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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 04:32

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 13)

    23.03.2009


    Nicht ärgern lassen

    „Liebe Brüder und Schwestern! Höret die frohe Botschaft: Lasst euch vom Glauben anstecken.“ Es gibt sogar einen neue katechetischen Merksatz: „Es verflucht euch Benedikt, wenn ihr mit Kondomen - spielt.“

     

    Endlich eine gute Nachricht! Die Finanzkrise geht ihrem Ende zu. Die Bundesregierung konnte zu Beginn der Woche die entscheidende Wende verkünden: Die Rentner bekommen mehr Geld, durchschnittlich 28 Euro 80! Damit werden sie für die 28.000 getröstet, die sie in isländischen Pensionsfonds verloren haben. Angela Merkel war ganz stolz: „Damit wird der Binnenkonsum gestärkt.“ Ja, die Pensionäre werden einen Hurrikan in der Konjunktur entfesseln. Es wird ein Ansturm auf Apotheken und Kaffeefahrten erwartet. Granufink fährt bereits Sonderschichten. Sogar für Opel gibt es Hoffnung. Die Fertigungsstraßen in Rüsselsheim werden gerade umgerüstet. Dort laufen in Zukunft jeden Tag 10.000 Strickwesten vom Band.

            

    Endlich werden die Alten integriert. Opa hau‘ das Erbe raus, die Landesbank steht vor dem Aus! Die haben Erfahrung - die haben das Land schon mal aus der Zerstörung geholt. Nach dem Krieg hieß es: Erst aufbauen, dann konsumieren; in der Krise ist es umgekehrt. Wir brauchen Trümmerfrauen im Einzelhandel, die die Katastrophe wegshoppen. Mit 28 Euro 80. Wir haben 20 Millionen Rentner, das sind Monat 580 Millionen Euro mehr, die in den Kassen der Konsumtempel landen; davon gehen 100 Millionen an den Staat, der damit die Boni der Banker stützen kann. D.h. die Senioren müssen einfach nur 40 Jahre Powershoppen, um die Hypo Real Estate zu retten. Das sollte kein Problem sein, die deutsche Gesellschaft wird ja immer älter. Man muss halt irgendwann schauen, wie man die 105jährigen in ihren Betten in die Einkaufszentren kriegt.

    Aber die Bundesregierung macht bei der Rente nicht halt. Überall wird aufs Wirtschaftswunder zugearbeitet. Der Hartz IV-Satz steigt ebenfalls, von 351 auf 359 Euro. 8 Euro Plus! Bald werden sich die Neider wieder melden. Philipp Mißfelder, zum Beispiel. Das ist dieser Nachwuchsdarwinist der Jungen Union, der Senioren keine neuen Hüftgelenke gönnt. Der meinte kürzlich, die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes für Kinder sei ein Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie. Den Satz hat er bei einem Frühschoppen gesagt. Ja, da ist in ihm der Neid durchgebrochen. Er hat sich gedacht: „Ich sitze auch hier, hab‘ mir das Großhirn zuschanden gesoffen - und? Kriege ich ‘ne Erhöhung?“

    Und jetzt noch mal 8 Euro mehr. Wenn man nach Herrn Mißfelder geht, scheint es ja mehr oder weniger Konsens in der Union sein, dass der gemeine Sozialhilfeempfänger seine Stütze wegpichelt. Da fragt man sich, wie stellt die CDU sich da die Ankurbelung das Konsums vor? Saufen für die Binnenkonjunktur! Für 8 Euro. Damit es davon ordentlich im Schädel dröhnt, muss man schon auf Spiritus umsteigen. Aber rauchen tun sie angeblich ja auch alle. Also, erst Industriealkohol, dann eine Kippe hinterher - am Ende behält Herr Mißfelder recht: Die Hartz-IV-Erhöhung verpufft.

    Also, wir sollten uns doch lieber auf die Senioren verlassen. Die sind aktiv, die konsumieren, da spielt das Geld keine Rolle, die lassen auch mal den lieben Gott einen guten Mann sein.
    Der Papst z.B. war in Afrika. Und komischerweise haben alle Päpste den gleichen Reflex: Immer, wenn sie auf dem Kontinent sind, müssen sie über Geschlechtliches reden. So eine Art rhetorischer Sextourismus. Sie helfen bei der Eindämmung der AIDS-Bekämpfung. Im Senegal zum Beispiel ist die Anzahl der Infizierten in den letzten Jahren unter 0,5% der Gesamtbevölkerung gesunken. Das kann so nicht weitergehen! Da muss der Missionar Stellung beziehen. Also hat sich Ratzinger hingestellt: „Liebe Brüder und Schwestern! Höret die frohe Botschaft: Lasst euch vom Glauben anstecken.“ Es gibt sogar einen neue katechetischen Merksatz: „Es verflucht euch Benedikt, wenn ihr mit Kondomen - spielt.“
    Nicht ärgern lassen!


    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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