TITEL kulturmagazin
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Tatort 766/10 - 776/10

19.10.2010

Neu: Die TITEL-TATORT-Kurzkritik!

An dieser Stelle wird das Nachschlagewerk von RÜDIGER DINGEMANN seit Redaktionsschluss (Juni 2010) online fortgeschrieben und wöchentlich um eine Kritik der jeweils aktuellen Folge erweitert.

 

776/10 - Der Schrei (SWR)

Sendedatum: 17.10.2010

Ludwigshafen: Kopper / Odenthal

Drehbuch: Harald Göckeritz

Regie: Gregor Schnitzler

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Annika Kuhl, Roeland Wiesnekker, Fabian Busch, Jan Messutat

 

"Engelchen" nennt der Vater seine Tochter. Die Mutter ist eifersüchtig auf die Kleine. Nach dem Besuch in einem Vergnügungspark ist die Tochter abends aus dem Bett des Hotelzimmers verschwunden, als die Eltern vom Abendessen zurückkehren. Das Kind wird nach intensiver Suche tot im Gelände des Freizeitparks aufgefunden. In den Kreis der Verdächtigen geraten neben den Eltern auch zwei Männer, die sich allein im Park aufhielten. War es ein Sexualverbrechen?

 

Kritik: Der Film hält die spannungsaufbauende Balance zwischen den verschiedenen  Tatverdächtigen. Mit großem Einfühlungsvermögen führt die von starken Selbstzweifeln geleitete Lena Odenthal, die in anderen Folgen mehr ihre körperliche Fitness demonstrieren musste, in diesem Fall die Ermittlungen. Kopper, der sich mehr um seinen Neffen kümmert, bringt dennoch am Ende einen entscheidenden Hinweis. Die Lösung des Falles ist so überraschend wie banal.  

Fazit: Dennoch sehenswert

 

775/10 - Spargelzeit (WDR)

Sendedatum: 10.10.2010

Münster: Boerne / Thiel

Drehbuch: Jürgen Werner

Regie: Manfred Stelzer

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Jörg Hartmann, Agnieszka Piwowarska, Roland Kukulies

 

Osteuropäische Erntehelfer arbeiten bei Spargelbauer Pütz, dessen Ehefrau tot im leeren Swimmingpool liegt. Beim "Spargelkönig" wird zudem regelmäßig Spargel geklaut. Thiels Vater wird auf frischer Tat ertappt und muss in U-Haft. Während weiterer Nachforschungen stoßen die Ermittler auf eine zurückliegende Straftat: Die Tochter des Bauern wurde vor zwei Jahren vergewaltigt. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist angespannt. Kriminalassistentin Nadeshda ermittelt undercover unter den Erntehelfern. Das Ergebnis einer DNA-Reihenuntersuchung stellt schließlich eine Verbindung zu beiden Fällen her.

 

Kritik: Offensichtlich ist es schwer, immer wieder ausgefeilte, humoristische Dialoge zu schreiben. Die Lösung des Falles ist unerwartet. Diese Münsteraner Folge will zuviel: Die "Blödelei" ersetzt die Plausibilität.

Fazit: Mittelmäßig, kaum Spannungselemente, als Komödie ein unterhaltsamer Quotenbringer

 

Interview mit Rüdiger Dingemann auf BR2

 

774/10 - Die Heilige (BR)

Sendedatum: 03.10.2010

München: Batic / Leitmayr

Drehbuch: Magnus Vattrodt, Jobst Oetzmann

Regie: Jobst Oetzmann

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Anneke Kim Sarnau, Edin Hasanovic, Peter Rappenglück, Johanna Bittenbinder

 

Ein Strafgefangener erzwingt durch die Geiselnahme eines Mithäftlings, dass die Kommissare, die ihn vor Jahren ins Gefängnis brachten, in die Haftanstalt gerufen werden. Die Geiselnahme kann mit Hilfe des SEK unblutig beendet werden. Kurze Zeit später ist der Geiselnehmer jedoch tot. Er starb an einer Überdosis. Einem anderen Häftling gelang in der Zwischenzeit die Flucht aus dem Gefängnis. Fluchthelferin war Vollzugsbeamtin Lehner, was die Polizei nicht weiß. Lehner glaubt an den guten Kern des Geflohenen und will ihm zur zweiten Chance verhelfen.

 

Kritik: Eine sympathische Beamtin, die noch nicht vollends abgestumpft ihre Tätigkeit als Gefängniswärterin ausübt, bringt Häftlingen Mitgefühl entgegen und scheitert. Ein spannender Münchner Tatort, zwischen harter Realität und fiktionaler Überhöhung.

