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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 16:58

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 16)

    10.04.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu hören im Hessischen Rundfunk, zu lesen im Titel-Magazin. Woche 16

     

    Günter Grass ist wieder da! Wir hatten ja eigentlich gedacht, er hätte sich längst in ein kaschubisches Kartoffelgericht verwandelt, aber nein: Der größte Literat des Universums, der je SPD-Mitglied war, mischt wieder mit. Im Wahlkampf. Er würde wieder in die SPD eintreten, hat er gesagt, wenn sie sich so ändert, wie er es wünscht. Und was soll ich Ihnen sagen? Zu solchen Bedingungen würde ich sogar in die NPD eintreten. Ach was, schlimmer: in die FDP. Ich sage, was läuft, dafür kriegt ihr als Mitglied den Titel-Kolumnenkaspar. Schauen Sie sich das Personal der Liberalen an - das wäre doch prestigemäßig ein echtes Schnäppchen!

    Und dann würde ich sagen, was ich will - und zwar jeden Tag etwas anderes. Und am nächsten Tag das Gegenteil davon. Das Seehofer-Prinzip. Ich würde denen solange den Horst machen, bis der Westerwelle austritt.

    Und ich würde natürlich alles nachplappern, was Obama sagt. Das ist momentan Pflicht in der Politik. Obama will eine Welt ohne Atomwaffen. Also hechtet Frank-Walter Steinmeier zum nächsten Mikrofon und verkündet, er auch. Alle Wahlkämpfer hängen an Obamas Lippen, um ja nichts zu verpassen, was sie ihm nachsprechen könnten. Und er sagt ja auch so tolle Sachen: Wir müssen die Muslime respektieren. - Ja, genau!, schreien die Wahlkämpfer. Wir brauchen Klimaschutz. - Und wie! Der Finanzmarkt darf nicht mehr machen, was er will. - Bingo, Barack! Wir müssen mit gemäßigten Taliban verhandeln. - Nie was anderes beabsichtigt! - Ich weiß noch, wie Kurt Beck vor zwei Jahren für genau die gleiche Forderung zum Naiv-Bär aus der Simpelpfalz erklärt wurde. Aber wenn es Obama sagt… Der könnte auch eine weltweite Ächtung des Spargelanbaus fordern - Angela Merkel würde die Bundeswehr nach Schwetzingen schicken, um die Ernte zu vernichten.

    Ich bin gespannt, ob Steinmeier mit seiner Anti-Atombomben-Politik auch offiziell Wahlkampf machen will. Ich seh‘ schon die SPD-Plakate: „Deutsche Sprengköpfe - ohne uns!“ Das wäre endlich mal ein Wahlversprechen, das sie einhalten könnten. Denn Deutschland hat gar keine Atomwaffen. Clever, nicht wahr? Ich hätte noch ein paar Vorschläge für coole Slogans: „SPD - Gegen den Hunger in Mittelhessen.“ - „Sigmar Gabriel sagt Nein zur Abholzung des deutschen Regenwalds.“ - „Sozialdemokratie jetzt! - Für Frieden mit den Palästinensern“ Für den deutschen Stammtischwähler noch ein bisschen was Alarmistisches: „Rettet Peer Steinbrück!“

    Es kursiert ja jetzt schon das Gerücht, dass der schweizerische Geheimdienst ein Liqudierungskommando auf Steinbrück angesetzt hat. Den Schleifer des Bankgeheimnisses. Den Robin Hood des EStG. Den Eidgenossen-Klatscher.

    Da haben sie gekuckt, die Schweizer. Als sie plötzlich auf der Liste der Schurkenstaaten standen. Jetzt ist natürlich die Frage, was macht man mit denen, wenn sie in Zukunft nicht kooperieren. Nun ja, Obama ist noch neu, da orientiert man sich am besten an seinem Vorgänger. Also, mich würde es nicht wundern, wenn bald Satelliten-Fotos im UN-Sicherheitsrat präsentiert werden, von schweizerischen LKWs, mit Geheimkonten auf der Ladefläche. Und kurz danach hechtet Steinmeier hinterher: Er hat auch Bilder gemacht. Mit dem Handy. Von jedem Laster, den er in Zürich gesehen hat. Also, er ist für Luftschläge. Und er hätte auch gleich einen Vorschlag: Man könnte die Sprengköpfe über der Schweiz entsorgen.

    So gewinnt man Wahlen. Die ganze Schweiz in Flammen. Damit gewinnen sie sogar den Grass zurück. Endlich wieder ein Brand - das ist es doch, was der will. Nicht ärgern lassen!


    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007




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