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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 17:45

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 42)

    12.10.2009

    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von MATHIAS TRETTER. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk.

     

    Man kann es nicht mehr hören, aber es ist leider wahr: Es gibt schon wieder eine neue Bankenkrise in Deutschland. Nach KfW und Hypo Real State ist jetzt sogar die Bundesbank betroffen. Auslöser der Krise ist Thilo Sarrazin, Mitglied des Vorstandes. Der hat sich verspekuliert. Das Schrott-Papier, das er zu verantworten hat, heißt Lettre International. Das ist ein so genanntes Intelligenz-Blatt. Und dem hat der Berliner Ex-Finanzsenator ein Interview gegeben. Nun haben Intelligenz-Blätter leider einen Nachteil: Man darf sich dort seitenlang auslassen; der Leser solcher Publikationen ist vom Wesen her sowieso gelangweilt, also labert man halt, bis das Diktaphon zerbröselt. Und da ist es dann nicht verwunderlich, wenn einem die ein oder andere Schote rausrutscht.

            

    Bei Sarrazin waren es die Araber und die Türken in Berlin. Die seien gewaltbereit, wollten sich nicht in die Gesellschaft integrieren, die Sprache nicht lernen, lägen dem Staat auf der Tasche und täten eigentlich nichts, außer Kinder zu zeugen. Da sage ich als toleranter Mensch: Stimmt! Aber das Gleiche tun auch Deutsche, die keinen Schulabschluss haben.

    Das allerdings hat Sarrazin vergessen zu erwähnen - oder vermieden; jedenfalls gibt’s Geschrei. Man könnte ja denken, so ein paar knackige Ausfälligkeiten gegen Ausländer von einem politischen B-Promi, das ist jetzt auch nichts Neues. Willkommen in Rüttgers’ Club. Trotzdem hat die Presse gleich wieder Alarm geschlagen. Ich glaube, jede deutsche Redaktion hat mittlerweile einen Volontär nur für Reflexthemen. Der kauert irgendwo neben einem Kopiergerät und stanzt Phrasen. Zwei Arbeitsgebiete: Ausländerfeindliche Äußerungen und missratene Nazi-Vergleiche. Kommt dann wirklich sowas über die Lippen eines Mandatsträgers, haben die Kommentatoren sofort Munition: „Man könne doch nicht“ und „man müsse doch auch“, „gerade wir sollten doch“, „natürlich Kritik“, aber „im Rahmen bleiben“, und „auch nicht verschweigen“, „Spiel mit dem Feuer“, „muss sich fragen lassen“, „mit so einer Geisteshaltung“, „Rücktritt!“.

    Es sind übrigens nur die Türken und Araber, auf denen Sarrazin rumhaut. Man tendiert fast dazu zu denken, ach komm, das ist ja einfach. Bei so einer Diskriminierung muss man sich doch auch mal eine Herausforderung suchen. Mal was gegen die Schweden in Deutschland sagen, oder so. Gegen die Köttbullarisierung der Gesellschaft.

    Aber nein, alle anderen Völker lässt Sarrazin gut wegkommen. Nur die islamischen Migranten, die sind ihm ein Dorn im Auge. Die bildeten Parallelgesellschaften, die seien eine Gefahr. Warum denn immer nur die? Vielleicht liegt es daran, dass man bisher noch nichts von einem Mexikaner oder Chinesen gehört hat, der seine Tochter ehrenmeuchelt und ab und zu mit einer Bombe im Rollkoffer in den Regionalexpress steigt.

    Was passiert jetzt mit Sarrazin? Sein Chef hat ihm den Rücktritt nahegelegt, denn entlassen kann ihn nur der Bundespräsident. Aber Horst Köhler? Der ist ja viel zu beschäftigt mit Jubiläen und Ausstellungseröffnungen. Vergangene Woche z.B. hat er beim Gewerkschaftsjubiläum gesprochen. Der Staat müsse die Profitgier bändigen, hat er gesagt. Eine echte Präsidenten-Rede: visionär, repräsentativ und ohne jede Relevanz. In einer Wettbewerbsgesellschaft soll die Regierung das Gewinnstreben reduzieren - er könnte auch vorschlagen, bei Hundert-Meter-Läufen das Gerenne zu verbieten.

    Von dem droht Sarrazin keine Gefahr. Falls er doch entlassen wird - die NPD hat ihn gleich als Ausländerbeauftragten vorgeschlagen. Was sie wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass der Mann in dem Interview auch betont, dass osteuropäische Juden, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen, Chinesen, Vietnamesen, Inder sich toll integrieren, meistens sogar bessere Schulnoten haben und leistungsbereiter sind als die Deutschen?

    Es bestätigt mal wieder ein Vorurteil: NPDler können noch nicht mal lesen. Wer integriert eigentlich die in die Gesellschaft? Wie lange können wir es uns noch leisten, mit Analphabeten, von denen viele keine Arbeit haben und die latent gewaltbereit sind, zusammen zu leben? Ich glaube, der richtige Weg in der Integrationspolitik ist ganz einfach: Man sollte die Arschlöcher aus dem Land schmeißen, egal welcher Nationalität. Klar, ich höre da jetzt schon den Einwurf: Wer nimmt freiwillig unsere NPDler? Da muss man kreativ sein. Man könnte die Glatzen an Nordkorea verkaufen, als Sprengköpfe.

    Übrigens: Hat eigentlich jemand mal nachgefragt, aus welchem Land die Familie des Ex-Finanzsenators nach Deutschland gekommen ist? Sarrazin, Sarrazin… Die Sarazenen waren ein Volksstamm aus - raten Sie mal? Richtig, Arabien. Also: Der Mann muss es wissen. Die Parallelgesellschaft reicht mittlerweile bis in den Bundesbank-Vorstand. Nicht ärgern lassen!




     




    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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