Fazit: Sehenswert

 

773/10 - Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen (RBB)

Sendedatum: 26.09.2010
Berlin: Ritter / Stark

Drehbuch: Beate Langmaack

Regie: Christine Hartmann

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Karoline Eichorn, Max von Thun, Tilo Prückner, Monika Lennartz

 

Ein junger bekannter Künstler wird von seiner eigenen Kunstinstallation erschlagen. War es Mord, ein Unfall oder Suizid? Die Kommissare ermitteln in der Kunstszene und im privaten Umfeld des Toten. Motive aus einem engen menschlichen Beziehungsgeflecht kommen ans Tageslicht. Zur gleichen Zeit scheidet ein Onkel von Till Ritter scheinbar freiwillig aus dem Leben. Der Kommissar kann es nicht fassen. Warum hat sein Onkel das getan? Erst später beim Sichten des Nachlasses findet Ritter eine Erklärung.

 

Kritik: Das eigentliche dramaturgische Highlight ist nicht der Tot des Künstlers, dessen Aufklärung spannungslos vorangetrieben wird. Wesentlich beeindruckender ist die Nebenhandlung, in der Ritters Onkel in einer wortlosen Szene den Entschluss fasst, seinem Leben ein Ende zu setzen und dann seinen letzten Gang antritt.

Fazit: Spannungslos

 

772/10 - Die Bluthochzeit (SWR)

Sendedatum: 19.09.2010

Konstanz: Blum / Perlmann

Drehbuch: Stefan Dähnert

Regie: Patrick Winczewski

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Petra Schmidt-Schaller, Peter Kremer

 

Ein entflohener Strafgefangener wird von seinem Komplizen vor den Augen der Polizei erschossen. Die Fahndung nach dem Täter führt die Kommissare zu einem Hochzeitsfest. Die Braut war vor Jahren Opfer eines erpresserischen Kidnappings, wofür der Ermordete verurteilt worden war. Die traditionell übliche Brautentführung bringt die junge Frau in höchste Gefahr, denn Blum vermutet unter den "Brautentführern" den Gesuchten. Eine Verfolgungsfahrt, die in die Berge führt, beginnt. Die Brautentführung fordert ein weiteres Opfer.

 

Kritik: Eine ausgefallene, fesselnde Geschichte. Die differenzierten Charaktere der Brautentführer lassen den Zuschauer bis zum Schluss miträtseln, wer der gesuchte Mörder unter ihnen ist. Ein weiteres Geheimnis wird gelüftet.

Fazit: Sehenswert

 

771/10 - Schmale Schultern (WDR)

Sendedatum: 12.09.2010

Köln: Ballauf / Schenk

Drehbuch: Stephan Wuschansky, Ulrich Brandt, Jürgen Werner

Regie: Christoph Schnee

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Pierre Besson, Nina Petri, Thomas Sarbacher, Sema Meray

 

Eine Frau wurde von ihrem Balkon gestürzt. Ein Graffiti in der Wohnung der Toten lässt nur auf den ersten Blick Vandalismus vermuten. Ihr Verlobter rückt in das Blickfeld der Kommissare: Er liegt mit seiner Ex-Frau im zähen und nervenaufreibenden Streit um Unterhaltszahlungen. Auch die  beiden Kinder sind von diesen Auseinandersetzungen schwer betroffen. Die desolate familiäre Situation spitzt sich zu und eskaliert.

 

Kritik: Authentische Milieustudie eines glaubwürdigen Scheidungskrieges

Fazit: Sehenswert

 

770/10 - Am Ende des Tages (HR)

Sendedatum: 05.09.2010

Frankfurt: Dellwo / Sänger

Drehbuch: Titus Selge

Regie: Titus Selge

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Jördis Triebel, Rolf Becker, Tom Schilling, Angelika Bartsch

 

Der Chef des Ermittlerteams, Rudi Fromm, steht kurz vor seiner Pensionierung. Frisch verliebt plant er mit seiner Freundin einen neuen Lebensabschnitt. Da wird die Freundin eines morgens vor seinen Augen in ihrer Wohnung erschossen. Der schockierte Fromm taucht unter; alle Indizien weisen auf ihn als Täter. Schon bald wird die Verbindung zu einem alten Fall, bei dem Fromm seine Schusswaffe einsetzen musste und eine junge Frau tödlich verletzte, deutlich.

 

Kritik: Überzeugender letzter großer Auftritt von Fromm, Sänger und Dellwo, die sich damit aus der Serie bedauerlicher Weise verabschieden.

