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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 07:25

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 18)

    27.04.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 18

     

    Entschuldigen Sie, dass ich Ihre Aufmerksamkeit jetzt für vier Minuten beanspruche - ich weiß, Sie haben dieses Wochenende weiß Gott Besseres zu tun. Zumindest, wenn Sie Kunde von T-Mobile sind. Sie dürfen heute kostenlos SMS verschicken, als Entschädigung für den Netzausfall am letzten Dienstag. Sensationell! Es wird erwartet, dass so viele Kunden dieses Angebot nutzen, dass das Netz wieder zusammenbricht. An mir soll es nicht liegen, ich bin schon den ganzen Morgen am Tippen. Wenn wir nämlich noch einen Crash herbeiführen, dürfen wir nächstes Wochenende vielleicht schon kostenlos telefonieren. Und dann wird das Netz noch mehr überlastet, und kollabiert erst recht. Spätestens übernächstes Wochenende haben wir bei T-Mobile einen Wunsch frei.

            

    Und ich werde mir wünschen, dass das Netz eine Woche lang ganz abgeschaltet wird. Was war das paradiesisch, am Dienstagnachmittag: 40 Millionen Deutsche, die einmal die Fresse halten müssen.

    Ich saß im ICE - und plötzlich machte sich eine gespenstische Stille breit. Das bin ich an sich gewöhnt: Ich wohne in Leipzig. Wenn ich aus Westdeutschland nachhause fahre - spätestens ab Fulda bin ich der einzige Fahrgast. In Bad Hersfeld flieht dann auch noch das Zugpersonal. Und wenn ich in Leipzig ankomme, ist die Leitstelle dort immer wahnsinnig dankbar, dass ich die Lok vorbei bringe.

    Aber am Dienstag war ich gar nicht Richtung Osten unterwegs. Und plötzlich diese Stille! Man erschreckt im Zug ja leicht dieser Tage, wo sich immer mehr Manager aus der Krise in die Transzendenz flüchten - und dabei auch die Gleisanlagen der Deutschen Bahn nutzen. Aber nein, wir fuhren ganz normal weiter, es war einfach nur still.

    Ich war so ergriffen, ich möchte Ihnen das kurz mal vorführen - es hörte sich ungefähr so an, passen Sie auf:____________________________________________. War das nicht wunderbar? Also, ich könnte das immer haben. Es ist derart entspannend, und inhaltlich übertrifft es jedes Politiker-Statement. Das ist jetzt keine billige Polemik. Ich möchte damit nicht sagen, das Politiker nichts sagen; nein, die Kunst der Politik ist es, nichts zu sagen - und das zu relativieren; so dass der Gegner, der auch nichts sagt, nichts findet, womit er das Nichts des anderen nichtig erscheinen lassen kann. Das Ergebnis nennt man Debatte. Und die macht Geräusche: Viel Lärm um nichts. Da hört sich doch das sehr viel besser an: _____________________________________________.

    So wäre Politik erträglich. Aber Angela Merkel ist auf dem richtigen Weg. Daher rühren auch ihre tollen Umfragewerte. Wir müssen es ja bei jeder Wahl hören: Die Nicht-Wähler werden immer wichtiger; Leute, die sagen: Wenn wir schon wählen, dann nicht. Und Angela Merkel ist eine Virtuosin des ‘nicht‘. Was sie in dem Bereich alleine letzte Woche wieder vollbracht hat: Die Bundesregierung hat nicht an der Anti-Rassismus-Konferenz teilgenommen, um Achmadinedschad nicht aufzuwerten. Gut, das war einfach, dafür haben wir in Deutschland Gerhard Schröder. Sie hat Opel nicht gerettet; dafür haben wir in Deutschland bald FIAT - ich freue mich so darauf, wenn hier die ersten Vectras mit Bambini-Motor durch die Kante knattern; wenn auch bei Höchstgeschwindigkeit der Fuchsschwanz schlaff am Außenspiegel baumelt. Sie hat die Krise wieder nicht gelöst, dafür haben wir in Deutschland nächstes Jahr fünf Millionen Arbeitslose. DGB-Chef Sommer und Gesine Schwan warnen sogar vor sozialen Unruhen. Pfff! Also, wenn 40 Millionen Deutschen das Handy abschmiert, und von Revolution ist keine Spur, dann wird sie das bisschen Mangel an Arbeit auch nicht jucken. Denn Arbeitslosigkeit klingt genauso wie ein Mobilfunkcrash - und zwar so: _______________________________________________. Sie sehen, ob Handytod oder Jobverlust, es geht bei beiden um das Gleiche: Ruhe bewahren. Und: Nicht ärgern lassen!

    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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