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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:36

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 7)

    09.02.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 7

     

    Bevor ich heute zum Rückblick auf die letzte Woche komme, möchte ich mich zunächst ganz herzlich bedanken bei Benedikt XVI. Sein päpstlicher Ratschluss hat mir etwas gegeben, was ich im Krisenjahr 2009 bislang vermisst habe: ehrliches, tief gefühltes Vergnügen. Vier Pius-Brüder hat er aus der Exkommunikation geholt. Ohne Benedikt hätte ich wahrscheinlich nie mehr in meinem Leben an die Anhänger des französischen Hardcore-Schismatikers Marcel Lefevbre gedacht. Dabei sind die Jungs das Lustigste, was die katholische Kirche seit dem Zölibat hervorgebracht hat. Die hauen einen Lachpsalm nach dem nächsten raus: Frauen gehören an den Herd, und nicht an die Uni, Hosen sollten sie auch nicht tragen, der Mensch stammt selbstverständlich nicht vom Affen ab, und der Sitz der Erbsünde sind, wer hätte es gedacht, die Geschlechtsteile - gut, werden Sie sagen, soweit nichts Besonderes, das hört man auch in jeder zweiten CSU-Ortsgruppe.

            

    Aber die Pius-Brüder gehen weiter: Schuld an allem sei die französische Revolution! Jawoll! Wenns die nicht gegeben hätte, wären wir heute alle glückliche Mittelalter-Christen! Wir würden fröhlich in die lateinische Messe gehen, und danach beim Sonntagsfrühschoppen Met saufen, statt die blöde Kolumne von dem Tretter zu lesen. Unser Geschäft würden wir in die Grube neben der Wirtschaft verrichten; und wenn wir uns genug Glaubensfuror angetrunken hätten, würden wir losziehen - zum Protestanten klatschen! Den Mustafa würden wir mit dem Morgenstern aus der Dönerbude dengeln, und Frau von der Leyen würde brennen.. Es gäbe keine Diskussion um Abtreibung und Sterbehilfe, denn wir hätten ja die Pest.

    Aber der fiese Robespierre und der finstere Danton habens uns vermasselt. Jetzt müssen wir uns mit Demokratie, Sanitäranlagen und der Telekom rumschlagen; und Homosexualität gibt’s jetzt auch außerhalb der Klöster.

    Was Weihrauch in so einem Schädel anrichten kann! Wie lautete die Definition von Immanuel Kant - „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Und genau hinter den Ausgang wollen die Pius-Spinner zurück. Einige haben es schon ein ganzes Stück geschafft. Der englische Bischof Richard Williamson, z.B. Es ist kein Wunder, dass der die Gaskammern leugnet - das dreizehnte Jahrhundert kennt kein Zyklon B.

    Benedikt selber hat natürlich von alledem nichts gewusst. Der ratzt in seinem Petersstüberl vor sich hin, und will doch nur die Schäfchen zu sich kommen lassen. Manchmal sind halt Blödhammel mit dabei. Und jetzt hat er den Hirtensalat.

    Er sollte sich mal ein Vorbild an der anderen großen Glaubensgemeinschaft nehmen, die genauso so viele enttäuschte Anhänger hat wie der Katholizismus: die Deutsche Bahn. Da werden die Mitarbeiter noch beachtet. Wenn der Williamson nicht Bischof wäre, sondern Zugbegleiter - sie hätten ihm schon vor Jahren die Kutte verwanzt.

    Hartmut Mehdorn hat allerdings gleich soviel Daten sammeln lassen, dass seine Festplatte abgestürzt ist. Jetzt hat plötzlich auch er von nichts gewusst. Egal, er wird sowieso bald kleinere Brötchen backen müssen. Wahrscheinlich wird er bei Märklin übernehmen. Die brauchen dringend einen Bahn-Sanierer. Und Mehdorn hat ein Konzept, mit dem er die Spielwaren-Welt revolutionieren kann: Die erste Modelleisenbahn mit Verspätung. Also, Hartmut, zurück zur Schmalspur! Und immer dran denken: Nicht ärgern lassen!


    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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