schattenprodukte bestellen. Das sind Artikel, die sofort geliefert werden, aber erst von den Enkeln bezahlt werden müssen. Und das wird solange weitergeführt, bis der letzte Quelle-Angestellte in Ruhestand geht. Und ich wette, dann ist unser Sozialsystem auch soweit, dass er eine Schatten-Rente bekommt.

    Guido Westerwelle droht ja schon lange, er wird irgendwann alles in den Schatten stellen. Psychologen nennen das Verdrängung. Der Normalbürger allerdings hat eine andere Diagnose: Schweinerei! Und deswegen: Angela, Horst und Guido - so schnell wie möglich impfen lassen!








    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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