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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 17:48

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 24)

    08.06.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 24

     

    Jetzt war er also da, Barack Obama, der neue Chef von General Motors. Er hat sich mit Angela Merkel getroffen, das ist die Insolvenzverwalterin von Opel. Und zwar in Dresden, der Stadt, in der Volkswagen den VW Phaeton baut, der auch nicht läuft. Volkswagen wiederum ist die Auffanggesellschaft für Porsche.

            
     
    Frau Merkel hat Barack Obama im Grünen Gewölbe empfangen. In der Schatzkammer von August dem Starken, dem Fort Knox von Sachsen. Ja, sie wollte ein bisschen auf dicken Hosenanzug machen. Dort lagern Schmuck und Diamanten in einem Wert, dagegen ist das Bruttosozialprodukt von Dänemark ein Taschengeld. Sie hat ihn mit stolzgeschwellter Brust herum geführt: „Barack, look here, das können wir alles verkaufen, um Opel zu retten.“

    Und was man so hörte - es hat ihn mächtig beeindruckt. Spiegel o­nline meldete ja Mitte der Woche, Obama soll schwäbische Vorfahren haben. Und es haut natürlich umso mehr rein, wenn es ein alemannischer Sparstrumpf ist, dem man die Kronjuwelen unter die Nase jubelt. In Stuttgart wird bereits gefeiert: Der erste Schwabe im Weißen Häusle! Obama hat ja schon seinen Slogan aus Baden-Württemberg geklaut: „Yes, we can - alles. Außer Hochdeutsch.“

    Ich frage mich langsam, was sich eigentlich noch alles in dem Mann unterbringen lässt: Irische Urahnen hat er, der Vater ist Kenianer, die Mutter Amerikanerin, seine Vornamen sind Barack Hussein, aufgewachsen ist er in Hawaii und Indonesien, er war in einer muslimischen Schule, sein Großonkel hat Buchenwald befreit, jetzt ist er auch noch irgendwie an der Erfindung der Maultasche beteiligt gewesen - also an seiner Stelle würde ich langsam Angst kriegen. Der muss ja nur mal Blut spenden. Irgendeiner zweigt an paar Milliliter für ein Gentest ab, und dann ist es raus: Obama ist der Stiefcousin von Kim Yong Il und der Nachfahre eines Zimmermanns aus Galiläa.
    ‚Wolperdinger‘ hätte man früher zu so jemandem gesagt. Aber das war vor der Political Correctness. Heute nennt man ihn einen ‚Afro-swabo-kelto-amerikanischen evangelischen Christen mit lichtabsorbierender Hautpigmentierung‘.

    Außerdem ist er General Motors-Chef. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, als den Laden zu übernehmen. 30 Milliarden hat Obama reingesteckt, damit die Firma den Sommer übersteht. Was nach dem Sommer kommt - naja… der Herbst. Aber bis dahin wird Obama wieder neues Geld aufgetrieben haben, für die nächste Milliardenspritze. Und so geht’s weiter.

    Es gibt eigentlich nur noch einen Haken: General Motors produziert auch Autos. Und die will keiner. Aber bevor man jetzt wieder Ingenieure und Designer einstellt, um neue Fahrzeuge zu entwickeln - die Kosten! Warum eliminiert man nicht einfach das eigentliche Problem - und das ist der Kunde. Der muss raus aus der Absatzkette: Man baut die ollen Chevrolets und Buicks weiter, aber bietet sie nicht mehr zum Verkauf an. Dann trennt man sich nach und nach von den Zwischenhändlern, und wenn die Sanierung abgeschlossen ist, läuft das Förderband direkt in den Schrottplatz rein.

    Bei der Hypo Real Estate geht es ja schon so ähnlich. Das operative Geschäft ist gelaufen, es wird nur noch eine monatliche Rente von der Bundesregierung kassiert. Der nächste Kandidat ist Karstadt. Die denken sich auch: Wenn der Laden nicht mehr läuft, gehen wir in Pension. Leider haben sie sich bei Karstadt verrechnet. Sie waren nämlich schon vor der Finanzkrise in den Miesen. Aber die Bundesregierung sagt: Nur wer Mist gebaut hat, als alle Mist gebaut haben, kriegt Milliarden.

    Die Krise machts natürlich trotzdem schlimmer für Karstadt. Dadurch werden Leute arbeitslos. Dann wechseln sie von Karstadt zu Rewe. Dann irgendwann von Rewe zu Aldi. Und wer lange genug erwerbslos war, geht zum Einkaufen an die Tankstelle. Denn da gibt’s alles, was er braucht. D.h. wenn die Kaufhäuser wieder Kunden gewinnen wollen - einfach eine Zapfsäule an den Eingang stellen. Und das Sortiment an Dosenbier verbreitern. Und vor allem: Nicht ärgern lassen!

    ©Mathias Tretter


     




    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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