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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 25. Juni 2017 | 10:42

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 4)

    19.01.2009


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Woche 4

     

    Der erste gute Vorsatz für 2009 ist umgesetzt: Ich leiste endlich Widerstand. Seit Anfang des Jahres bescheiße ich konsequent das System. Wenn ich beim Mediamarkt an der Kasse nach meiner Postleitzahl gefragt werde - ich hab’ mir extra die Postleitzahl von Reinhardtsdorf-Schöna rausgesucht, in der Sächsischen Schweiz. Dort hat die NPD 25%. Es ist die 01814. 01814. Schreiben Sie sichs vielleicht auf: 01814. Haben Sie’s? Ich sag’ die jetzt überall, bei jedem meiner Auftritte. Und wenn wir alle an der Kasse immer diese Postleitzahl sagen, dann baut Mediamarkt dort eine Filiale - und dann viel Spaß mit den Volksempfänger-Kunden!

    Genauso mache ich es bei Wirtschaftsforschungsinstituten. Ich erzähle nur Unsinn. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, bei mir klingelt mittlerweile alle zwei Tage das Telefon. Und was die einen dann fragen: Beruf, Verdienst, Lebensverhältnisse, ob ich mit einer Frau zusammen bin - das würde ich nicht mal meiner Freundin erzählen. Früher hab’ ich es natürlich immer abgelehnt; aber ich habe gemerkt, es ist viel besser, wenn man antwortet:

    Mathias Tretter, hallo.
    Aber gerne nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit für Sie.
    Nein, Sie stören überhaupt nicht. Meine Freundin hat grade die ersten Wehen, das kann warten.
    Nee, fragen Sie ruhig.
    Ich? Kabarettist.
    Ähm..wie soll ich Ihnen das erklären - äh.. so eine Art Comedy.
    Ja, so ähnlich wie Mario Barth, nur für Leute mit Schulabschluss.
    Moment, da muss ich ganz kurz überlegen. - - Ähh, etwa 70-80000 Euro.
    Nein, monatlich selbstverständlich. Was glauben Sie denn?
    Reine Unkosten, genau.
    Ja, Flüge, Transfers, Restaurants, Taxifahrten, die ganze Crew, das Sound-Equipment, die Pyrotechnik, die Security - da kommt was zusammen!
    Natürlich Security! Sie glauben ja nicht, wie aufdringlich diese Weiber manchmal sind.
    In Leipzig. Zweitwohnsitz.
    270 Quadratmeter.
    Alleine.
    Die hat ‚nen Schlüssel, aber nur, damit sie nachts raus kommt.
    Aber gerne können sie mir Informationsmaterial zuschicken. Ich geb’ Ihnen mal meine Privatadresse. Das ist die Ludendorffstr. 33, in 01814 Reinhardtsdorf-Schöna.
    Ja ich bin immer dankbar für Infomaterial. Bis zum nächsten mal.

    Man kanns natürlich auch ganz hart betreiben - und überhaupt keine Informationen mehr rauslassen. Keine Kundenkarten, keine ec-Karten, keine Kreditkarten. Alles Geld vom Konto abheben und nur noch bar bezahlen. Keine Quittungen mehr ans Finanzamt. Telefongespräche nur noch aus der Zelle, Internet nur noch im Internet-Café, Briefe grundsätzlich ohne Absender. Reservierungen immer auf den Namen Angela Hilton. Keine Reisen mit Flugzeugen mehr. Im Auto kein Navi. Kein durchgängiger Kleidungsstil - gut, hat ein Großteil der Deutschen sowieso schon; also lieber durchgängiger Kleidungsstil, das ist verwirrender. Häufig wechselnder Haarschnitt. Kein Kontakt zu den Nachbarn - haben auch die meisten schon. Wer will, kann mit Bekannten öfter mal die Wohnung tauschen. Es nicht ganz billig und ein bisschen anstrengend. Aber spätestens, wenn Sie sehen, wie Mehrdorn, Piech und Obermann in die Klapse gebracht werden, wissen Sie: Es hat sich gelohnt. Nicht ärgern lassen!

    ©Mathias Tretter





    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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