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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 07:32

     

    Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 41)

    06.10.2008


    Nicht ärgern lassen

    Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 41

     

    Imperien stürzen ein, Welten kollabieren, dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. Die beiden größten Großmächte der Gegenwart sind dabei, den Löffel abzugeben: die USA und die CSU. Und der hutlose Bürger stellt sich bang die Frage: Über wen sollen wir uns in Zukunft aufregen? Unsere ganze Moral kommt uns abhanden, wenns keine Schweine mehr gibt.


              


    Für Menschen wie mich sind diese Tage apokalyptisch. Die CSU hat mein ganzes Leben lang regiert; die letzte Wahl ohne absolute Mehrheit lag zehn Jahre vor meiner Geburt. Aber darüber durfte zuhause nicht gesprochen werden. Bei den Amerikanern ist es noch schlimmer: Ich bin quasi aufgezogen worden mit CARE-Paketen der US-Armee; als Ende der Siebziger Jahre Hamburger und Kaugummi zu uns nach Unterfranken kamen, da wussten wir alle: Jetzt sind wir gerettet! Meine Eltern haben sofort angefangen, unser zerbombtes Haus wiederaufzubauen.

    Und von da an haben die Schwarzen und die Amerikaner nicht mehr aufgehört, mich zu versorgen: Ob Strauß und Schalck-Golodkowski, Iran-Contra-Affäre, der besoffene Renterrammer Wiesheu, GrenadaPanamaLibyen, Amigo-Affäre, Lewinsky-Affäre, Hohlmeier-Affäre, Guantanamo, Landesbank-Desaster, Abu Ghraib, Transrapid - sie waren immer für mich da! Ohne die USA und die CSU wäre ich heute vielleicht gar kein Kabarettist, sondern Möbelverkäufer im Kanton Graubünden. Und damit soll es jetzt vorbei sein?

    „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Meinte zumindest Friedrich Hölderlin, bevor er ganz in der Umnachtung, d.h. in Tübingen verschwand. Ich glaube, er ahnte schon etwas von Horst Seehofer und den Chinesen. Soviel Ironie hätte ich nicht mal der Geschichte zugetraut: Ein Ehebrecher und die Gelbe Gefahr sollens jetzt richten.

    Wenn Sie in einem zurechnungsfähigen Bundesland wohnen, können Sie sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen: Die CSU nennt sich ja bekanntlich christliche Partei, und es gibt tatsächlich Gegenden in Bayern, wo das ernst genommen wird. Man hat dort keinen Bahnanschluss und kein DSL-Kabel, aber einen direkten Draht zum Allmächtigen. Und diesen Menschen setzt man jetzt Horst Seehofer vor, die fleischgewordene Berliner Unzucht. Nicht nur Parteivorsitzender, nein, sogar Ministerpräsident soll er werden. Landesvater! - als würde ihm ein Wechselbalg nicht reichen. Die Stammtische zwischen Cham und Dingolfing brennen. Was ist, wenn der Papst nochmal nach Bayern kommt - darf der Seehofer den treffen? Und wenn dann ein Blitz in ihn fährt? Dann wird der Söder Ministerpräsident! Der Söder!! Ein Mann, so sympathisch wie ein Klärbecken, und noch dazu Franke - das muss verhindert werden!!

    Für die anderen Fundamentalisten kommts noch dicker: Ganz Amerika sitzt bei der Schuldnerberatung. Sie haben Nationalinsolvenz angemeldet. Als erstes müssen natürlich die Kosten reduziert werden. Irakkrieg, Afghanistan, CIA-Flüge - alles viel zu teuer. Guanatanamo - die Häftlinge sollen sich selber unter Wasser tauchen. Weißes Haus, Kongress, Senat, Republikaner, Demokraten - alles überflüssig, alles einsparen! Die Teile, die noch rentabel sind, werden in einem Portfolio gebündelt und an einen Shanghaier Hedgefond verkauft, zum symbolischen Preis von einem Dollar. Das amerikanische Volk wird zerschlagen und in mehreren Tranchen an chinesische Zeitarbeitsfirmen transferiert. Die Dollarnoten, die noch im Umlauf sind, übernehmen taiwanesische Monopoly-Hersteller. Und die vakant gewordene Landmasse des nordamerikanischen Kontinents geht an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch, der dort Kunstaustellungen plant. Bleibt am Schluss nur die Frage: Wohin mit George W. Bush? Die Verklappungskosten will niemand übernehmen. Ein christlich delirierender Provinzknilch, Exalkoholiker und überführter Lügner; also, da denke ich mir, bei so einem politischen Profil - der Zeitpunkt war nie günstiger, für eine Karriere in der CSU. Nicht ärgern lassen!

    ©Mathias Tretter









    Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







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