• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 18:30

    TATORT (SRF) - Skalpell (28.05.2012)

    24.05.2012

    Sorry wegen dem Auge

    Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit Skalpell eine neue starke Ermittlerin und einen weiteren spannenden Fall aus der Schweiz zu präsentieren« (Pressemitteilung). Das ist nicht falsch. Der Film beginnt mit einem Solidaritätslauf für ein Kinderhilfswerk, an dem auch der Chefarzt einer Luzerner Klinik, Dr. Lanther (Benedict Freitag), und sein Stellvertreter Marco Salimbeni (Thomas Sarbacher) teilnehmen. Gefällige Bilder. Allerdings wird Lanther auf der Strecke ermordet, ein Skalpell trifft seine Halsschlagader. Von WOLF SENFF

     

    In diesen Tagen – zwischen Champions League und Europameisterschaft – liegt nahe, zu fragen, ob TATORT nicht dem Fußball recht ähnlich ist. Gutes Spiel zeichnet sich durch schnelle, direkte Aktionen aus, überhaupt durch taktische Tempowechsel. Hervorragend, wenn ganz zum Schluss die Kraft da ist, Trümpfe auszuspielen. Das lässt sich locker auf diesen TATORT übertragen. Das Blickfeld auf die Verdächtigen wird mehrfach neu geöffnet, zunächst auf das Klinikpersonal, dann auf ehemalige Patienten. Die beiden Kommissare stoßen immer wieder neu vor, sie treffen auf ein stark tabuisiertes Thema und sind Konstellationen konfrontiert, die ihnen bis dato unbekannt waren. Etwa zu Beginn der zweiten Hälfte hilft kurz die neue Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) aus, das Tempo schaltet im Nu mehrere Gänge hoch. Zum Schluss wird noch draufgesattelt, für meinen Geschmack eine Lage zu viel, einen Tick zu gewollt.

     

    Die Spieler? Reto Flückiger (Stefan Gubser) ist allein schon dadurch, dass ein großes Ermittlerteam arbeitet, dosiert eingesetzt; das bekommt dieser Figur, denn in den Bodensee-Folgen wirkte er gelegentlich betulich. Die neue Kollegin füllt eine Lücke, die man zuvor gar nicht kannte, und diese Lücke füllt sie grandios. Auch sie: sparsam, zurückhaltend, die Dame macht sich rar, sie geizt mit ihrer faszinierenden Präsenz (Buch: Urs Bühler). Die Episodenfiguren sind so individuell gezeichnet, dass ihr Bild vor Augen bleibt. Sehr dicht, sehr konzentriert. Wie machen sie das? Ob es das von Grund auf derangierte Ehepaar Bucher (Rebecca Indermaur, Peter Jecklin) ist, die orientierungslose Alme Krasnici (Jessica Oswald) – »Sorry wegen dem Auge«  –, auch die junge Assistentin Brigit Bürki (Anna Schinz) – all ihre Auftritte, misst man sie nach Minuten, sind relativ kurz, die Wirkung desto intensiver (Regie: Tobias Ineichen).

     

    Skalpell öffnet den Blick in eine wenig bekannte Welt, behutsam, unaufdringlich, und vielleicht ruft das so viel Spannung und Anteilnahme hervor. Bereits die etablierte Welt der Ärzte hat Risse und Brüche, die Leitung des Kinderschutzbundes ist eigennützig, von persönlichen Motiven geprägt. Die  Heranwachsenden sind oberflächlich von ihrer Aggressivität dominiert, doch der Film zeigt einfühlsam auch die andere Seite: die Not, die Verlorenheit. Eindrucksvoll: der Verzicht auf Psychosprech.

     

    Es gefällt immer wieder, dass TATORT sich ein Thema gibt, das über die schnöde Aufklärung hinausweist. Nein, keine quietschenden Reifen. Ach, und eh ich’s vergesse: Hinterherlaufen inklusive Einfangen diesmal.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Angst und Begehren

    Joyces Dublin stinkt, aber Ulrich Lampen hält sich die Nase zu

     

    „Nichts anderes hätte ich erwartet“, würde James Joyce wohl die ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter