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    Samstag, 22. Juli 2017 | 22:55

    Kennzeichen T - 01.06.2012

    01.06.2012

    Ein Herd für Kinder

    Da rede noch einer über Griechenland! Wie jüngst zu erfahren war, fehlen in Deutschland 160000 Krippenplätze und 3800 Kilometer Stromleitungen. Das sind Probleme, Ihr flennenden Souvlakibratzen! Es gibt weiß Gott Schlimmeres, als am Mittelmeer zu lümmeln, den Tauschhandel wiedereinzuführen und sich von Günter Grass was an die Ruine rhapsodieren zu lassen.

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Wir wissen nicht, wohin mit unserem Strom. An Pfingsten gabs soviel Sonne, gegen unsere Solaranlagen war das iranische Atomprogramm eine Autobatterie.  Aber was nützt einem ein Sack voll Volt, wenn man sie nirgendwo hinleiten kann?

     

    Strom ist wie Hackfleisch – er lässt sich nicht aufheben, er muss verbraucht werden. Nur: Die Zahl der Verbraucher um ein Solarfeld herum ist begrenzt. Natürlich ist es schön und gut, regionale Produkte zu kaufen; aber selbst der größte Photovoltaikfan hat irgendwann genug davon, tagsüber das Licht anzulassen und bei offenem Kühlschrank mit den Herdplatten zu heizen.

     

    Vom Wind ganz zu schweigen. Was allein aus der Nordsee an erneuerbarer Energie kommt, ist unverantwortlich. An der schleswig-holsteinischen Küste – wo man hinschaut Watt. Und dann haben wir auch noch die Altlasten der Wende: Die DDR ist ja nahtlos von der Diktatur zum Windpark übergegangen. Es muss einem doch zu denken geben, dass es in Sachsen-Anhalt 1100 mal so viele Propeller gibt wie Kleinflugzeuge. Und der Strom, der dort anfällt, das ist ein typischer Ossi: Der will in den Westen. Aber er schafft es nicht rüber, weil die Infrastruktur fehlt.

     

    Also sollen jetzt so genannte „Stromautobahnen“ gebaut werden. Da sag’ ich: Vorsicht! Wenn einer in Deutschland im großen Stil Autobahnen bauen will, dann ist meistens was faul. Bis 10. Juli können Sie noch Einwände erheben. Ich kann nur raten, informieren Sie sich, liebe Leserinnen – am Ende haben Sie einen Trafo in den Tulpen stehen.

     

    20 Milliarden Euro soll das Vorhaben kosten. Unsäglich. Statt dass wir ganzheitliche Projekte finanzieren. Synergien schaffen. Eltern kriegen jetzt bald Betreuungsgeld, damit sie ihre Kinder nicht in eine Kita schicken. D.h. der Staat zahlt einen dafür, dass man etwas nicht tut. Wenn das Schule macht – ich würde damit meinen Lebensunterhalt verdienen: Fünfmal die Woche nicht in die Stadtbibliothek, Polizisten ignorieren und Bürgersteige nicht betreten.

     

    Aber selbst wenn man Kitas doch benutzen wollte, sie sind ja sowieso nicht da. Trotzdem gibt es eine Garantie auf einen Platz. Ab August 2013 können Eltern das einklagen. Und dann zahlen die Kommunen dafür. Dabei wäre alles so einfach: Wir bauen keine Stromtrassen, sondern stecken das Geld in Kindertagesstätten. In denen dem Nachwuchs als erstes Stromkompetenz beigebracht wird. Simple Merksätze: „Bei Sonne und Wind, schalt’ den E-Herd an, Kind!“ – „Bei Flaute und Nacht wird Feuer gemacht!“ Am dritten Geburtstag gibt’s für jedes Kind einen Abschlusstest – und ratet mal, was die die kriegen, die bestehen? Richtig, eine Herdprämie.

     

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    habe beim Lesen harter Fakten lange nicht mehr so gelacht, merci!
    | von Marion Klötzer, 02.06.2012

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