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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:39

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 9)

    23.02.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 9

     

    Die gesundheitlichen Rückschläge bei Politikern nehmen kein Ende. Kaum geht es dem thüringischen Ministerpräsidenten besser, ist Peer Steinbrück erkrankt: Helfer-Syndrom. Den ersten Schub hatte er vor vier Monaten, als er sich hingebungsvoll um die HypoRealEstate gekümmert hat. Seitdem hat sich sein Zustand kontinuierlich verschlechtert. Für die anderen Banken hat er sich noch mehr aufgeopfert, der Wirtschaft hat er auf seinen gebeugten Schultern einen Rettungsschirm herangeschleppt; und vergangene Woche war schließlich der traurige Tiefpunkt der Krankheit erreicht: nun will er auch noch den notleidenden EU-Ländern helfen. Irland soll Geld von uns kriegen. Irland! Das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen in Europa. Das uns mit seinen Flohmarkt-Steuern Tausende von Arbeitsplätzen gemopst hat. Aber unser guter Steinbrück hat gehört, dass die armen Iren momentan nicht mal mehr genug Kohle haben, um alle ihre Guinness-Gläser zu vergolden - da kann er einfach nicht anders, da muss er was überweisen! Diese Woche hat er übrigens einen Termin bei Frau Wieczoreck-Zeul. Er wird ihr mal ordentlich den ministeriellen Dickkopf waschen: „Heidemarie, wir haben jetzt lange genug Entwicklungshilfe für Afrika geleistet - jetzt ist auch mal Monaco dran!“

           

    Und wir fragen uns natürlich alle: Helfer-Syndrom - was ist da frühkindlich schief gegangen, bei Peer Steinbrück? Ist das Rettungspaket ein Schrei nach Liebe? Angela Merkel hat ihm Wachsmalkreiden gegeben, damit er seine verdrängten Traumata ausdrücken kann. Er malt immer nur rote Zahlen.

    Bei der Hilfsneurose muss Steinbrück natürlich aufpassen, dass noch genug Steuergelder für OPEL übrig bleiben. Will die Bundesregierung ja am liebsten gleich aufkaufen. Das wäre dann ein staatlicher Automobilhersteller - das gabs zuletzt vor zwanzig Jahren. In Zwickau. Seit die Nachricht raus ist, explodieren im Osten die Umfragewerte für Angela Merkel: „Isch habs immö gewüssd: Das is’ eene von uns!“ Viele Ossis bestellen sich jetzt schon einen OPEL, damit sie ihn in fünfzehn Jahren kriegen.

    Und für die Linke brechen goldene Zeiten an. Banken und Betriebe werden verstaatlicht, jetzt solls sogar Zwangsenteignungen geben. Das fetzt!, würde man im Osten sagen. Ich freue mich schon auf Lafontaines neue Wahlparole: Junkerland in Bauershand!

    Die Aktionäre der Hypo Real Estate sollen tatsächlich ihre Wertpapiere abgenommen kriegen. Nun, ob man das in dem Fall ‚Wertpapiere’ nennen kann? Ich würde eher sagen, der Staat kratzt den Schlick aus dem Portfolio. Die sollen froh sein, wenn sie den Dreck los sind. Warum werden eigentlich nicht die enteignet, bei denen sich es lohnen würde? Jeder Steuerzahler in Deutschland bürgt momentan mit 14.300 Euro - nur für die Banken; da ist das Geld, das schon für solche Leitungsträger-Anstalten wie KfW, IKB, BayernLB rausgehauen worden ist, noch gar nicht mitgerechnet. Und da möchte man doch auch ein bisschen was für haben. Man könnte doch dem Ackermann mal die Klimaschleuder unterm Heuschreckenpopo wegpfänden. Ja, ich weiß, jetzt heißt’s gleich wieder, der Ackermann kann nichts dafür, der kriegt ja gar keine Staatshilfen. Die Deutsche Bank schaffts alleine. Das meint er auch. Deswegen hat er grade im SPIEGEL verkündet, sein Laden müsse sich nicht an die Gehaltsbegrenzungen für Banker halten. Ich denke mir immer, Mensch, der Sepp, wie kommt der nur immer auf sowas? Das muss der Sauerstoffmangel im Tresorraum sein. Wenn der Steuerzahler nicht die ganzen anderen Schrottbanken gerettet hätte, wäre seine Pleite-Klitsche auch längst den Main runter gegangen.

    Also, dafür kann man auch mal seine S-Klasse hergeben. Die soll der Staat an einen bulgarischen Gebrauchtwagen-Händler verkaufen - damit auch die Seriosität gewahrt bleibt -, und mit dem Erlös kann Peer Steinbrück in Not geratene Schweizer Juweliere unterstützen. Und Angela Merkel kriegt die Quittung. Mit Wachsmalkreide gekritzelt. Nicht ärgern lassen!



    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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