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Der FUTTERblog - streng verdaulich!

30.09.2011

In den Händen der Vitamin-Mafia!

Verdammt, der Herbst hat noch gar nicht richtig begonnen, und ich hab’ jetzt schon wieder die Schnauze voll: Nur einen Abend lang habe ich auf dem Balkon den veränderten klimatischen Verhältnissen getrotzt und schon tanzen die Bazillen auf meinen Schleimhäute Samba! Und bei Erkältung hilft nur eins: Vitamin C! Das sagt zumindest meine Freundin. Seit Tagen werde ich von ihr vollgepumpt mit Zitronenwasser, Hagebuttentee, Grünkohlsuppe, Sauerkrautsaft … Ja. Sauerkrautsaft!

 

Eine Kolumne von PHILIPP WEBER

 

Ich hab’ immer gedacht, das sei ein Mittel der Selbstkasteiung für bußfertige Katholiken, die sich zur Fastenzeit von den Sünden reinigen wollen. Mir war gar nicht bekannt, dass das Zeug auch gesund sein soll. Dem Bioladenbesitzer von meiner Freundin aber leider schon. Doch Sauerkrautsaft belegt nur Platz 2 auf der Liste »Vitamin-C-haltiger Folterinstrumente«. Unangefochtener Spitzenreiter ist und bleibt Zwiebelsud. Dabei werden rohe Zwiebeln mit Wasser und Zucker aufgekocht und dem Lebenspartner unter Androhung von Sexentzug in den röchelnden Rachen geschüttet. Aber das Zeug wirkt: Der einsetzende Brechreiz, ist so stark, dass einem die laufende Nase mit einem Schlag total scheißegal ist.

 

Ich hab meinen Arzt gefragt: »Herr Doktor, die ganze Vitamin-C-Fresserei hilft das überhaupt gegen Erkältung?«

Hat er gesagt: »Nein!«

Hab ich gefragt: »Gegen was hilft dann Vitamin C?«

Und wissen Sie, was er gesagt hat?

»Gegen Skorbut!«

Na, der geht ja auch gerade richtig rum, der Skorbut. Zumal er mir erklärt hat, zuviel Vitamin C mache keinen Sinn, weil der Organismus am Tag eh nur 10 mg Ascorbinsäure aufnehmen könne. Den Rest würde der Mensch einfach wieder rauspinkeln. Zusammen mit der Folsäure und dem Biotin … Früher war der Rhein ja eine Drecksbrühe, heute ist er eher so eine Art Multivitaminsaft!

 

Aber überall ist heute Vitamin C drinnen:

Sanostol+C

Aspirin+C

o.b.+C

 

Das letzte Beispiel war ein Witz.

 

Wir sind in der Hand der Vitamin-C-Mafia. Neulich hab ich in der Zeitung gelesen: Studie besagt: 61% der Deutschen nehmen bei Erkältung zu spät Medikamente. Und ich hätte dem sofort zu gestimmt, aber wissen Sie, wer die Studie in Auftrag gegeben hat? Die Pharmafirma STADA, Hersteller des Erkältungsmittels Grippostad C. Natürlich »C«! Ich frag’ mich wirklich: Wäre diese Studie auch veröffentlich worden, wenn das Ergebnis gezeigt hätte, dass die meisten Deutschen an einer Vitamin-Überdosis krepiert sind, bevor sich überhaupt ernst zu nehmende Krankheitssymptome zeigen?

 

Mein Arzt sagt übrigens: Das Immunsystem der meisten Menschen ist deshalb im Eimer, weil sie einfach viel zu gestresst sind. Noch wenn die Leute aus dem letzten Loch röcheln, rennen sie vermummt wie die Taliban durch die Gegend und schütten mit zitternden Händen Echinacin und Globuli aus kleinen braunen Fläschchen in den kratzenden Hals. Ganz so als wären sie Methadon schluckenden Junkies! Und ab geht’s zum nächsten Meeting, wo man den japanischen Geschäftfreunden seine Keime entgegen schleudert, damit Deutschland auch bakteriologisch Exportweltmeister bleibt.

 

Mein Arzt hat auch gesagt: »Herr Weber, wenn Sie krank sind brauchen Sie vor allem eins: Zeit. Zeit, um wieder gesund zu werden. Was Sie dabei trinken ist mir eigentlich egal, Hauptsache mindestens 3 Liter! Nehmen Sie sich Urlaub, legen Sie sich einen Tag ins Bett. Und statt Zwiebelsud trinken Sie lieber ein Bier.«

 

O.K.…

Das mit dem Bier ist doch eher ein Tipp von mir.

 

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