Und was für ein Wald! »Der Pfälzerwald«, unterrichtet uns Mario Kopper (Andreas Hoppe), »ist das größte Waldgebiet Deutschlands.« Na ja, er begeistert nicht jeden: »Scheißwald, Scheißnatur, ey, ich hab echt kein Bock!« (Theo Trebs als Benni).
Leider begleitet orchestral überzogene Musik die Aufnahmen, dass man meint, man wär in Transsylvanien. Gibt ein paar Details, die beinah wehtun, etwa als Sascha (Adrian Saidi) nachfragt, was denn Risotto sei, und Lena Odenthal in leicht oberspießiger Verwunderung gegenfragt: »Wisst ihr das nicht?« Oder als Mario Kopper den Personalmangel der Polizei erklärt: »Kollegen sind unterbesetzt, die sind alle zum Castortransport abkommandiert«. Ein Schenkelklopfer, echt. Kopper, sehr aufmerksam, kommentiert eine falsch gelegte Fährte: »Neustadt war offenbar auchn Trick – ganz schön clever«. Kopper soll so sein, Drehbuch? Der Typ lange Leitung? Hm. Und: »Man-trailer-Hund« – tut’s der »Suchhund« nicht mehr?
Durchwachsen. Witzig der Hinweis von Sascha und Benni auf Karrieren bei DSDS und Dschungelcamp. Die fünf erweisen sich als pragmatisch und bodenständig: »Hör auf mit diesem sozialpädagogischen Scheißdreck, okay?« (Frederick Lau als Tom Metzger), nur Paawo »Panne« Vietholz (Tomas Lemarquis) bricht auf zu neuen Ufern.
Die Geisel und die bösen Buben kommen einander näher: »kleines Stockholm-Syndrom« (Mario Kopper); ein Gewitter, dramaturgisch passend (Buch: Dorothee Schön), verlängert die Verweildauer, Lena Odenthal mutiert von der »Bullenmutti« (Sascha) zum »Streifenhörnchen« (Benni), und wir erleben ein dramatisches Finale auf Wasser, ein Problem nur für Nichtschwimmer Murat Bircan (Edin Hasanovic).
Der einfühlsam inszenierte Annäherungsprozess verleiht dem Film viel innere Spannung, und man darf Der Wald steht schwarz und schweiget mehr als eine Gesellschaftsstudie denn als einen Krimi ansehen; die rotznäsigen Jugendlichen gewinnen im Laufe des Geschehens Individualität und Charakter (Regie: Ed Herzog). Hier und da knallt schon mal ein Schuss, doch wer dogmatisch auf Action setzt, wird enttäuscht. Zum Glück wissen wir, dass TATORT ein eigenwilliges Format ist und sein Publikum gern überrascht, angenehm überrascht. So lehrt man uns den Sonntagabend lieben.