Fazit: Sehenswert

 

769/10 - Glaube, Liebe, Tod (ORF)

Sendedatum: 29.08.2010

Wien: Eisner

Drehbuch: Lukas Sturm

Regie: Michi Riebl

Schauspieler: Neben Harald Krassnitzer u. a. Johannes Silberschneider, Matthias Weber, Sarah Tkotsch, Victoria Trauttmansdorff, August Zirner, Michou Friesz

 

Der Tod einer jungen Studentin wirkt wie eine Inszenierung. Sonderermittler Eisner stößt während seiner Recherche bald auf eine weltweit einflussreiche Sekte, der jede Strategie und jedes Mittel recht zu sein scheint, um negative Schlagzeilen über ihre Gemeinschaft zu verhindern. Dunkle Kanäle reichen weit in alle Etagen der Gesellschaft. Selbst die Tochter Eisners wird instrumentalisiert. Ein weiterer Mord geschieht.

 

Kritik: Eine weitere Variation des Scientology-Themas. Kein Fall ohne Tochter ...

Fazit: Eher thematisch überspannt als spannend

 

768/10 - Hauch des Todes (SWR)

Sendedatum: 22.08.2010

Ludwigshafen: Kopper / Odenthal

Drehbuch: Jürgen Werner

Regie: Lars Montag

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Lars Rudolph, Sven Pippig, Lars Eidinger, Judith Engel, Katja Bürkle

 

Der 50. "Odenthal"-Tatort bringt die Ermittlerin zu einem risikoreichen Entschluss. Schnell wird deutlich, dass es sich beim aktuellen Fall - dem Mord an einer jungen Frau, die auch vergewaltigt wurde - um die erneute Tat eines Serienmörders handelt. Nachdem das Opferprofil klar ist, bietet Lena sich als Lockvogel an, da sie genau in das Muster passt.

 

Kritik: Odenthal "joggt", wie so häufig, durch den diesmal bemühten wie überanstrengten Jubiläumstatort.

Fazit: Leider kein Highlight

 

767/10 - Operation Hiob (ORF)

Sendedatum: 04.07.2010

Wien: Eisner

Drehbuch: Max Gruber

Regie: Nikolaus Leytner

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Heribert Sasse, Jürgen Maurer, Hubert Kramer  

 

Als Müllmänner getarnte Killer richten auf dem Betriebsgelände einer Speditionsfirma ein Massaker an. Eisner übernimmt riskante Aufgaben. Er wird in die geheimen Tätigkeiten des Bundeskriminalamtes, die unter der Aktion "Hiob" gebündelt sind, eingeweiht. Das Transportunternehmen dient als Fassade für Heroinhandel. Verdeckte Ermittlungen sollen den Kopf der Organisation überführen.

 

Kritik: Auch für die Tochter wird's gefährlich. Warum müssen eigentlich so häufig Familienangehörige in Fälle involviert sein?

Fazit: Trotzdem sehenswert

 

766/10 - Heimwärts (MDR)

Sendedatum: 06.06.2010

Leipzig: Keppler / Saalfeld

Drehbuch: Heike Rübbert

Regie: Johannes Grieser

Schauspieler: Neben der Stammbesetzung u. a. Karl Kranzkowski, Swetlana Schönfeld, Johanna Gastdorf

 

Eine junge Altenpflegerin wird ermordet im Keller ihres Wohnhauses aufgefunden. Recherchen in ihrem privaten sowie beruflichen Umfeld bringen langsam mögliche Tatmotive ans Licht. Mit dem Freund hatte die junge Frau kurz vorher Streit. Sie wollte sich trennen. Der Chef des Pflegedienstes, für den das Opfer arbeitete, erweist sich nicht nur als Ausbeuter seiner Angestellten, er hat obendrein etwas zu verbergen. Der Tod einer alten Dame, bei der die Todesursache ungeklärt ist, stellt die Kommissare vor neue Rätsel.

 

Kritik: Die Gier macht auch vor sozialen Berufen nicht halt. Ein Fall, realitätsnah erzählt.

Fazit: Sehenswert

 

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schöne Idee, die Kurzkritiken zur deutschen Kult-Krimiserie. Sollte aber nicht noch deutlicher die riesige Spannbreite der Qualität angesprochen werden ? So war beispielsweise "Hauch des Todes" nicht nur leider kein Highlight, sondern an Dilettantismus kaum zu überbieten. Mehr als sehenswert dagegen der Film "Die Heilige"
| von Harry Koch, 21.10.2010

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