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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 05:34

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 39)

    21.09.2009

    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von MATHIAS TRETTER. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk.

     

    Schon wieder eine neue Woche, dabei haben wir die letzte noch gar nicht verkraftet. Haben Sie das Fernsehduell auch gesehen? Was für eine Sendung! Die beiden spritzigsten Naturelle der deutschen Politik treffen aufeinander. Baldriantropfen diskutieren mit einer Wanderdüne. Es soll Leute geben, die am Sonntagabend eingeschaltet haben - und bis heute nicht aufgewacht sind.

    Ich frage mich, wie die überhaupt auf den Namen gekommen sind - „Duell“? Bei einem Duell gehen bekanntlich zwei Kontrahenten mit Waffen aufeinander los - und danach ist einer von beiden tot. Merkel und Steinmeier waren weder Kontrahenten noch hatten sie Waffen - und das einzige, was sie totgeschlagen haben, war Zeit.

    Im Nachhinein wird natürlich trotzdem debattiert: Wer hat das Fernsehduell gewonnen? Ich würde sagen Frank Plaßberg. Der war so von sich überzeugt, er sollte nach der Wahl wirklich mit einem Amt belohnt werden: das Bundesrechthaber-Ministerium im neu errichteten Friedman-Bau oder so was.

    Angela Merkel hat er richtig hart ran genommen - mit der Frage: Wissen Sie, was in Berlin ein Haarschnitt kostet? Ich dachte, was will er denn jetzt damit andeuten? „Gehen Sie endlich mal zum Friseur, Frau Merkel! Kostet in Berlin fünf Euro - und nen Fünfer werden Sie doch noch haben, um sich die Friese stutzen zu lassen.“

    Aber Plaßberg hat sich mit der Frage natürlich nur angeschlichen. Er wollte auf den Mindestlohn hinaus. Clever, oder? Das ist knallharter investigativer Prime-Time-Journalismus. Vier Moderatoren, die sich anschleichen, um dann ihr Opfer mit einer Frage zu überraschen, die schon 70000 mal beantwortet wurde. Und wer am lautesten schleicht, macht am besten Werbung für sich - Schleichwerbung, die ist nicht auszurotten im Öffentlich-Rechtlichen. So genanntes Product-Placement. Oder in dem Fall: Product Placeberg.

    Es ist kein Wunder, dass Guido Westerwelle sogar schon vor Gericht gezogen ist, weil er da nicht dabei sein durfte. Erfolglos, natürlich. Die Sender haben ein unschlagbares Argument, warum sie Westerwelle nicht zum Fernsehduell einladen: Sie wissen nicht, auf welche Seite sie ihn stellen sollen. Neben Merkel oder neben Plaßberg?

    Trotzdem: Ich persönlich bin bei der Wahl für Schwarz-Gelb. Nicht aus politischen Gründen. Sondern weil ich unbedingt Guido Westerwelle als Außenminister erleben will. Allein die Vorstellung: Angela Merkel und Guido Westerwelle auf Staatsbesuch - in einem arabischen Land! Jedes Mal vorher die Diskussion: Wer von beiden muss den Schleier tragen?

    Und wenn die dann da ankommen, in Saudi-Arabien oder im Jemen, die Gesichter der Araber möchte ich sehen: ein weiblicher Regierungschef und ein schwuler Minister - da fällt den Mullahs der Krummdolch aus dem Kaftan!

    Das wäre endlich mal ein Fanal für die Toleranz. Westerwelle trifft einen religiösen Fundamentalisten. Benedikt z.B. kommt wieder nach Deutschland - der würde sich mit Westerwelle wunderbar verstehen. Westerwelle hat ja in seinem Wahlkampf immer wieder betont, er möchte vor allem die Familie stärken. Ja, er und Benedikt, sie sind beide Experten für Familienplanung.

    Wer die SPD wählt, unterstützt natürlich auch eine Minderheit. Wobei das eher schon unter Artenschutz fällt. SPDler stehen auf der Roten Liste. Früher hat man sich gefreut, wenn man mit seinem Kind durch den Wald gegangen ist und ein Käuzchen gesehen hat. Jetzt läuft man über den Marktplatz: Kuck mal, kuck mal, ein Sozialdemokrat!!!

    Ich habe erst gestern wieder so eine Ortsgruppen-Vorsitzende vor einer Drogerie stehen sehen: einsam unter ihrem Sonnenschirm, mit trauriger Dauerwelle, ihre einzige Gesellschaft war ihr Doppel-Name - ich werde ganz nachdenklich, in solchen Momenten. Ich esse keinen Thunfisch mehr, ich pflücke keine Orchideen, ich spende für die letzten Pandas - vielleicht sollte ich doch auch lieber SPD wählen. Und die sollten ihre Wahlwerbespots endlich entsprechend aufbereiten. Ich möchte Professor Grzimek sehen: „Ein possierliches Tierchen - der Steinmeier.“ Nicht ärgern lassen!




     




    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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