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    Mittwoch, 26. April 2017 | 13:42

    Kennzeichen T - 24.02.2012

    24.02.2012

    Das Präsidentenamt verluthert!

    Die Zahlen sprechen für sich: Laut ZDF-Politbarometer finden 69 Prozent der Deutschen die Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gut. Der Rest sind Katholiken. 31 Prozent hängen in Deutschland der römischen Konfession an, und 31 Prozent hätten lieber ein anderes Staatsoberhaupt. Das kann kein Zufall sein. Joachim Gauck ist ein fleischgewordenes Schisma. Die Protestanten jubeln: Wir sind Bundespräsident! Die Katholiken haben Benedikt, wir haben Gauck!

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Auch gesamtdeutsch ist es natürlich eine Sensation: Die beiden wichtigsten Institutionen des Christentums, Vatikan und Bellevue, beide in deutscher Hand! Ja, Bundespräsident ist das weltweit höchste evangelische Amt. Es gibt keinen Prediger, der mehr Gehör findet. Obwohl jeder weiß, dass er nichts ändern kann. Evangelischer geht’s gar nicht.

     

    Alle großen Bundespräsidenten waren Protestanten: Heuss, Heinemann, Weizsäcker. Das Wort »Präsident«, das wissen viele nicht, kommt von »Prädestination«. Die Vorherbestimmung, eine urprotestantische Idee – »Kismet« bei den Muslimen, den Protestanten Arabiens.

     

    Die Protestanten glauben, egal, was man tut, das Schicksal wird nur von der Gnade Gottes bestimmt. Da denkt natürlich jeder normale Mensch: »Kann ich mich ja locker machen! Wenns eh nur von der Laune des Alten abhängt – wo sind der Schnaps und die Weiber?«

     

    Aber Protestanten sind eben keine normalen Menschen. Die sagen, es ist zwar alles vorbestimmt, aber trotzdem ist es nicht egal, was ich tue. Je mehr ich leiste, desto mehr könnte es darauf hindeuten, dass Gott mich mag. Also, jede Religion ist ja ein bisschen gaga; aber die Protestanten haben wirklich nicht mehr alle Perlen am Rosenkranz! Daher rührt auch dieser leicht depressive evangelische Look. Weil denen das dauernd im Kopf rumgeht: Ich kann nichts ändern, aber trotzdem muss ich mich benehmen – da würde ich auch kucken wie Angela Merkel. Das mit Frau Merkels Mundwinkeln, das ist ja nur eine Verleumdung. Frau Merkels Mundwinkel sind ganz normal. Es ist einfach diese protestantische Schwermut, die an ihren Lippen zieht. Der so genannte Luther-Flunsch.

     

    Bei den Katholiken ist es das genaue Gegenteil. Die kennen Prädestination nicht. Die leben im Präsens, irgendwo zwischen Präcox und Pressack. Die Katholiken sagen: Nichts ist vorbestimmt, aber trotzdem ist es wurscht, was ich tue. Denn ich kann ja beichten. Dabei kommt natürlich eine ganz andere Sinnlichkeit raus.

     

    Deshalb sehen evangelische Kirchen innen immer aus wie Galeeren ohne Ruder, bei katholischen dagegen hat jeder viertklassige Märtyrer noch einen vergoldeten Hintern. Seit 2010 wissen wir auch, warum. Das war unter Ministranten lange Zeit eine feststehende Redewendung: »Das kannst du dir einen goldenen Hintern verdienen.«

     

    Aber mit viertklassigen Märtyrern haben Protestanten eben auch nichts zu schaffen. Bei ihnen gibt’s keine Heiligen. Deshalb brauchen sie den Bundespräsidenten geradezu, als kleinen Ausgleich. Wenn schon keine Schutzpatrone, dann zumindest einen Verfassungsheiligen: St. Gauck, der Nothelfer der Entwulfften. Möge er Ihnen den Joachimssegen spenden!

     

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